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Präsentation zu den Digitalfunk-Standorten in der Marktgemeinde Oberstdorf
(Bildquelle: Markt Oberstdorf / AllgäuHIT)
 
Oberallgäu - Oberstdorf
Mittwoch, 9. April 2014

Digitalfunk im Rettungswesen

Vier Sendemasten in den Oberstdorfer Tälern geplant

In den Seitentälern von Oberstdorf wird demnächst gebaut. Vier neue Sendemasten müssen für den neuen Digitalfunk im Rettungswesen aufgestellt werden. Die Standorte sind so gewählt, dass die Strahlungsbelastung für die Bevölkerung in der oberallgäuer Marktgemeinde gering ausfällt. Am Dienstagabend fand dazu eine Informationsveranstaltung mit Podiumsdiskussion im Oberstdorf Haus statt.

An der Enzianhütte, am Söllereck, an der Käseralp und oberhalb des Christlessee sollen die Digitalfunkmasten aufgestellt werden. Und nicht nur das: Die Sendemasten benötigen Strom - Sommer und Winter. Deshalb muss auch an der Enzianhütte, sollte der Standort so verwirklicht werden, ein Kabel hinaufgelegt werden. Damit die Touristen nicht durch die Sendeanlagen verschreckt werden, sollen sich diese möglichst ins Landschaftsbild integrieren. So ist der oberhalb des Christlessee geplante Mast zwar höher als die Bäume im dortigen Wald und ragt somit aus diesem hinaus, durch seinen Tarnanstrich (Ähnlich der Bundeswehr), dürften diese aber nur Kenner tatsächlich entdecken. Zu sehen sind allerdings die Bauarbeiten, was Tourismuschefin Heidi Thaumiller nicht wirklich gefiel, was sich aber nicht verhindern lässt.

Fakt ist: Der Behördenfunk kommt. Bayernweit soll das Netz bis Ende nächsten Jahres realisiert werden. In Oberstdorf waren ursprünglich acht Masten geplant, dann sieben und schließlich vier. Dies ist nur möglich, weil mit den verbliebenen Standorten eine 96-prozentige Abdeckung erreicht wird. Vor allem bei den Rettungskräften wird bereits sehnsüchtig auf den Digitalfunk gewartet:

"Das Wichtigste ist, dass wir störungsfrei und rauschfrei kommunizieren können. Anweisungen werden besser verstanden, wir werden dadurch schneller und effizienter", so Joachim Freudig, Kreisbrandinspektor Oberallgäu-Süd.

Funkgeräte und Co: Den Löwenanteil der Kosten übernimmt das Land Bayern
Die Feuerwehrvereine und weiteren Rettungsorganisiationen müssen jetzt aber keine Angst haben, dass ihre Kassen durch die Neuanschaffung der Geräte belastet werden. 80 Prozent der Erstbeschaffungskosten übernimmt der Freistaat Bayern. Nur 20 Prozent entfallen auf die jeweils zuständige Gemeinde. Und: Auch länderübergreifend ist die Technik einsetzbar. Heißt: Die Verständigung mit Einsatzkräften aus Österreich, Vorarlberg und mit Baden Württemberg läuft bei den Tests am Bodensee bereits hervorragend, wie ein Vertreter des Polizeipräsidiums Schwaben Süd-West aus Kempten schilderte.

Einsatzkräfte und Bürger müssen vor den neuen Funkwellen keine Angst haben

"Natürlich bringt eine neue Digitalfunktechnik auch weitere Strahlung mit sich. Diese werde sich auch auf jeden in irgendeiner Form auf uns Menschen auswirken", ist sich der schweizer Strahlenexperte und Schulmediziner Urs Hafner sicher.

Es dürfte auch Einzelfälle geben, in denen Personen reagieren. Wichtig sei aber, dass vor allem nachts ohne oder mit so wenig wie möglich elektromagnetischen Feldern um einen herum geschlafen werde. Im Interview bei Radio AllgäuHIT erklärte Hafner, dass der Körper es durchaus schaffe, ein Gegenfeld zu den Strahlen aufzubauen. Allerdings benötige er auch eine entsprechende Ruhephase. Viel schlimmer als jedes Mobilfunkgerät oder jeder Sendemast sei bspw. WLAN- Dauerbeschuss oder auch der gewöhnliche 50-Hertz- Strom. Er empfiehlt: 30 Tage nachts die Sicherung im Schlafzimmer herauszudrehen und dann einen Tag wieder an - Dann würde jeder verstehen, was er meine. Unter keinen Umständen sollte das Handy auf den Nachttisch geladen werden. Dagegen sei der BOS-Funk vergleichsweise harmlos. Der Einsatz der Funkgeräte sei mit der eines normalen Handys oder Smartphones gleichzusetzen.

Bürgermeister Laurent Mies war erleichtert, dass einerseits ein beinahe schon zu erwartender Proteststurm ausgeblieben war und andererseits, dass die Punkte Landschaftsschutz und Immissionen bestmöglich für seine Marktgemeinde gelöst werden können:

"Das präsentierte Immissionsgutachten des Umweltinstituts in München zeigt, dass die Werte verträglich sind und dass wir damit Leben können. Wichtig war mir auch, dass wir nicht mehr als vier Standorte bekommen, dass die Förderung für die Endgeräte zugesagt wurde und dass unsere Sicherheitsbehörden davon ausgehen, dass unsere Rettungsdienste durch die neue Technik bestmöglich versorgt werden." (Der Oberstdorfer Bürgermeister Laurent Mies)

Ulrich Wittfeld von der Firma Telent, die mit dem Netzaufbau beauftragt wurde, ist sich sicher, dass das Netz bis Ende Dezember 2015 in Betrieb gehen kann. Ob in vollem Umfang, das müsse sich zeigen. Schließlich sei der Zeitraum für Arbeiten gerade in den Bergregionen durch die meist langen Winter eingeschränkt. Er ließ sich das gewählte System TETRA nicht schlechtreden: Als das Mobilfunknetz (D-Netz) an den Start ging, hätte schließlich auch keiner gewusst, dass es in diesem Maße internetfähig sein müsste, wie es heute Standard ist. 3G, LTE, etc. - alles sei mit der Zeit hinzugekommen. So werde es auch beim BOS-Funk sein. Das Verfahren sei auch nicht veraltet, sondern könne stets mit Updates auf einen neuen Stand gebracht werden.

Michael Finger von der Initiative strahlungsarmes Oberstdorf bleibt weiter kritisch:

"Ich freue mich, wenn es bei den vier Masten bleibt und für die Feuerwehr freue ich mich, wenn es funktioniert. Wenn es am Ende nicht funktioniert, dann habe ich wohl recht gehabt“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Wir müssen kritisch bleiben, nur so konnten wir in den letzten Jahren etwas bewegen. Die Planungen sind durch die Kritiker doch schlussendlich verbessert worden. Die können was von uns lernen und wir von denen und wenn unter dem Strich ein besseres Produkt herauskommt, haben alle gewonnen:"

In Oberstdorf hängt jetzt alles von der nächsten Marktgemeinderatssitzung ab. Dort soll das Thema mit den Punkten aus der Diskussion noch einmal besprochen werden. Einer von vier Standorten ist auf Gemeindegebiet, die anderen drei betreffen Privatbesitz. Hier muss sich der Freistaat noch mit den Grundstückseigentümern einigen. Die Marktgemeinde kann den gewünschten vier Standorten eigentlich nur zustimmen, da ansonsten ein deutlich schlechteres Modell von Seiten des Freistaats favorisiert ist. Ein Ankermast auf der Polizeistation in Oberstdorf, der aber weitere Masten nötig macht. Mehr als vier sollen es dann sein. Hier hätte der Markt auch kein Mitspracherecht, weil die Gemeinde schlussendlich von der Regierung von Schwaben überstimmt würde, so die Schilderungen am Dienstagabend im Oberstdorf Haus.


Tags:
digitalfunk rettungswesen bos sendemasten



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