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Unterallgäu
Donnerstag, 7. November 2019

Nach Sensationsfund: Landkreis Ostallgäu greift ein

Landrätin Zinnecker: "Wollen uns schützen und unterstützen"

Landrätin Maria Rita Zinnecker zeigt sich begeistert von den sensationellen paläontologischen Funden im Ostallgäu und kündigt eine intensive Prüfung an, inwieweit die Fundstelle unter Schutz gestellt werden kann: „Das ist sensationell. Das Ostallgäu ist eine der Wiegen der Menschheit. Wir als Landkreis werden in Zusammenarbeit mit Eigentümer und Pächter die erforderlichen Schritte zum Schutz der Fundstelle einleiten und die Wissenschaftler bei ihrer Arbeit so gut wie möglich unterstützen.“

In der Hammerschmiede nahe Pforzen wurden in den vergangenen Jahren sehr bedeutsame Funde gemacht: Besonders die Entdeckung von rund 11,6 Millionen Jahre alten Hominiden (Menschenaffen) ist Zinneckers Ansicht nach „absolut spektakulär und international einmalig“. Neben den Menschenaffen wurden die weltweit ältesten Echten Welse und die weltweit ältesten Großen Pandas gefunden. Außerdem wurden die anatomisch umfangreichsten Nachweise fossiler Schnappschildkröten, weitgehend komplette Skelette von Nashörnern, Schweinen, Hirschferkeln und Waldantilopen.

Der Landkreis prüft nun, inwieweit es sinnvoll und erforderlich ist, die Fundstelle als Naturdenkmal auszuweisen. „Eine Unterschutzstellung als Naturdenkmal ist grundsätzlich möglich, da auch Fossilien Naturdenkmale sein können. Zudem wurden Fossilienfunde in Bayern wohl bereits als Naturdenkmale geschützt“, erklärt Zinnecker. Das Gelände dürfe derzeit keinesfalls betreten werden, da es schlichtweg zu unwegsam und deshalb zu gefährlich sei. Eine Unterschutzstellung der wissenschaftlich wertvollen Schicht verhindert laut Zinnecker keinesfalls den weiteren Abbau von Ton in anderen Bereichen der Grube. Der Schutz wäre laut Fachleuten der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt auch nur zeitlich begrenzt bis zur Ausgrabung der paläontologischen Funde erforderlich, sodass Abschnitte des Grabungsbereiches nach und nach zum Tonabbau freigegeben werden können.

 

Die Lehmgrube in der Hammerschmiede existiert schon seit mehr als 100 Jahren. Der dort gewonnene Rohstoff fand Verwendung in der örtlichen Ziegelei der Familie Fleschhut/Hartmann in Pforzen.

Nach Aufgabe der Ziegelproduktion übernahm vor ungefähr 25 Jahren die Firma Geiger aus Oberstdorf die Lehmgewinnung in dem brachliegenden Gelände. Seither baut Geiger in dem für die Ziegelherstellung nach wie vor hochwertigen und wichtigen Rohstoffvorkommen ab. Durch den Abbau der Lehmschicht seien die wissenschaftlichen Funde der Universität Tübingen überhaupt erst möglich geworden, sagt Dr. Christoph Heim von der Firma Geiger. Zudem entstünden durch die Rohstoffgewinnung Offenland- und Rohbodenflächen, die hochwertige Lebensräume für seltene Tierarten wie Gelbbauchunke und Kammmolch sind. „Geiger unterstützt aktiv durch Freilegung und Freihaltung von Gewässern den Erhalt der Populationen“, sagt Heim.


Tags:
sensation sicherheit schutz allgäu



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