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Allgäu
Dienstag, 1. August 2017

Allgäuer Arbeitslosenquote bleibt bei 2,5 Prozent

Mehr als 7.300 offene Stellen in Allgäu-Bodensee-Region

Stabile Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt im Allgäu signalisiert die Arbeitslosenquote im Juli. Wie bereits im Juni erreichte sie erneut den Wert von 2,5 Prozent.  Eine signifikante Verbesserung zeigt der Vergleich mit dem Vorjahresergebnis, denn seinerzeit lag die Quote noch beim höheren Wert von 2,9 Prozent. Aktuell waren bei den Vermittlern der Arbeitsagentur und in den sieben Jobcentern 9.271 Menschen arbeitslos gemeldet, 62 mehr als im Monat zuvor. Gut läuft es weiter bei vielen Betrieben. Arbeitgeber äußerten einen anhaltend hohen Bedarf an Arbeitskräften. Für Vermittlungsaktivitäten standen insgesamt mehr als 7.300 Stellenangebote aus der Region zur Verfügung.

„Der Arbeitsmarkt zeigte sich auch im Juli sehr aufnahmefähig. Das wird insbesondere im Vergleich zum Juli des Vorjahres deutlich. Zahllose Stellenangebote quer durch viele Branchen erhöhten die Beschäftigungschancen auch für Menschen, die  sich in der Vergangenheit schwerer taten, eine neue Arbeitsstelle zu erhalten“, sagt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen.

Die seit einigen Monaten anhaltende günstige Entwicklung des Arbeitsmarktes verdeutlicht der mehrjährige Vergleich:

Arbeitslose Menschen
Im Juli meldeten sich 1.300 Kräfte nach einer Erwerbstätigkeit neu arbeitslos, 25 weniger als im Juli des vergangenen Jahres. Auch 970 Frauen und Männer, die eine Ausbildung oder eine berufliche Qualifizierung absolviert hatten, meldeten sich neu bei den Vermittlern. Aufgrund der aktuellen beruflichen Kenntnisse und der hohen Nachfrage nach Arbeitskräften ist bei vielen dieser Menschen davon auszugehen, dass sie nur für eine relativ kurze Übergangszeit arbeitslos bleiben werden.

Im Juli starteten auch 1.170 Kräfte in eine neue Beschäftigung. Arbeitsaufnahmen erfolgten in gewerblich-technischen Produktionsbetrieben, in der Hotellerie und Gastronomie, daneben im Reinigungsgewerbe, im Verkauf und im Gesundheitssektor.

Menschen in Alter von 50 Jahren und mehr sind von Arbeitslosigkeit weiterhin stark betroffen. Knapp 40 Prozent aller arbeitslosen Menschen zählen zu dieser Altersgruppe. Aufgrund des guten Arbeitsmarktes im Allgäu ging jedoch auch in diesem Bereich die Arbeitslosigkeit innerhalb des letzten Jahres merklich zurück. So waren aktuell knapp 400 Ältere weniger arbeitslos als im Juli des vergangenen Jahres. Allein innerhalb des letzten Monats war ein Rückgang um knapp 60 Personen zu verzeichnen. Neben weiteren startete eine 59-jährige Frau neu in eine Tätigkeit als Bürokauffrau, ein 54-Jähriger nahm eine Beschäftigung als Fahrer auf und eine Frau im Alter von 57 Jahren erhielt einen Arbeitsvertrag als Mitarbeiterin in einem Produktionsbetrieb.

In einer ganzen Reihe von Fällen erhielten Betriebe zur Unterstützung der Einarbeitung einen Eingliederungszuschuss. Unternehmen können für die berufliche Eingliederung von Menschen, deren Vermittlung erschwert ist und die noch nicht über die erforderlichen beruflichen Kenntnisse verfügen, diese Förderung erhalten. Dabei muss die Einarbeitung das betriebsübliche Maß übersteigen. Der allgemeine Eingliederungszuschuss  kann bis zu 50 Prozent des Arbeitsentgelts und je nach Minderleistung bis zu zwölf Monaten gezahlt werden. Bei besonderen Einschränkungen sind in Einzelfällen auch höhere Förderleistungen möglich.

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat die Beschäftigung Älterer im Allgäu gut zugelegt. Während im Dezember 2007 etwas mehr als 47.000 Frauen und Männer einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgingen, waren es Ende Dezember 2016 bereits knapp 80.000 Menschen in dieser Altersgruppe.

Regionale Entwicklungen im Jahresvergleich
Im Agenturbezirk erreichte die Arbeitslosenquote mit 2,5 Prozent ein Ergebnis, das um 0,4 Prozentpunkte günstiger war als der Vergleichswert des Vorjahres. Diese Entwicklung setzte sich in den einzelnen Wirtschaftsräumen des Agenturbezirks fort. In nahezu allen Regionen erreichte die Arbeitslosenquote eine Zwei vor dem Komma. An der Spitze behauptete sich der Raum Mindelheim mit einer Arbeitslosenquote von zwei Prozent, dicht gefolgt von Lindau mit einem Ergebnis von 2,1 Prozent. Stark verbessert zeigte sich das Arbeitsmarktergebnis auch in den Regionen Memmingen, Marktoberdorf und Füssen mit einer Quote von jeweils 2,3 Prozent. Gut aufgeholt hat der Raum Kaufbeuren. Während er im Juli 2016 eine Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent vorzuweisen hatte, lag der aktuelle Wert bei 3,2 Prozent.

Betriebe suchen weiter neue Mitarbeiter
Im Juli gaben Arbeitgeber erneut zahlreiche Stellen zur Besetzung herein. Unter den knapp 1.700 neuen Beschäftigungsmöglichkeiten waren Tätigkeiten rund um den Werkstoff Metall stark vertreten. Allein gut 320 Stellenangebote für Tätigkeiten für Fachkräfte in der Metallbearbeitung, im Fahrzeugbau und in der Schweißtechnik galt es zu besetzen. Daneben gab es eine ganze Reihe von neuen Offerten im Bereich Kunststoffverarbeitung und in der Elektrotechnik. Gefragt waren auch Köche und Servicepersonal, das zeigen mehr als 200 zusätzliche Stellenangebote für derartige Tätigkeiten. Besonders in den Tourismusregionen entlang der Berge und am Bodensee läuft das Saisongeschäft auf Hochtouren, was für viel Beschäftigung sorgt. Gefragt blieben Fachkräfte im Handwerk wie Maurer, Maler, Trockenbauer sowie Bau- und Transportgeräteführer. Daneben suchten Betriebe über die Zeitarbeit zahlreiche Kräfte für Tätigkeiten in unterschiedlichen Branchen. Für den Bereich Gesundheitswesen wurden medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte, Physiotherapeuten sowie Pflegefachkräfte gesucht.

Arbeitslosenversicherung und soziale Grundsicherung
Arbeitslose Menschen werden seit Einführung der sozialen Grundsicherung von der Arbeitsagentur und in den Jobcentern betreut. Wenn man die Entwicklung bei arbeitslosen Menschen im Jahresvergleich betrachtet, ergibt sich sowohl im Bereich der Arbeitslosenversicherung wie auch in der sozialen Grundsicherung (Hartz IV) ein kräftiger Rückgang. Die Arbeitsagentur betreute aktuell 5.237 Kräfte, knapp 320 weniger als im Juli des vergangenen Jahres. In der sozialen Grundsicherung waren die sieben Jobcenter für 4.034 arbeitslose Frauen und Männer zuständig. Im Vergleich zum Juli 2016 bedeutete das einen starken Abbau um mehr als 860 arbeitslose Personen. Der unterschiedlich starke Rückgang hat auch damit zu tun, dass seit diesem Jahr sogenannte Aufstocker nicht mehr von den Jobcentern, sondern von der Agentur für Arbeit betreut werden. Als Aufstocker werden Menschen geführt, die ihr Arbeitslosengeld I mit Hartz IV-Leistungen aufstocken.

Des Weiteren gilt es für den Bereich der sozialen Grundsicherung zu berücksichtigen, dass ein erheblicher Teil nicht arbeitslos ist. Diese Menschen betreuen kleine Kinder, pflegen Angehörige oder befinden sich in einer Ausbildung, insbesondere auch in einer sprachlichen Qualifizierung.

Der Ausbildungsmarkt auf der Zielgeraden
Bis zum traditionellen Ausbildungsbeginn Anfang September sind es nur noch wenige Wochen. Für junge Menschen, die noch eine Ausbildungsstelle suchen, sieht es gut aus, denn es gibt weiter zahlreiche offene Ausbildungsplätze. Für manche Arbeitgeber gestaltet sich der anhaltende Überhang an unbesetzten Ausbildungsplätzen schwierig. Seit Beginn des Beratungsjahres stellten Betriebe etwas mehr als 5.900 Lehrstellen zur Verfügung, ähnlich viele wie im vergangenen Jahr. Gleichzeitig sprachen mit den Berufsberatern 4.369 junge Menschen, weil sie sich für eine Ausbildungsstelle interessierten. Auch wenn sich bis zum Start des neuen Ausbildungsjahres noch das Ein oder Andere verändern kann, wird bereits jetzt deutlich, dass nicht jeder gemeldete Ausbildungsplatz am 1. September besetzt sein wird. Derzeit haben Betriebe für 1.844 Ausbildungsplätze noch keine Nachwuchskraft gefunden bzw. der Arbeitsagentur keine Einstellungszusage mitgeteilt. Im Juli hatten auch 1.161 junge Menschen keinen Ausbildungsplatz, der ihren Vorstellungen entsprach oder es lag noch keine entsprechende Mitteilung bei den Berufsberatern vor.

Ausblick
Auch im August ist nochmals mit einer vorübergehenden Zunahme der Arbeitslosigkeit zu rechnen, wenn zahlreiche schulische und betriebliche Ausbildungen enden und generell eine Reihe von Kräften entlassen wird. Wie die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren zeigen, ist mit dem Ende der Sommerferien ein nochmaliger Rückgang der Arbeitslosigkeit zu erwarten.


Tags:
arbeitsmarkt wirtschaft bodensee politik



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