Moderator: Thomas Häuslinger
mit Thomas Häuslinger
 
 

Stadträtin Helga Ilgenfritz für Sanierung und Neubau des Eisstadions
28.01.2013 - 16:39
In einem offenen Brief an den ESV Kaufbeuren hat die Kaufbeurer Stadträtin Helga Ilgenfritz klar gestellt, dass sie sich neben einer Sanierung auch parallel Planungen für einen Neubau einsetzt.
An den Eissportverein Kaufbeuren e. V. Vorstand

An den Athletik-Club Kaufbeuren e. V. Vorstand

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Entsetzen habe ich, zusammen mit meiner Familie und mit vielen anderen ESVK- und Athletic-Club-Freunden vor Weinachten die Schließung des Eisstadions zur Kenntnis genommen.

Die Interessen, die infolge der Stadion-Sperrung berührt werden, gehen weit über die Betroffenheit des ESVK und seiner Mitglieder hinaus.

Berührt werden zuvorderst die Interessen der Stadt Kaufbeuren selbst. Für diese ist der ESVK ein Faktor von ideeller, sozialer und vor allem auch von wirtschaftlicher Bedeutung.

Der Athletik-Club Kaufbeuren, der auch international erfolgreiche Gewichtheber bis hin zu Olympiateilnehmern hervorgebracht hat, verlöre ggf. seine sportliche Heimat.

Das elementare Problem ist die Wiederherstellung der Voraussetzungen für eine ordnungsgemäße Abwicklung der Vorbereitung und der anschließenden Eishockey-Saison 2013/2014.

Um dies zu erreichen, ist die zuletzt angekündigte Sanierung zunächst alternativlos. Gleichzeitig muss aber ein Neubau eines zeitgemäßen Eisstadions zwingend in Angriff genommen werden, da nach nunmehr 45 Jahren bei der vorhandenen Bausubstanz eine Restnutzungsdauer, auch nach einer Sanierung, überschaubar sein dürfte. Ähnliches ist z. B. in Freiburg vorgesehen.

Parallelplanung: 2009 wurde die Eishalle in Freiburg nach einer Dachproblematik (unter Absage eines Zweitligaspiels des dortigen EHC) mit rd. 2,6 Mio. für eine weitere Nutzungsdauer von 5 Jahren saniert um später einen Hallen-Neubau beziehen zu können. Die bisherige Betriebsgenehmigung gilt bis 2013, mit einer Verlängerung wird jedoch gerechnet, da der erwogene Neubau bislang noch nicht erfolgt ist.

Dies ist vor allem wichtig, um eine solche Situation in einigen Jahren nicht wieder erleben zu müssen. Im Falle einer erneuten akuten und unbefristeten Totalsperrung des Stadions könnte eine „eishockeylose Zeit" in Kaufbeuren sogar in einer Größenordnung von einigen Jahren eintreten. Eine solche zeitliche Lücke „ohne Eishockey in Kaufbeuren" wäre sportlich und insgesamt vereinsorganisch nicht überbrückbar. Hier geht es nicht nur darum, den bundesweit bekannten Joker eine qualitativ angemessene Spielstätte zu geben, sondern auch der wichtigen und umfangreichen Jugendarbeit des ESVK eine Perspektive zu eröffnen. Nicht zu vergessen sind die Sportmöglichkeiten für Schulen und der öffentliche Lauf.

Deshalb bin ich der Auffassung, dass neben einer zeitnahen Wiederherstellung der Nutzungsmöglichkeit des ESVK-Stadions nach einer etwaigen Sanierung bereits jetzt und parallel dazu Planungen für die Errichtung eines neuen Stadions vorgenommen werden sollten.

Mein Dank gilt allen Ehrenamtlichen, die sich jahrein, jahraus vor allem um unsere Kinder und Jugendlichen bemühen, die gerade in dieser schweren Zeit auch die Fahrten und die aufwendigen Trainingsabläufe in den anderen Stadien auf sich nehmen. Dieser Idealismus ist der Grund, dass seit Jahrzehnten der ESVK bundesweit erfolgreich war und ist und für eine Stadt in der Größenordnung Kaufbeurens eines der herausragenden „Aushängeschilde" ist und bleiben wird. Dieser Vereins-Idealismus ist auch der Grund, dass bereits vom Kleinkindesalter an den Kindern und Jugendlichen eine sportliche Heimat gegeben wird, die eine wichtige soziale Funktion erfüllt. Ihre Freude an Bewegung wird gefördert in einer sonst so bewegungsarmen Zeit. Dieses ideelle Potential droht bereits im Falle des Ausfalls von nur einer Spielzeit jählings wegzubrechen.

Um die weiteren Gesamtumstände der aktuellen Situation, insbesondere die Frage der Sanierung und einer Planung für einen Neubau noch besser beurteilen zu können, würde mich - auch für meine weitere Entscheidungsfindung - die unmittelbare Einschätzung und Position Ihres Vereins zur aktuellen wie auch zur zukünftigen Lage und Entwicklung interessieren.

Ebenso interessiert mich die Situation und die Perspektiven des Athletik-Clubs, der in der öffentlichen Diskussion noch kaum in Erscheinung tritt. Auch die Sportler des Athletik-Clubs brauchen wieder eine feste Heimat für ihren Verein.

Nachdem es sich beim ESVK-Stadion um eine vereinseigene Anlage handelt, ist es für mich auch wichtig, wie der Verein die weitere Besitzstandssituation sieht. Hier verweise ich analog auf den Verkauf des ehemaligen, maroden SVK-Vereinsheimes an die Stadt, deren Aufgabe es nun ist, die gesamte Verantwortung für die Anlage zu übernehmen und diese funktionstüchtig zu erhalten

Eine vorläufige Recherche hat ergeben, dass in der 2. Eishockey-Bundesliga wohl kein anderer Verein außer dem ESVK eine vereinseigene Halle unterhält?

Ich sehe daher Ihrer Rückäußerung mit Interesse entgegen.

Mit freundlichen Grüßen

Helga Ilgenfritz
Stadträtin

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