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Oberallgäu
Dienstag, 21. Juli 2020

FDP Oberallgäu diskutiert über Schul-Digitalisierung

Die Digitalisierung des Bildungswesens war schon vor der Corona-Pandemie ein  oft diskutiertes Thema. Durch die Krise wurden jedoch die Defizite, aber auch die Chancen der Digitalisierung unserer Schulen zu Tage gefördert. Im Rahmen einer digitalen Ideenwerkstatt diskutierten nun Expertinnen und Experten mit Interessierten unter der Moderation des FDP-Kreisvorsitzenden Michael Käser darüber, wie die Politik bei der Modernisierung des Bildungswesens unterstützen kann.

Zu Anfang der Diskussion wurde Bilanz über den Umgang der Schulen mit der Pandemie gezogen. Diese fiel aus Elternsicht überwiegend negativ aus. So berichtete Oliver Schwarz, Mitglied im Elternbeirat des Gymnasiums Oberstdorf und Ortsvorsitzender der FDP Oberstdorf von vielschichtigen Problemen beim sogenannten „Home-Schooling“: „Beim Gymnasium Oberstdorf hat den Umständen entsprechend das Home-Schooling recht gut funktioniert. Die Umsetzung Zuhause war aber sehr vom Elternhaus abhängig. Viele Eltern waren damit überfordert, ihre Kinder beim digitalen Lernen zu unterstützen, während diese selbst im Homeoffice arbeiten mussten. Bei anderen standen nicht genügend mobile Endgeräte zur Verfügung, da viele nur einen einzigen Computer im Haushalt haben. Einige Schülerinnen und Schüler mussten deswegen auf Ihr Smartphone ausweichen. Bei manchen hat der Heimunterricht gar nicht funktioniert, da die Internetverbindung zu schlecht war. Es wurden durch das Home-Schooling die weniger leistungsstarken Schüler noch mehr abgehängt. Diese Schüler im kommenden Schuljahr wieder auf das gewünschte Leistungsniveau zu bringen, wird eine große Herausforderung", so Schwarz.

Ein differenzierteres Bild skizzierte Doris Sippel, Leiterin des
Medienzentrums Oberallgäu, die als Lehrerin und medienpädagogische Beraterin
Fortbildungen hält und Schulen im Bereich der Digitalisierung berät.

„Wir finden in Oberallgäuer Schulen unterschiedliche Voraussetzungen vor,
was das digitale Arbeiten angeht. Dies hängt von den infrastrukturellen
Voraussetzungen (z. B. Kommunikations- und Austauschmöglichkeiten) an der
Schule, aber auch von den digitalen Kompetenzen im Kollegium vor Ort ab. Es
war eine große Herausforderung, diese neuen Wege zu gehen und dabei nach
individuellen Lösungen zu suchen, gerade in der Anfangszeit, in der
bestehende Systeme überlastet waren. Viele Lehrkräfte sind sehr engagiert
und kreativ mit der Situation umgegangen, konnten auf digitalem Weg ihre
Schüler gut erreichen. Jüngere Schülerinnen und Schüler wurden auch mit
Materialien in Papierform versorgt. Rückblickend kann man sagen, dass die
Corona-Krise eine Digitalisierungswelle in den Schulen ausgelöst hat, was
sich auch darin zeigt, dass in den letzten Monaten eine Vielzahl an
Lehrerinnen und Lehrer die Onlinefortbildungen der Berater digitaler Bildung
besucht haben. Nun stellt sich die Herausforderung, diesen Schwung zu nutzen
und die positiven Möglichkeiten, die ein digitales Arbeiten an den Schulen
ermöglicht, in die Köpfe zu bringen“, so Sippel.

Auch die Finanzierung der Digitalisierung wurde ausgiebig diskutiert. Zwar
stünden mit dem Digitalpakt II und anderen Förderprogrammen genügend Mittel
zur Verfügung, jedoch ist es für die Sachaufwandsträger, die Kommunen, eine
Herausforderung, die Gelder zeitnah abzurufen. Europäisches Ausschreiberecht
und unnötige Bürokratie würden den Zugang zu den Förderungen erschweren.
Auch ist die Wartung der Endgeräte eine große Last für die Gemeinden und
Städte.

Einen möglichen Lösungsansatz für diese Probleme stellt Kreisrat Michael
Käser mit der Idee eines Zweckverbands „Schule Digital“ im Oberallgäu vor.
„Es wäre von großem Vorteil, wenn sich die Gemeinden und Städte im
Oberallgäu an einen Tisch setzen würden und gemeinsam überlegen, in welchen
Bereichen sie sinnvoll zusammenarbeiten könnten, um die Digitalisierung
unserer Schulen zu befördern. In Form eines Zweckverbands könnten so
Endgeräte günstiger bestellt und eine Stelle geschaffen werden, die den
technischen Support der Schulen übernehmen könnte“, so Käser, der bereits
gemeinsam mit der Ausschussgemeinschaft ÖDP/FDP/BBOA einen entsprechenden
Antrag in den Kreistag eingebracht hat. Dieser soll zunächst mit den
Bürgermeistern im Oberallgäu im Rahmen eines Jour-Fixe besprochen werden.
„Es ist wichtig, dass der Wille der Zusammenarbeit von den Kommunen und den
Schulen ausgeht. Alles andere wäre nicht nachhaltig. Ich hoffe aber, dass
unser Antrag einen politischen Impuls bei den Verantwortlichen gesetzt hat“,
so der 28jährige.


Tags:
fdp schule online digitalisierung


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