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Allgäu
Mittwoch, 3. Mai 2017

Beschäftigungsboom im Allgäu

Regionale Arbeitslosenquote sinkt auf 2,8 Prozent

Im April setzte sich die dynamische Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im bayerischen Teil des Allgäus fort. Im Ergebnis bedeutete das einen deutlichen Rückgang bei arbeitslosen Menschen sowie einen anhaltend starken Bedarf an weiteren Arbeitskräften. Aktuell lag die Arbeitslosenquote bei 2,8 Prozent und damit um 0,2 Prozentpunkte besser als im März. Die gute Entwicklung zeigt sich auch im Vergleich mit dem Vorjahr. Seinerzeit erreichte die Arbeitslosenquote im April die höhere Marke von 3,2 Prozent. Insgesamt waren 10.182 Frauen und Männer bei den Vermittlern der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern arbeitslos gemeldet, 800 weniger als im Monat zuvor. Gleichzeitig war dies die niedrigste Zahl der letzten zehn Jahre in einem April. Arbeitskräfte blieben weiterhin stark gefragt. Arbeitgeber boten knapp 7.300 Beschäftigungsmöglichkeiten zur Besetzung an.

„Gerade zu Monatsbeginn haben relativ milde Temperaturen zu weiteren Rückrufen von ehemals Beschäftigten im Baugewerbe und in anderen Außenberufen gesorgt“,  sagt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. „Erfreulich ist der anhaltende Bedarf an Arbeitskräften. In einigen Branchen dauert es länger, bis die gemeldeten Stellen besetzt sind. Ergänzend bieten wir Betrieben alternative Lösungen an. In vielen Betrieben gibt es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bereits mehrere Jahre dort tätig sind, jedoch bisher über keinen Berufsabschluss verfügen. Die Qualifizierung dieser Beschäftigten können wir gemeinsam mit dem Betrieb fördern.“

Beschäftigungsboom im Allgäu
Das Allgäu bietet ausgezeichnete Chancen auf eine Beschäftigung. Ende Sept. 2016 – das sind die aktuellsten Daten für die Region - übten mehr als 262.000 Menschen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aus, ein neues „Allzeithoch“. Der weit überwiegende Teil verfügt über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen Studienabschluss. Aber auch im Allgäu sind noch viele Menschen

ohne Berufsabschluss bei Unternehmen beschäftigt. Ende September des letzten Jahres waren 43.000 Mitarbeiter als Helfer eingesetzt. Für diese gut 16 Prozent aller Beschäftigten ist das Risiko arbeitslos zu werden deutlich höher. Das zeigt die Vermittlungsarbeit in der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern jeden Tag aufs Neue. Menschen ohne Berufsabschluss werden auch häufiger und schneller wieder arbeitslos als solche mit beruflicher Qualifikation.

Gleichzeitig sind Betriebe ständig auf der Suche nach qualifizierten Fachkräften. Im Jahresdurchschnitt 2016 stellten Arbeitgeber annähernd 5.700 SV-pflichtigen Stellenangebote zur Verfügung. Aktuell im April waren es 7.000 entsprechende Beschäftigungsmöglichkeiten. Vorrangig wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit beruflicher Qualifikation gesucht. Lediglich etwas mehr als 1.100 Stellenangebote richteten sich an Hilfskräfte.

Die Agentur für Arbeit unterstützt nicht nur Menschen in Arbeitslosigkeit, sondern kann prophylaktisch wirken um das Risiko „Arbeitslosigkeit“ kleiner zu halten. Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss können während der Beschäftigung Leistungen erhalten, wenn sie durch eine Qualifizierung einen anerkannten Berufsabschluss erwerben. Erstattet werden Lehrgangskosten sowie übrige Aufwendungen wie z.B. Fahrkosten. Für die ausgefallene Arbeitszeit kann der Betrieb einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt bekommen. Um Motivation und Durchhaltevermögen eines Kursteilnehmers zu erhöhen, gibt es seit August 2016 zusätzlich für Beschäftigte ohne Berufsabschluss eine Weiterbildungsprämie in Höhe von bis zu 2.500,-- Euro - bei erfolgreicher Beendigung des Kurses.

Die Förderung ist vorteilhaft für alle Beteiligten: Der Arbeitnehmer hat mit seinem neu erworbenen Berufsabschluss eine gefestigte Position auf dem Arbeitsmarkt. Der Arbeitgeber profitiert ebenfalls, denn je besser Mitarbeiter qualifiziert sind, desto wettbewerbsfähiger bleibt die Firma. Die investierten Beiträge zur Arbeitslosenversicherung sind gut angelegt, weil qualifizierte Kräfte in vielen Fällen deutlich weniger arbeitslos sind. Dazuhin führt der demografische Wandel tendenziell zu einem Rückgang des qualifizierten Arbeitskräftepotenzials, der auf diesem Weg teilweise gemildert werden kann.

Daneben können klein- und mittelständische Unternehmen (unter 250 Beschäftigte) für die berufliche Weiterbildung von Mitarbeitern einen Teil der Lehrgangskosten erhalten. Förderfähig sind in diesem Zusammenhang auch Mitarbeiter, die bereits über einen Berufsabschluss verfügen. Die erworbenen Kenntnisse müssen allgemein auf dem Arbeitsmarkt verwertbar sein, für rein arbeitsplatzbezogene Kurse oder gesetzlich vorgegebene Qualifizierungen sind keine Fördermittel möglich.  

Aktuell unterstützt die Agentur für Arbeit 200 Qualifizierungen mit einem Arbeitsentgeltzuschuss sowie Lehrgangsgebühren und ergänzenden Leistungen. Die Qualifizierung zum Altenpfleger, Maschinen-/Anlagenführer, Betonbauer, Raumausstatter und Koch sind nur einige Beispiele. Im vergangenen Jahr hatte die Agentur für Arbeit 3,1 Mio. Euro an Beitragsmitteln für die Qualifizierung von Beschäftigten eingesetzt. Im laufenden Jahr werden 3,2 Mio. Euro investiert.

Dazu beraten Mitarbeiter im Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Betriebe über gezielte Fördermöglichkeiten (Tel. 0800 4 5555 20 oder Kempten-Memmingen.Wegebau@arbeitsagentur.de). An Qualifizierung interessierte Beschäftigte wenden sich direkt an ihren Betrieb.

Arbeitslose Menschen
Im April bewegte sich viel auf Seiten der arbeitslosen Menschen. Markant war der Rückgang insbesondere bei Männern, denn hier waren im Vergleich zum Vormonat 669 Kräfte weniger arbeitslos. Demgegenüber fiel der Rückgang bei Frauen mit gut 130 Kräften moderat aus. Deutlich größer war der Abstand zum April des vergangenen Jahres. Seinerzeit waren gut 1.400 Menschen mehr bei den Vermittlern der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern arbeitslos gemeldet.  

Insgesamt nahmen mehr als 2.100 Kräfte eine neue Erwerbstätigkeit auf und beendeten dadurch ihre Arbeitslosigkeit, die höchste Zahl der letzten Monate. Vor allem Männer starteten wieder in eine Beschäftigung im Baugewerbe oder als Garten- und Landschaftsbauer. Daneben erfolgten Arbeitsaufnahmen in größerer Zahl in Industriebetrieben, im Logistiksektor sowie im Verkauf. Vor den Osterfeiertagen konnte eine ganze Reihe von Menschen in den Tourismusregionen entlang der Berge und am Bodensee in Hotellerie und Gastronomie eine Tätigkeit aufnehmen.  Weitere Beschäftigungen ergaben sich auch im Bereich Büro und Sekretariat. Insbesondere für Tätigkeiten im Büro waren aber noch immer mehr als 700 Menschen weiter auf Jobsuche.

Nach einer vorherigen Berufstätigkeit meldeten sich im April 1.626 Frauen und Männer neu arbeitslos, 135 mehr als im März.

Kräftebedarf der Wirtschaft hält an
Betriebe gaben dem Arbeitgeberservice insgesamt 7.282 Stellenangebote zur Besetzung herein, so viele wie schon seit Jahren nicht mehr. Knapp 2.000 Beschäftigungsmöglichkeiten stellten Arbeitgeber im April neu zur Verfügung. Einen Schwerpunkt bildeten Metallbearbeitung und Maschinenbau. Allein 220 der neuen Stellenangebote zählten zu diesen Bereichen. Maschinen-/Anlagenführer, Industriemechatroniker, Konstruktionsmechaniker und ähnliche Berufe waren gefragt. Für Tätigkeiten in der Energie- und Elektrotechnik galt es 165 zusätzliche Arbeitsplätze zu besetzen. Die Jahreszeit führte auch zu einem erhöhten Bedarf an Fachkräften im Baugewerbe. Maurer sowie Bau- und Transportgeräteführer konnten unter einer ganzen Reihe von Angeboten wählen. Zum Saisonstart suchte die Gastronomie im gesamten Agenturbezirk 130 weitere Arbeitskräfte. Daneben gab es auch Angebote für eine Beschäftigung als Staplerfahrer, Anlagenmechaniker oder als Fliesenleger.

Regionale Entwicklungen im Jahresvergleich
Aktuell waren im Bezirk der Agentur  für Arbeit über 1.400 Frauen und Männer weniger arbeitslos als im April des vergangenen Jahres. Die Arbeitslosenquote erreichte aktuell den Wert von 2,8 Prozent, sie unterschritt die Marke des Vorjahres um 0,4 Prozentpunkte. Diese Entwicklung setzte sich auch in allen Regionen des Agenturbezirks fort. Weniger Menschen waren ohne Beschäftigung, die Arbeitslosenquote erreichte einen günstigeren Wert. Der überwiegende Teil der Regionen verzeichnete im April bei der Arbeitslosenquote eine Zwei vor dem Komma. Besonders gute Ergebnisse gibt es für die Wirtschaftsräume Mindelheim und Memmingen zu berichten. Hier lag die Quote bei 2,2 bzw. 2,4 Prozent. Den stärksten Rückgang im Jahresvergleich erzielte das südliche Oberallgäu mit 0,7 und die Region Kaufbeuren mit einem Minus von 0,6 Prozentpunkten.

Arbeitslosenversicherung und soziale Grundsicherung
Seit Einführung der sozialen Grundsicherung werden arbeitslose Menschen von der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern betreut. In beiden Bereichen waren weniger Menschen ohne Beschäftigung als im Monat zuvor. Die Arbeitsagentur betreute aktuell 5.959 Kräfte, 748 weniger als im März. Im Bereich der sozialen Grundsicherung waren die sieben Jobcenter für 4.223 arbeitslose Frauen und Männer zuständig. Im Vergleich zum Vormonat bedeutete das einen leichten Rückgang um 52 Personen.

Der unterschiedlich starke Rückgang hat damit zu tun, dass die Agentur für Arbeit auch Menschen betreut, die nach einer beitragspflichtigen Beschäftigung für kurze Zeit arbeitslos werden. Im Frühjahr nehmen nach einer witterungsbedingten Unterbrechung wieder viele Menschen eine Arbeit in Außenberufen auf. Sie kehren vielfach zum bisherigen Arbeitgeber zurück.

Für den Personenkreis der in den Jobcentern betreut wird, gilt es zu berücksichtigen, dass ein erheblicher Teil der Bezieher von „Hartz IV“-Leistungen  nicht arbeitslos ist. Diese Menschen betreuen kleine Kinder, pflegen Angehörige oder befinden sich in einer Ausbildung, insbesondere auch in einer sprachlichen Qualifizierung.

Ausbildungsmarkt - weiter gute Chancen für junge Menschen
Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt blieb auch im April günstig für junge Menschen, die eine Lehrstelle suchten. Vor allem für kleine Betriebe gestaltet sich die Suche nach geeigneten Azubis schwieriger, denn deutlich mehr Ausbildungsplätze als Bewerber waren bei den Beratern gemeldet.

Seit dem Start des Beratungsjahres stellten Betriebe mehr als 5.140 Lehrstellen zur Verfügung, 300 weniger als im vergangenen Jahr. Gleichzeitig sprachen knapp 3.900 junge Menschen mit den Berufsberatern, weil sie sich für eine Lehrstelle interessierten. Wie in den Vorjahren herrschte damit rein rechnerisch erneut ein starkes Übergewicht an gemeldeten Ausbildungsplätzen. Bis zum April waren noch gut 2.700 Ausbildungsplätze nicht vergeben, mehr als 1.800 junge Menschen hatten sich bisher noch nicht für einen Ausbildungsplatz entschieden. Nach gut der Hälfte des Beratungsjahres der Berufsberatung ist dies lediglich ein Zwischenergebnis, denn bis zum Start des neuen Ausbildungsjahres im September ist mit weiteren Veränderungen auf dem Ausbildungsmarkt zu rechnen.

Ausblick
Alle Anzeichen stehen auf Stabilität für den Arbeitsmarkt im bayerischen Teil des Allgäus. Viele Unternehmen in Handwerk, Industrie und Dienstleistung sind derzeit gut ausgelastet. Nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Stellenangebote ist in den nächsten Wochen nochmals mit einem leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit zu rechnen.


Tags:
arbeitsmarkt allgäu bodensee wirtschaft



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