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Aufstiegsmannschaft von 1968
(Bildquelle: AllgäuHITFC Memmingen)
 
Memmingen
Montag, 23. November 2020

Erstes Bayernliga-Spiel des FC Memmingen vor 50 Jahren

Vor 50 Jahren schaffte der FC Memmingen erstmals den Aufstieg in die Fußball-Bayernliga und gehört seitdem nachhaltig zu den führenden Amateurclubs im Freistaat, vielleicht sogar in ganz Deutschland. Vergleichbares findet sich eigentlich nicht. Kurz unterbrochen wurde die Zugehörigkeit zur höchsten Amateurspielklasse lediglich durch zwei Abstiege in die Landesliga, die schnell wieder ausgemerzt wurden und den Abstecher auf DFB-Ebene in die Regionalliga Süd in den beiden Spielzeiten zwischen 2010 und 2012.

Im Jahr 1970 war die Teilnahme an der 1. Amateurliga Bayern, wie sie hier noch offiziell hieß, ein gewagter Sprung, über den der langjährige FCM-Boss Florian Huber die Mitglieder in einer außerordentlichen Versammlung abstimmen ließ. „Kann der FC Memmingen mit seinen bescheidenen finanziellen Möglichkeiten das Abenteuer Bayernliga überhaupt wagen?“ ist die Fragestellung in der Vereinschronik nachzulesen. Ein Defizit in fünfstelliger D-Mark-Höhe war befürchtet worden, wenn die kalkulierten 1.500 Besucher im Schnitt nicht kämen. Die große Mehrheit war für das Wagnis, es gab nur eine Enthaltung. Der Aufstiegsbeschluss der verdiente Lohn für die Mannschaft, die vom damaligen Trainer Kurt Helbig von der Bezirksliga über den schwäbischen Pokalsieg zur souveränen Landesliga-Meisterschaft 1969/70 mit zehn Punkten Vorsprung geführt wurde. Helbig war ehemals „süddeutscher Repräsentativspieler“, sprich Auswahlspieler des Renommierclubs SpVgg Fürth, geprüfter Fußballlehrer und war von Huber nach Memmingen gelotst worden.

„Kurt Helbig war ein Menschenfänger und eine Persönlichkeit, die auch Florian Huber mal die Stirn geboten hat, wenn es nötig war“, zollt Siegfried Moosmann seinem damaligen Anweiser und sportlichen Mentor noch heute höchste Anerkennung. Moosmann war seinerzeit Anfang 20, hatte die komplette Jugend des FCM durchlaufen. Helbig baute in seiner insgesamt sechsjährigen Ära viele Talente der schon damals fruchtbaren FCM-Jugendarbeit ein, konnte aber auch auf gestandene Akteure wie Reinhold Gögelein, Werner Machunze, Manfred Sudeck oder Spielführer Kurt Kramer bauen.

Die Gegner hießen nun statt Aichach oder Neugablonz in der dritthöchsten deutschen Spielklasse FC Augsburg, in Würzburg die Kickers und der FV 04 sowie SpVgg Bayreuth, die damals schon sehr professionell unterwegs war. Gegenspieler waren plötzlich mit den heutigen Legenden Heiner Schumann (FC Augsburg) oder Manfred Größler (Bayreuth) „richtige Kaliber“.

Im ersten Bayernliga-Heimspiel gab es am 8. August 1970 vor rund 1.500 Zuschauern einen 3:1 Heimsieg über die Amateure des 1. FC Nürnberg. Nach einem Rückstand erzielte Moosmann den ersten Memminger Bayernliga-Treffer zum 1:1. Der FCA wurde mit 1:0 geschlagen, Bayreuth zeigte beim 0:5 vor fast 3.000 Fans den Allgäuern die Grenzen auf.

Die weiten Auswärtsfahrten über Landstraßen (das heutige Autobahnnetz gab es noch nicht) in alle Winkel des Freistaats und bis hoch in den Norden nach Haßfurt und Coburg waren eine Herausforderung. Statt mit dem Bus wie heute wurden die Strecken in den Privatautos der Vorstände und Gönner absolviert. Zigarrenrauchend saß FCM-Patriarch Huber auch selbst am Steuer. „Bei Trunkelsberg hat er den vierten Gang eingelegt und erst in Burghausen wieder runtergeschalten“, schmunzelt Moosmann noch heute über so manche erlebnisreiche Fahrt. Der heute 72-jährige hat auf zwei völlig gegensätzlichen Positionen gespielt, was heute nahezu undenkbar ist. Weil Huber mit dem Augsburger Sepp Dusch noch einen auswärtigen Torhüter verpflichtete, wurde Moosmann von Helbig aus dem Kasten als „Halbstürmer“ in den Angriff beordert – und das höchst erfolgreich. In der Vorrunde erzielte er neun Treffer, die ihn kurzzeitig sogar für den TSV 1860 München interessant machten. Was sich nach einer nicht mehr so erfolgreichen Rückrunde aber erledigt hatte.

Erfolgsrezepte damals: „Wir waren ein zusammengeschweißter Haufen. Jeder hat jeden respektiert, auch uns junge Spieler“. Und ein guter Trainer. An eine Anekdote vor dem ersten Bayernliga-Auswärtsspiel beim ASV Herzogenaurach erinnert sich Moosmann besonders gerne: „Wir hingen in der Kabine an den Lippen von Helbig und warteten auf eine Ansage für das Spiel. Er sagte einfach: Jetzt geht raus und gewinnt mal schön“. Gesagt, getan: 4:2 für Memmingen ging’s aus. Es war einer der Siege, die für einen ordentlichen neunten Tabellenplatz am Saisonende, somit den sicheren Klassenerhalt im Aufstiegsjahr sorgten und den Grundstein für eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte gelegt hat.

Bereits im Alter von 24 Jahren wechselte Moosmann nach Babenhausen, wo er beim TSV als Spieler, Trainer und Funktionär über Jahrzehnte alles gemacht hat. Einige seiner Kameraden von damals, wie Karl Aust, Hans Bareth, Gero Weiß und auch Kramer sind bereits verstorben. Mit den anderen aus früheren Zeiten gibt es normalerweise im Frühjahr und Herbst ein Treffen, organisiert von FCM-Urgestein Dieter „Chef“ Degenhart. Corona-bedingt fielen die Wiedersehen heuer aus.

Finanziell wurde das Abenteuer Bayernliga übrigens vor 50 Jahren gemeistert, auch weil der FC Bayern München nach langem Bemühen am Jahrmarktssonntag im Oktober endlich ein zugesagtes Freundschaftsspiel in Memmingen einlöste. Beim 9:2 traf der in Memmingen geborene und in Amendingen aufgewachsene Franz „Bulle“ Roth dreimal für die Münchner. Mit dabei waren alle Stars wie Torhüter Sepp Maier, Paul Breitner, Gerd Müller und Kapitän Franz Beckenbauer. 7.500 Zuschauer sorgten für einen neuen Publikumsrekord im Stadion an der Bodenseestraße und einen warmen Regen in der Vereinskasse, obwohl vorher gebangt worden war, ob sich die hohe Antrittsgage von 12.000 D-Mark überhaupt einspielen lassen würde.


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fcm jubiläum 50 jahre bayernliga


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