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Sendung: Guten Abend Allgäu
 
 
Bei der Diskussionsveranstaltung in Sonthofen
(Bildquelle: AllgäuHIT | Eva Veit)
 
Oberallgäu - Sonthofen
Mittwoch, 1. Juni 2022

Diskussionsveranstaltung: Ist Sonthofen attraktiv für die Jugend?

„Ist Sonthofen attraktiv für die Jugend?“ Unter diesem Motto stand eine Diskussionsveranstaltung, zu der die Sonthofer FDP am Dienstagabend im Haus Oberallgäu eingeladen hatte. Rund 50 Zuhörer waren gekommen. Unter der Moderation des Ortsvorsitzenden Dieter Thinschmidt stand Bürgermeister Christian Wilhelm Rede und Antwort.

Die Diskussionsrunde „Ist Sonthofen attraktiv für die Jugend“ drehte sich in erster Linie um das Nachtleben in der Kreisstadt. Um es kurz zu machen: Sonthofens Nachtleben hat schon bessere Zeiten gesehen, es gibt jedoch nach wie vor ein im Vergleich zu den umliegenden Gemeinden ein gutes Angebot. Allerdings ist lange nicht alle das passende Angebot dabei. Was bei der Diskussionsrunde eigentlich nicht zur Sprache kam war die Situation für die Jugendlichen zwischen 13 und 16/17 Jahren, die noch nicht bis spätnachts um die Häuser ziehen und damit auch nicht die Gastrobetriebe in der Innenstadt unterstützen.

Die Sicht der Stadt

Die Hintergründe für das Kneipensterben in den vergangenen Jahren in Sonthofen erläuterte Bürgermeister Christian Wilhelm zu Beginn der Veranstaltung. Mit der Abschaffung der Wehrpflicht und der Bundeswehrreform fielen in Sonthofen rund 3.000 Soldaten weg, die unter der Woche natürlich auch in den Abend- und Nachtlokalen der Stadt unterwegs waren. Der hierdurch eingeleitete Strukturwandel in der Kreisstadt wurde sowohl durch die Abschaffung der Sperrstunde als auch durch geänderte Lärmschutzverordnungen verschärft. Gerade die abgeschaffte Sperrstunde führte zu einem veränderten Weggehverhalten: teilweise sind die Kneipen heute bis 1 Uhr nachts leer, dann für zwei oder drei Stunden voll – wenig Zeit für die Wirte, Geld zu verdienen.

In Sonthofen, so Wilhelm, sind heute noch vier Lokalitäten, in denen man länger weggehen kann – Seven, Barfly, Benders und Ora. Hier ist allerdings nicht für jeden Geschmack etwas dabei. Die Wirte sind zum großen Teil noch dieselben wie vor 20 oder mehr Jahren - „Wo sind die Jungen, die die Nachtlokalitäten weiter betreiben?“, fragte Wilhelm.

Auch für die Stadt stellt sich immer wieder die Frage, soll man versuchen, einen völlig neuen Weg zu finden? Gerade durch die Lärmschutzverordnungen haben die Wirte immer wieder Ärger mit einzelnen Personen. Schwierig sei es auch, die Orte zu finden, an denen eventuell neue Lokalitäten eröffnet werden können. Angedacht war eine Zeit lang der Standort Rudi-Park, aber auch eine unterirdische Disko unter dem Oberallgäuer Platz – letzteres sei noch nicht wirklich verworfen. Neue Wege versuche man auch immer mit Veranstaltungen zu gehen – Festivals, Stadtfest und ähnliche Events ziehen immer viele Menschen an.

Festivals und Events in Sonthofen?

Ein besonderes Event wird in den Pfingstferien stattfinden – das Sommer Open Air auf dem Marktanger am 10. und 11. Juni. Organisiert wird das Festival von Alexander Greiner, einem jungen Sonthofer, der sich in der Veranstaltungsbranche selbständig gemacht hat. In der Diskussionsrunde wünschten sich die Veranstalter eine bessere Kommunikation mit der Stadt. Sie hoben, wie bereits der Bürgermeister zu Beginn der Veranstaltung, das „Wir“ hervor – Leben in der Stadt könne nur gemeinsam funktionieren. Mit den Veranstaltungen brächten sie Leben in die Stadt, so Alexander Greiner, Leben, das die Jugend braucht. „Es gibt viele junge und pfiffige Köpfe in der Stadt die helfen wollen“, so Greiner.

Er hob auch den Biberhof als Veranstaltungsort hervor. So hätten sie in diesem Jahr dort bereits eine Party für 200 bis 300 Leute veranstaltet, bei der alle Regularien eingehalten worden seien. Von Seiten des Hostels in der Bau-Mit-Arena habe sich dennoch jemand bei der Polizei wegen Ruhestörung beschwert. Obwohl Lärmmessungen belegt hätten, dass die Party im erlaubten Rahmen gewesen sei, sei eine weitere geplante Party im Biberhof zwei Wochen später nicht mehr genehmigt worden. Christian Wilhelm erläuterte hierzu, dass es für die Verantwortlichen in der Stadt nicht einfach sei, sämtliche Interessen gegeneinander abzuwägen und allen gerecht zu werden.

Der Biberhof als generationenübergreifend Kultur- und Eventzentrum?

Der Biberhof wäre auch der bevorzugte Veranstaltungsort für eine weitere Gruppe, die in der Diskussionsrunde ihre Vorhaben vorstellen konnte. „Die Stimmung unter den Jugendlichen in Sonthofen ist sehr schlecht“, erklärte Louis Baldermann. Es gäbe viele interessierte junge Menschen in der Stadt, die aber bei den Planungen für ihre Vorhaben immer wieder ausgebremst würden. Er und einige andere würden gerne am Biberhof einen generationenübergreifenden Ort schaffen, an dem Menschen aller Altersklassen ihre Kreativität ausleben können, an dem Workshops, Parties, Ausstellungen und viel mehr stattfinden könnten. Sozialpädagogen, Eventpädagogen und Veranstalter könnten dort zusammenarbeiten, um ein umgreifendes Angebot zu schaffen. Das Ziel sei es, eine Art Subkultur in Sonthofen zu schaffen, die schon seit vielen Jahren fehle.

Die Jugendlichen fühlten sich in Sonthofen eigentlich nirgends Willkommen – überall würden sie bald wieder vertrieben, wenn sie sich treffen. Deshalb wolle er für die folgenden Generationen einen Ort schaffen, den es für seine Generation nie gab. Die Idee sei unter anderem auch, den Biberhof und das Jugendhaus, für das aktuell sowieso ein neuer Ort gesucht werden, miteinander zu verbinden. Für ihn ist der Biberhof der ideale Ort, da er fernab der Wohnbebauung liege. Der Bund Naturschutz, der am Biberhof das Naturerlebniszentrum NEZ betreibt, wäre auch froh um einen Kooperationspartner, so Baldermann. Die Stadt Sonthofen müsse die Pläne einfach einmal überprüfen und sich ansehen.

Warum der Biberhof nicht einfach als neuer Veranstaltungsort, als neues Kulturzentrum, nutzbar ist, erläuterte der Bürgermeister im Anschluss. Die Stadt hat den Hof gekauft und umgebaut, unterstützt mit Fördergeldern. Die Fördergelder sind allerdings daran gebunden, dass der Biberhof als naturpädagogisches Zentrum dient. Würde der Zweck des Objektes nun geändert, müsste die Stadt die Fördergelder zurückzahlen.

In der abschließenden offenen Diskussion ging es unter anderem um die Situation der Wirte in Sonthofen, um die Versuche der Stadt, die Gastrobetriebe in der Stadt zu unterstützen und auch um das Thema Jugendhaus, das entgegen aller Gerüchte nicht schließen wird sondern lediglich umziehen muss.


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jugend allgäu bar kneipe


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