Moderator: Marcus Baumann
mit Marcus Baumann
 
 
⇨ Der AllgäuHIT-Ticker zum Coronavirus - Meldungen aus dem Allgäu und der Welt ⇦
Bei einem typischen Erlenstandort ist immer Wasser in der Nähe
(Bildquelle: Klaus Huschik, BaySF)
 
Oberallgäu - Buchenberg
Mittwoch, 12. Mai 2021

Waldaufforstung nach Sturmschäden: Erlen im Wirlinger Wald

Nach den Verwüstungen, die die Stürme Sabine und Bianka im vergangenen Jahr im Wirlinger Wald angerichtet haben, ist die Wiederaufforstung der Sturmflächen heuer und wohl auch noch im kommenden Jahr eine der Hauptaufgaben im Revier Buchenberg des Forstbetriebs Sonthofen. 

„Entgegen des normalen forstlichen Vorgehen, bei dem Kulturflächen durch vorausgehende Hiebsmaßnahmen ziemlich gut geplant werden können, haben sich die Unwetter natürlich nicht an Vorgaben oder waldbauliche Ziele gehalten,“ beschreibt Förster Markus König die Herausforderung im Wirlinger Wald: „So müssen wir Flächen mit unterschiedlichsten, teil extremen standörtlichen Gegebenheiten bei der Baumartenwahl berücksichtigen, damit wir Erfolg bei der Anpflanzung der jungen Bäumchen haben!“

„Frage ich Laien nach Baumarten in unseren Wäldern, bekomme ich im Allgäu meist die Antwort Fichte, Tanne, Buche. Das ist natürlich richtig. Diese drei Baumarten stellen den Großteil heimischen Waldgesellschaft. Aber auch andere Baumarten übernehmen in der Vergesellschaftung mit den Hauptbaumarten eine wichtige Aufgabe“, weiß Sonthofens Staatsforsten-Chef Jann Oetting. „Im Allgäu müssen wir immer auch an Bergahorn und Schwarzerle sowie zukünftig auch an die Douglasie denken.“

Vor allem Sonderstandorte, die ausgesprochen nass sind, vom Grundwasser beeinflusst oder sogar zeitweise überschwemmt werden, sind Extremstandorte aus der Sicht von Bäumen. Hier ist die Schwarzerle oder Roterle, die zur Familie der Birken gehört, die Baumart der Wahl.

Bei so schwierigen Wuchsverhältnissen, ist die Erle anderen Baumarten überlegen und kann auf solchen Böden sogar größere Reinbestände bilden. Der Baum erreicht im Optimalfall eine Höhe von bis zu 25 m und einen Stammdurchmesser, der sich nahe an der Metergrenze bewegen kann.

Über 3000 Erlenbäumchen wurden jetzt Ende April, Anfang Mai im Wirlinger Wald bereits in den Boden gebracht. Später sollen unter dem Erlenkronendach entweder weitere Baumarten gepflanzt werden oder sie samen sich im Idealfall von selbst an. Dabei kommt ihnen eine ganz besondere Eigenschaft der Erle zugute: Sie bildet Wurzelknöllchen, in denen der Stickstoff der Luft gebunden wird. Dieser findet sich auch in den Blättern, so dass nach Laubabfall durch die Zersetzung der Blattmasse eine Verbesserung des Bodens stattfindet, fast wie bei einer Düngung.

Revierleiter Markus König nennt einen weiteren Vorteil: „Zusätzlich wird Konkurrenzvegetation wie die Brombeere, die sich bei uns extrem schnell auf Kahlflächen einstellt, durch das rasche Jugendwachstum der Erle rechtzeitig ausgedunkelt und kann sich nicht etablieren. Der Folgewald wird zudem vor Frost, Wind und Sonne geschützt.“

Wir sehen, dass die Roterle eine Baumart ist, die im Stillen ihre Funktionen ausführt, aber einen nicht unerheblichen Beitrag zum Gedeihen der Bäume beiträgt, die mit ihr zusammen aufwachsen. Da sie selbst nicht sehr alt wird, fällt die Erle dann meist in einem Alter aus, wenn die anderen Baumarten keines Schutzes mehr bedürfen und alleine einen Bestand bilden können.

Seinen Namen hat der Baum übrigens daher, dass sich das frisch geschnittene Holz rötlich verfärbt. Dieser Farbton war bis vor wenigen Jahren sehr beliebt. Daher stammt wohl auch der Name „Deutsches Mahagoni“, der in einer Zeit geprägt wurde, als Tropenhölzer v.a. im Möbelbau noch favorisiert wurden und die Erle wegen ihres niedrigeren Preises als Ersatz verarbeitet wurde. Heute ist der wirtschaftliche Faktor der Baumart - auch wegen seiner geringen statischen Eigenschaften - eher gering. Vor allem Spielzeug wird aufgrund der unproblematischen Bearbeitung gerne aus Erle hergestellt. Bis zum Beginn des 20sten Jahrhunderts wurde aus den Zapfen schwarze Tinte geschaffen und die Rinde zum Gerben verwendet. Von der Baumart Erle stammen auch Ortsnamen wie Erlach, Erlbach oder auch Irlach.

Eine ganz besondere Verwendung fand die Erle im Wasserbau: Ihr Holz ist unter Wasser extrem widerstandsfähig und kann durchaus mit der Eiche verglichen werden. Nochmals Förster Markus König: „So sind die Hälfte der Pfähle, auf denen Venedig steht, aus Erle. Die Erle hat also durchaus ihre Bedeutung. Man muss sie nur ihren Eigenschaften entsprechend verwenden. Und vielleicht kommt ja später mal ein Wasserbaupfahl für die Renovierung in Venedig aus dem Wirlinger Wald…?“


Tags:
wald buchenberg sturm staatsforsten


© 2021 AllgäuHIT - Baumann & Häuslinger GbR • Lindauer Str. 6 • 87439 Kempten (Allgäu) - Tel: 0831-20 69 74-0
Die Nutzung der Nachrichten von AllgäuHIT, auch in Auszügen, ist ausschließlich für den privaten Bereich freigegeben.
Eine Nutzung für den gewerblichen Bereich erfordert eine schriftliche Genehmigung der Baumann & Häuslinger GbR
MEINE REGIONALNACHRICHTEN
Meine Allgäu-Region wählen ...
 
Kleinwalsertal Kempten Oberallgäu Kaufbeuren Ostallgäu Memmingen Unterallgäu Bodensee
LIKE UNS BEI FACEBOOK
 
DIE LETZTEN 3 GESPIELTEN TITEL
 
Emiliana Torrini
Jungle Drum
 
Darlene Love
All Alone On Christmas
 
Katy Perry
Last Friday Night (T.G.I.F.)
AKTUELLE BILDERGALERIEN
 
AllgäuHIT-Bildergalerie
Unfall bei Aichstetten
 
AllgäuHIT-Bildergalerie
Bundesverdienstkreuz
 
AllgäuHIT-Bildergalerie
Polizei sucht Besitzer
 
 
Radio einschalten Ihr Spot bei uns Glasklarer Empfang Datenschutz/Impressum