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E-Mobilität: Baustein für die Klimawende
(Bildquelle: Fotolia.com: Herr Loeffler)
 
Allgäu
Montag, 23. Juli 2018
Elektromobilität in Bayern
Potenziale und Zukunftsausblick

Unterwegs nur mit Strom – Elektromobilität ist derzeit in aller Munde. Auch im Allgäu wird darüber diskutiert, wie sich mit E-Cars zum Klimaschutz beitragen lässt. Warum sollte – statt Benziner oder Diesel – die Allgäuer Bevölkerung mit Elektromotoren unterwegs sein? Der Grund sind die Änderungen des Klimas. Klimaveränderungen sind – zumindest in geologischen Maßstäben betrachtet – nicht ungewöhnlich. Und auch der Mensch hat in den vergangenen 2.000 Jahren bereits entsprechende Erfahrungen gemacht. Das beste Beispiel hierfür ist die kleine Eiszeit, die vom 15. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert dauerte. Solche Phasen mit natürlichem Ursprung lassen sich in den Klimaarchiven (den Eisbohrkernen) immer wieder beobachten. Was sich allerdings seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert abspielt, ist in der Klimageschichte bisher ein einzigartiges Phänomen. Der Mensch hat es geschafft, solche Mengen an klimaschädlichen Gasen in die Luft zu pumpen, dass Experten diese Entwicklung für klimarelevant halten.

Der Sommer 2018, für den auch Experten – unter anderem vom DWD – bereits von einem Rekordjahr sprechen, ist ein Hinweis auf die Änderungen beim Klima. Der Weg zurück ist lang und führt am Ende nur über zwei Optionen: Klimagase neutralisieren oder weniger klimaschädliche Emissionen produzieren. Elektromobilität wird als eine der möglichen Lösungen angesehen – gerade, weil der Straßenverkehr zum Ausstoß von CO2 und anderen Verbindungen beiträgt. Ein Flächenland wie Bayern (noch dazu mit geomorphologischen Besonderheiten wie Hochgebirgszügen) steht vor besonderen Herausforderungen. Lässt sich das Problem überhaupt lösen – und wenn ja wie?

Elektromobilität: Mit sauberer Energie unterwegs?
Als Begriff ist Elektromobilität auf den ersten Blick eindeutig belegt. Fortbewegt wird sich mit Strom. Statt Verbindungen auf Kohlestoffbasis (beispielsweise fossile Energieträger wie Benzin, Diesel oder Flüssiggas) zu verbrennen, treibt Strom einen Elektromotor. Die Kraft wird auf die Räder übertragen, der Pkw bewegt sich fort.

Auf den ersten Blick ein simples Prinzip. Zur Herausforderung wird das Ganze – vor allem im Hinblick auf die klimaschädlichen Gase und den Umweltschutz durch:

  • Erzeugung des Stroms
  • Exploration/Mining
  • Aufbereitung von Erzen
  • Herstellung der Stähle
  • Pkw-Fertigung.

Die Hürden der Elektromobilität in Bayern
Elektromobilität steht in Bayern vor verschiedenen Hürden. Einige sind von Menschenhand gemacht, andere haben eher natürliche Faktoren. Ein Beispiel hierfür ist die Morphologie. Mit dem Bayerischen Wald, den Alpen oder dem Fichtelgebirge müssen E-Cars erhebliche Höhenprofile überwinden.

Die Folge: Elektrofahrzeuge verbrauchen bei Fahrten in diesen Regionen mehr Energie, die Akkus sind schneller erschöpft und damit reduziert sich die Reichweite. Ein zweiter Aspekt betrifft die Temperaturen. In einigen Regionen des Freistaats liegen mitunter selten über der 20°C-Marke. Zu diesen Regionen gehört das Allgäu. Niedrige Außentemperaturen sind ab einem bestimmten Punkt aber eine Herausforderung für Akkus.

Zu den größeren Herausforderungen in Bayern zählt die Tatsache, dass es sich um ein Flächenland handelt – was Auswirkungen auf den Ausbau des Tankstellennetzes hat.

Um Elektrofahrzeug im Alltag nutzen zu können, sind Halter auf ein flächendeckendes E-Zapfsäulennetz angewiesen. Dahinter verbirgt sich ein wesentlicher limitierender Faktor. Mittlerweile existiert im Freistaat ein Netz aus mehreren hundert Tankstellen für Elektrofahrzeuge. Diese Zahlen legen zumindest Suchmaschinen für E-Zapfsäulen nahe. Aber: Das Netz ist nicht überall in Bayern mit identischer Abdeckung ausgebaut. Erfahrungsgemäß konzentrieren sich E-Zapfsäulen in der Metropolregion München und rund um die anderen bayerischen Städte wie:

  • Regensburg
  • Augsburg
  • Ulm.

In den ländlichen Regionen ist die Abdeckung sehr viel geringer. Ein Aspekt, welcher dem Ausbau der Elektromobilität Grenzen setzt.

Beim Betanken eines Fahrzeugs mit herkömmlichem Verbrennungsmotor braucht der Fahrer nur wenige Minuten. Das Laden eines E-Cars an der Station zu Hause kann mehrere Stunden dauern. Zeit, die niemand an einer E-Tankstelle verbringen wird. Wie lange der Ladevorgang dauert, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hierzu gehören:

  • Ladezustand
  • Ladestrom an der Zapfsäule
  • Kapazität des Akkus
  • Ladetechnik im Auto.

Beispiel: Ein zur Hälft entladener Akkus braucht an einem Ladeanschluss mit halber Akkukapazität eine Stunde zum Aufladen, bei doppelter Akkukapazität sinkt die Ladezeit entsprechend.

An modernen Schnellladestationen kann der Aufladevorgang innerhalb einer halben Stunde bis einer Stunde erledigt sein, in einigen Fällen nimmt das Aufladen der Batterie noch weniger Zeit in Anspruch. Aber: Im Hinblick auf Schnellladestationen ist die Situation im Allgäu ausbaufähig, das Netz mit Normalladestationen ist wesentlich breiter ausgebaut. Eine Alternative für Verbraucher könnte eine eigene Ladestation am Haus sein. Doch dafür bedarf es einiger Vorbereitungen, um am Ende die richtige Leistung und Abrechnung nutzen zu können. Der Vorteil liegt ganz klar darin, dass man den Wagen jeden Abend einfach ans Stromnetz anschließen kann, so dass er morgens wieder aufgeladen ist.

Wie hoch ist das E-Mobility Potenzial?
Über die Möglichkeiten der Elektromobilität - und deren Anteil am Klimaschutz zu diskutieren – bleibt so lange theoretischer Natur, wie das Realisierungspotenzial außer Acht gelassen wird. In Bayern waren zum Januar 2017 mehr als 9,7 Millionen Kfz zugelassen. Davon waren etwa 7,7 Millionen Pkw. Knapp zwei Drittel davon waren Fahrzeuge mit Ottomotor, über ein Drittel Dieselfahrzeuge. Der Bestand an Elektrofahrzeugen legte im Vergleichszeitraum um mehr als 40 Prozent zu – auf etwas mehr als 8.000 Fahrzeuge.

Letztgenannte Zahl unterstreicht, dass für E-Cars eine Nachfrage besteht. Eine Tatsache, die durch Umfragen untermauert wird. Denen zufolge kann sich etwa die Hälfte der befragten Personen vorstellen, mit Strom unterwegs zu sein. Aber: Wirklich für den Kauf eines Elektrofahrzeugs entscheidet sich am Ende nur ein Drittel. Ein im Onlinemagazin heise.de zitierte GfK Umfrage kommt zum Schluss, dass für 5 Prozent der Befragten tatsächlich ein E-Car in Frage kommt. Da aktuell Dieselfahrzeuge zur Debatte stehen, wäre hier wahrscheinlich das Potenzial besonders groß – es geht um mehrere zehntausend Fahrzeuge. Entscheidende Kriterien in der Anschaffung sind Preis und Reichweite.

Das Interesse an der Elektromobilität lässt sich nicht nur überregional beobachten. Auch im Allgäu wird die Entwicklung mit Spannung verfolgt. Kritik ernten in diesem Zusammenhang teils deutsche Hersteller. Diese entzündet sich an schleppenden Entwicklungen, welche mit den Produkten ausländischer Hersteller nicht mithalten können.

CO2-Einsparung durch Elektromobilität
Bei der anhaltenden Debatte rund um Elektrofahrzeuge geht es zumindest der Politik um eine CO2-Vermeidung. Dieser Aspekt ist in das Erreichen der offiziellen Klimaschutzziele eingebettet. Für den Verbraucher spielt daneben der Kostenfaktor eine Rolle. Im Hinblick auf die CO2-Einsparung werden E-Cars kontrovers diskutiert. Eine reine Reduzierung auf die Emissionen durch erzeugten Strom geht nicht weit genug.

Für die Herstellung von Fahrzeug, Akkus und Ladeinfrastruktur fällt CO2 an. Und dieses ist – in Summe – höher als bei einem vergleichen Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Auf lange Sicht muss daher an:

  • einer CO2-reduzierten Herstellung der Fahrzeuge
  • Strom mit niedrigem CO2-Ausstoß

gearbeitet werden. Werden diese Ziele erreicht, ist mit Elektrofahrzeugen eine deutliche Einsparung (davon gehen unter anderem Experten der Uni Köln aus) beim Kohlendioxid als klimaschädlichem Gas zu erreichen.

Wie sich die Situation in den kommenden 30 Jahren oder 40 Jahren entwickelt, ist heute schwer einzuschätzen. Aktuell dominieren zwar immer noch Verbrennungsmotoren. Am Entwicklungstand der zurückliegenden 10 Jahre wird deutlich, wie stark Elektromobilität aufholen kann. Wie stark die Durchsetzungsfähigkeit ist, wird von Aspekten wie der Reichweite abhängen, einer Reduzierung der Ladezeit und der Frage, wie lange Elektrofahrzeuge deutlich teurer als Pkw mit herkömmlichem Antrieb sind. Aktuell liegt zwischen beiden immer noch eine erhebliche Preisdifferenz, die mehreren tausend Euro entspricht.

Fazit: Zulassungszahlen für Elektrofahrzeuge steigen
Angesichts der Emissionen klimaschädlicher Gase und der Frage, ob Deutschland seine gesteckten Ziele noch erreichen kann, ist das Interesse an Strategien zur Vermeidung der Emissionen groß. Elektromobilität ist einer jener Ansätze. Am Beispiel Bayern bzw. im Allgäu zeigt sich, wo deren Grenzen liegen – zumindest noch. Höhenprofile, wie sie für das Allgäu typisch sind, und der Ausbau mit E-Zapfsäulen machen limitierende Faktoren aus. Die vergleichsweise deutliche Zunahme bei den Zulassungszahlen untermauert aber, dass ein Interesse der Verbraucher an der Elektromobilität vorhanden ist. Sofern sich hier positive Veränderungen ergeben – und der Preisfaktor sich in eine entsprechende Richtung entwickelt – ist von einer zunehmenden Nachfrage auszugehen. Potenzial für Elektromobilität ist in jedem Fall vorhanden.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Luisa Beckmann, Fachjournalistin im Bereich Klimawandel, Nachhaltigkeit und Umweltschutz, entstanden.


Tags:
elektromobilität potentiale umwelt zukunft



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