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Berchtesgaden
Freitag, 9. Oktober 2020

Motorradtouren durchs Berchtesgadener Land: Ausrüstungstipps und mehr

Wer leidenschaftlich gern auf zwei motorisierten Rädern unterwegs ist, will unterwegs natürlich etwas fürs Auge haben. In diesem Sinne ist die Region rings um Berchtesgaden eine der schönsten Ecken Deutschlands und zieht alljährlich zigtausende Biker an. Allerdings sollten speziell Neulinge nicht vergessen, dass sie es hier mit dem Schwerpunkt „Fahren in gebirgsreichen Regionen“ zu tun haben. Dementsprechend gibt es einiges zu beachten – sowohl für die Sicherheit wie pures Vergnügen.

Anpassen an die Eigenheiten im Gebirge
Die Berchtesgadener Alpen mit ihren Gipfeln liegen teilweise weit über 2000 Meter hoch – etwa der Watzmann, der es auf 2713 Meter bringt. Zudem ist das gesamte Gebiet nicht nur von teils dramatischen Höhenunterschieden auch auf der Straße geprägt, sondern auch davon, dass es deshalb an vielen Stellen eng zugeht – mit scharfen Kehren, langen Serpentinenpassagen und Ähnlichem.

Dieser Punkt richtet sich sowohl an generelle Motorradneulinge wie Routiniers, deren Erfahrung jedoch auf Flachlandfahrten beruht: Wer hier sicher unterwegs sein möchte, sollte unbedingt sicherstellen, dass er die besonderen fahrerischen Anforderungen des Gebirges zumindest kennt. Das erstreckt sich grundsätzlich auf vorausschauendes Fahren mit weit kürzeren Streckenabschnitten im unmittelbaren Sichtfeld, als vielleicht gewohnt. Aber es umfasst auch weitere Punkte:

1. Motorleistung
Durch die gebirgige Lage wird die Leistung des Motorrades mitunter merklich reduziert sein. Je dünner die Luft, desto weniger Sauerstoffmoleküle gelangen für die Verbrennung in den Motor. Pro 1000 Höhenmeter geht man deshalb bei Saugmotoren von zirka zehn Prozent Leistungsverlust aus; besonders stark zeigt sich das bei Mehrzylindermaschinen mit kleinen Hubräumen.

Das bedeutet früheres Runter- und späteres Raufschalten, zudem eine generell vorsichtigere Fahrweise, da die Leistungsreserven geringer sind und auch die Angleichungssysteme von Vergasern und Einspritzanlagen nur teilweise kompensieren können. Das gilt gleich doppelt: Wo das Bike oben am Berg ungewohnt leistungsarm reagieren kann, macht es nach Abfahrten durch die geringere Höhe spontan mehr Power frei. Beides sollte mit der Hand am Gasgriff immer im Hinterkopf sein.

2. Bremsleistung
Speziell bei langen Bergabfahrten können die Bremsen an ihre Leistungsgrenze gelangen. Durch das ständige Benutzen werden sie ungewohnt heiß, dann tritt das sogenannte Fading ein, die Bremse packt also nicht mehr so zu wie gewohnt. Bei Motorrädern ist das zwar geringer als bei Autos, da ihre Bremsanlagen frei im Fahrtwind liegen, jedoch kann Fading auch hier zum Risiko werden – vor allem bei weniger sportlichen Maschinen, deren Bremsen geringer dimensioniert sind.
Dagegen hilft es, generell bergab langsam zu machen, um weniger bremsen zu müssen. Ferner verstärkter Einsatz der Motorbremse – und mitunter auch einfach kurze Rasten zwischendurch. Natürlich an einer schönen Stelle, um die Aussicht zu genießen.

3. Fahrweise
Bei den vielen engen Kurven nicht nur auf den Alpenstraßen sollte es zur Gewohnheit werden, diese so weit außen und so lang wie möglich anzufahren. Das hilft immens dabei, Gegenverkehr frühzeitig zu erkennen. Allerdings sollte auch immer ein Auge auf den Fahrbahnzustand der Kurve geworfen werden. Mitunter werden sich hier verstärkt Rollsplit, Schmutz und andere Hindernisse finden, die für die Stabilität von beträchtlichem Nachteil sein können. Bitte auch bedenken, dass gerade die abgelegenen Routen nur recht selten von den Straßenmeistereien kontrolliert und gereinigt werden.
Ganz generell gilt zudem, speziell bei der Bergabfahrt, konservativ und zurückhaltend alle Kurven anzugehen, damit so wenig Bremseinsatz wie möglich notwendig ist.

4. Steinschläge
Maximale Vorsicht gilt überall dort, wo durch Schilder und/oder am Hang angebrachte Netze Hinweise auf Steinschlag vorliegen. Dort sollte das Tempo besonders gedrosselt werden, weil immer zumindest kleine Steine, Split und dergleichen auf der Fahrbahn liegen können.

5. Anstrengung
Die verstärkte Aufmerksamkeit, das besonders vorausschauende Fahren und das veränderte Handling des Bikes können Körper und Geist trotz der spaßigen Natur der Fahrten ungewohnt ermatten. Die Gebirgsroutenplanung sollte deshalb a) mehr Pausen als gewohnt beinhalten und b) bei den Tageskilometern deutlich geringer ausgeprägt sein. Mehr als 150, höchstens 200 Kilometer am Tag sollten es nicht sein.

6. Reifentemperatur
Vorsicht auch bei Pausen in großer Höhe: Schon auf einer Zigarettenlänge können die Reifen je nach Witterung bedenklich schnell auskühlen. Auf den ersten Kilometern nach jedem Halt ist deshalb besondere Vorsicht angeraten. Und wer vor seiner Fahrt nach Berchtesgaden sowieso neue Reifen benötigt, sollte idealerweise Pneus mit breitem Temperaturfenster wählen.

Insgesamt gilt deshalb: Wer noch keinerlei Erfahrungen mit dem Motorradfahren im Gebirge hat, sollte bei seinen ersten Touren rings um Berchtesgaden maximal entspannt fahren. Das heißt, langsamer als gewohnt, weniger sportlich, besonders vorausschauend und zaghaft. Das gilt uneingeschränkt auch für alle Biker, die zwar schon viele Kilometer absolviert haben, aber eben selten bis nie im alpinen Gebirge.

Mit dem richtigen Equipment im Gepäck
Wer erstmals im Berchtesgadener Land Motorrad fährt, ist höchstwahrscheinlich als Urlauber hier. Das heißt, die Touren werden keinen Langstreckencharakter haben, sondern durch die Unterbringung bei einem Gastgeber ähnlich wie gewohnte Tagestouren ablaufen. Es ist also nicht nötig, viel mehr Ausrüstung als gewohnt dauerhaft mitzuführen

Abermals allerdings setzen die vielen Höhenunterschiede etwas mehr Vorsicht und Weitblick voraus, so auch beim Equipment:

1. Sichtbarkeit
Es gibt zwar weder in Deutschland noch Österreich eine Mitführpflicht für den Lebensretter namens Warnweste, dennoch ist nicht nur deren Mitnahme dringend angeraten, sondern auch das Tragen bei jeder Tour – sofern die Motorradkleidung es nicht auf eine ähnliche Auffälligkeit bringt.
Zwar mögen manche Biker das „flatterige“ Gefühl der dünnen Weste nicht, allerdings herrscht auf vielen Gebirgsstrecken eine hohe Unübersichtlichkeit, mitunter auch durch starke Hell/Dunkel-Kontraste, erzeugt durch Waldstücke, kurz über/unter Berggipfeln liegendem Sonnenstand, Tunnels usw. Hier kann die Weste in vielen Situationen den Unterschied zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit ausmachen.

2. Kraftstoffverbrauch
Sowohl durch das Bergauffahren wie mitunter auch durch die Höhenluft-bedingte Überfettung des Benzin-Luft-Gemischs kann sich der Kraftstoffverbrauch dramatisch vom Gewohnten unterscheiden. Hinzu kommt, dass vor allem in den Höhenlagen Tankstellen nur selten zu finden sind. Grundsätzlich sollten Biker deshalb jede Tagesetappe durchs Berchtesgadener Land mit einem Abstecher zur Zapfsäule beginnen. Und nicht nur Besitzer von Motorrädern mit relativ kleinem Tank tun gut daran, im Gepäck einen Ein-Liter-Kanister mit Reservekraftstoff mitzuführen – schon manchen ging kurz hinter dem Gipfel der Sprit aus, was dann mangels Motorbremse die Abfahrt zu einem lebensgefährlichen Risiko machen kann.

3. Beleuchtung
Auch Licht ist Pflicht wegen der erwähnten Sichtbarkeit. Ebenfalls bei jeder Tagestour sollten deshalb Reserveglühlampen für vorn und hinten und das eventuell für ihren Austausch nötige Werkzeug mit im Tagesgepäck stecken.

4. Witterungsschutz
Im Gebirge können die Wetterumschwünge schnell und dramatisch sein. Vor jeder Tagesetappe sollte zwar immer der aktuelle Bergwetterbericht überprüft werden, dennoch sollten Biker sich nie darauf verlassen, dass es auch genau so kommen wird.
Im Klartext: Ein Nässeschutz, der im Notfall über die Motorradkleidung gezogen werden kann, sollte immer dabei sein. Allerdings sollte diese Kombination unbedingt zuvor ausprobiert werden. Denn der Überzieher sollte zwar groß genug sein, aber keinesfalls zu groß, da er sonst selbst bei vorsichtigster Fahrweise flattert, die Windangriffsfläche vergrößert und das Fahrverhalten gefährlich beeinträchtigen kann.
Wichtig: Bei Gewittern im Gebirge unbedingt die Tour sofort pausieren. Dazu auf Karten bzw. im Navi alle Brücken, Unterführungen, Schutzhütten und dergleichen markieren.

5. Sonnenschutz
Es ist besser, keine Sonnenbrille unter dem Helm zu tragen, sondern auf ein getöntes Visier zu setzen. Das ist bei den schnell wechselnden Lichtverhältnissen wesentlich leichter durch Hoch- und Runterschieben anzupassen als die Brille. Das gilt auch für selbsttönende Brillen in Sehstärke. Diese benötigen zu lange, um sich an neue Lichtverhältnisse anzupassen.

6. Wärmeschutz
Bitte nie vergessen, wie kalt es auch im Sommer in den oberen Höhenlagen werden kann – trotz hoher UV-Einstrahlung. Daher ist es empfehlenswert, entweder wärmere Motorradkleidung zu wählen oder aber unter der normalen Kombi Thermounterwäsche zu tragen – oder diese zumindest im Gepäck mitzuführen. Dabei auch nicht die Hände und Füße vergessen.

Und natürlich: Wer seine Routen so plant, dass sie auch nach Österreich führen, sollte sowohl seinen Personalausweis mitführen sowie sicherheitshalber auch die grüne Versicherungskarte – sie darf seit Sommer 2020 auch zuhause selbst ausgedruckt werden, muss also nicht mehr persönlich beim Versicherer abgeholt werden.


Tags:
motorrad tour berchtesgaden alpen


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