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Bürgerinitiative fordert Nachbesserungen für vorgelegtes Bahnhofkonzept in Lindau
27.07.2012 - 16:47
Nach Bekanntwerden der ersten Planungen für die Neugestaltung der Lindauer Bahnhöfe gibt es Kritik von Seiten der Bürgerinitiative.
Das vorgelegte Konzept für den Stadtteil Reutin entspreche nicht dem Votum der Bürger vom 18.März teilte der Initator des Bürgerbegehrens Rainer Rothfuß mit.

Ein wirklicher Hauptbahnhof in Reutin fordere eine entsprechende Ausstattung, so Rothfuß. Man begrüße allerdings die ersten ersichtlichen Verbesserungen. 5 Hektar Bahn- und Gleisfläche für eine zukunftsweisende Entwicklung der Insel würden nun frei. Zu bedauern sei aber, dass nur ein Fußweg hinter den etwa 30 Meter eingekürzten Bahnsteigen entstehe und nicht die Weiterführung zur Maximilianstraße. Damit wäre die "Hintere Insel" besser in ein städtebauliches Gesamtkonzept integriert worden, so die Bürgerinitiative.

Die konkreten Forderungen der Bürgerinitiative:
1. Der nach Norden ausgreifende Bogen der Gleise in Reutin muss so weit begradigt und die Gleisanlagen nach Süden verlegt werden, dass ein 60 Meter breiter Streifen frei wird a) für einen umfassenden Umbau des Berliner Platzes inkl. paralleler Bahnhofsstraße zur Lösung der seit vielen Jahren bestehenden gravierenden Verkehrsprobleme; b) für den Bau eines Parkhauses mit mindestens 400 Stellplätzen, die sowohl wochentags Park&Ride-Funktion für die Bahn übernehmen sollen als auch am Wochenende Pufferkapazitäten für den überlasteten Lindaupark und als Park&Ride für Tagesbesucher der Insel dienen können; c) für eine umfassende städtebauliche Entwicklung in verkehrsgünstigster und landschaftsverträglichster Lage (Hbf, Autobahnnähe, neues Subzentrum Reutin), deren Inwertsetzung durch Ansiedlung von Einzelhandel, Dienstleistungen, Gewerbe und Wohnen die Steuerkraft der Stadt Lindau verbessern und die Haushaltssituation dauerhaft verbessern hilft; d) für ein repräsentatives Hauptbahnhofsgebäude, das wie in Aschaffenburg im Public-Private-Partnership-Modell mit einem Investor realisiert werden kann.

2. Der Hbf in Reutin muss mindestens 4 Durchgangsbahnsteige erhalten, die doppelseitig belegt werden können. Eine Erweiterungsoption für einen 5. Bahnsteig sowie ein 6. Stumpfgleis aus Westen muss offen gehalten werden.

3. Die zusätzlichen Kosten für die Verlegung der Gleisflächen in Reutin nach Süden von rund 10 Mio. Euro nach Angaben von Herrn Dr. Hentschel, DB Netz AG, können vollständig auf der Insel und durch Inselanbindung eingespart werden. Der Bahnhof auf der Insel könnte von 6 auf 3 bis max. 4 Bahnsteigkanten reduziert werden, wenn die Aeschacher Kurve doppelgleisig mit Lärmschutz ausgebaut wird und somit ohne Trassenkonflikte alle Verbindungen in Reutin optimal vertaktet werden können.

4. Eine zusätzliche Kostenersparnis ergibt sich durch die nur einseitige Anbindung der Insel aus Richtung Bregenz. Die doppelseitige Anbindung zusätzlich aus Richtung Friedrichshafen erzeugt für die DB Netz AG laut eigenen Angaben Mehrkosten von rund 10 Mio. Euro, die aus fahrplantechnischer Sicht nicht zu rechtfertigen sind und der Stadt Lindau keine Vorteile erbringen, die mit der gleich teuren Gleisverschiebung in Reutin auch nur annähernd vergleichbar wären.

5. Die zweiseitige Anbindung gefährdet das Ziel, auf dem Bahndamm 2 Gleise abzubauen, um vor dem Bahnübergang Lotzbeckweg die Radfahrer und Fußgänger aus Richtung Schachen auf der Westseite des Damms direkt auf die Insel zu führen und zudem 500 Meter schönstes Westufer für die Lindauer Bevölkerung und unsere Gäste nutzbar zu machen. Viele Fußgänger und Radfahrer müssten somit nicht mehr an der Schranke warten. Eine bislang für die Variante Kombilösung geplante behindertengerechte Radfahrer- und Fußgängerunterführung, die den Rettungsweg über den Bahndamm offen hält, müsste aus 6 Seiten jeweils 60-70 Meter lange Rampen vorsehen. Ein solches Projekt wäre technisch sehr herausforderungsvoll, städtebaulich nachteilig und finanziell kaum im bislang vorgesehenen Rahmen zu bewältigen (städtischer Finanzierungsanteil!).

6. Durch die Zweiseitigkeit der Inselanbindung entstehen sowohl der Bahn als auch der Stadt wegen der für 2016 erwarteten Elektrifizierung aus Richtung Friedrichshafen (Südbahn) hohe Zusatzkosten durch den dann notwendigen Neubau einer höheren Thierschbrücke. Die im Bürgerentscheid geforderte einseitige Inselanbindung könnte auf zwei bereits elektrifizierten Gleisen aus Richtung Bregenz erfolgen und die Thierschbrücke mit Tonnagenbeschränkung und geringfügiger Sanierung ohne große Mehrkosten erhalten werden (schwere Tanklastzüge für DB-Tanklager auf der Insel fallen weg!).

7. Der lt. Angaben der DB Netz AG ca. 5 Mio. Euro kostende Bau eines zusätzlichen Gleises inkl. unerlässlichem (!) Lärmschutz für die Anwohner in der Aeschacher Kurve – möglichst mit finanzieller Unterstützung des Bundes und gegebenenfalls auch des Landes Baden-Württemberg, das sich dadurch Teile des zweigleisigen Ausbaus der Südbahn zwischen Friedrichshafen und Lindau sparen könnte – ist aus fahrplantechnischer Hinsicht für die mittel- bis langfristige Zukunft unerlässlich. Dies gilt insbesondere für die Verbindungen aus Richtung Friedrichshafen und damit auch für die Nachbarorte Nonnenhorn, Wasserburg und Enzisweiler/Bodolz. Bei Eingleisigkeit besteht für diesen westlichsten Teil des Landkreises Lindau sowie für den angrenzenden Bodenseekreis die Gefahr wesentlicher Nachteile bei den Anschlüssen und besonders den Pendlerverbindungen in Richtung Reutin und Vorarlberg (Entlastung der B31!). Zudem würde dem EC-Halt in Lindau wegen Trassenkonflikten bei Eingleisigkeit ein wichtiges Einzugsgebiet verloren gehen, da der RE aus Stuttgart bzw. Singen den Anschluss auf den EC nach Zürich – wie bei der früher verhandelten Kombilösung – nicht herstellen kann. Dieses Einzugsgebiet wird für die Chancen entscheidend sein, den letzten Bayerischen EC-Halt vor der Grenze dauerhaft zu sichern. Die gerade erst aufkommende und rapide zunehmende Konkurrenz der billigeren und schnelleren privaten Fernbusse wird die Bahn in dieser Hinsicht stark unter Druck setzen, unrentable EC-Halte aus dem Fahrplan zu streichen.

8. Die vom Oberbürgermeister bereits für die neue Bahnhofslösung vorschnell zugesagten 3 Mio. Euro für den Bau des Hbf in Reutin sollten eindeutig an die Voraussetzung gebunden werden, die Gleise nach Süden zu verlagern, um der Stadt Lindau einen angemessenen Gegenwert für das Einbringen Lindauer Steuergelder zu sichern. Sollte die DB Netz AG mit dieser Zuzahlung zuzüglicher der Finanzierungszusage des Freistaats von 3,5 Mio. Euro noch nicht in der Lage sein, die ursprünglich für den Hbf geplante Gleisverlegung nach Süden zu finanzieren, so ist es Aufgabe der Stadt, optimierte Verwertungsmöglichkeiten der frei werdenden Bahnflächen auf der Insel und in Reutin und damit eine Querfinanzierung der Bahnkonzerntöchter für Immobilien- und Netzbereich zu ermöglichen. Bei den weiteren Verhandlungen zur Fahrplangestaltung sollten unbedingt folgende Partner bis spätestens Mitte September 2012 verstärkt mit einbezogen werden, um ein über den spezifisch Lindauer Bedarf hinausweisendes Konzept einer aufstrebenden europäischen Region im östlichen Bodenseeraum zu verwirklichen:
- Landkreis Lindau und auch bayerische Bodenseegemeinden
- land Baden-Württemberg
- Land Vorarlberg
- DB- und SBB-Fernverkehr für die EC-Verkehre und ggf. auch die heute betroffenen Bahnunternehmen mit ihrem Erfahrungsschatz.

Zudem vertritt die BI in Abstimmung mit der BEG die Ansicht, dass dem Haltepunkt Aeschach in Zukunft eine Umsteigefunktion im Verkehr zwischen Allgäu und Friedrichshafen sowie eventuell auch zur Insel zukommen sollte. In allen Fällen unterstütz die BI den Um- und Neubau des Haltepunktes Aeschach auch an der Allgäubahn.

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