Moderator: Christoph Fiebig
Sendung: Der AllgäuWECKER
mit Christoph Fiebig
 
 
Jan Frodeno im Ziel in Burgberg.
(Bildquelle: tri-battle.com)
 
Oberallgäu
Sonntag, 18. Juli 2021

Frodeno gewinnt Tri Battle Royal in Weltrekordzeit

Jan Frodeno hat das Tri Battle Royale gegen den Kanadier Lionel Sanders mit neuer Weltrekordzeit gewonnen. In spannenden und bis zum Schluss dramatischen 7 Stunden, 27 Minuten und 53 Sekunden holte sich der gebürtige Kölner im Oberallgäu den Sieg.

Im Duell des deutschen Olympiasiegers und Hawaii-Champions Jan Frodeno und seinem kanadischen Herausforderer Lionel Sanders, dem Weltmeister auf der Triathlon-Langdistanz von 2017, blieb die Uhr nach 7 Stunden 27 Minuten und 53 Sekunden stehen. Das von Jan Frodeno als “Lockdown-Challenge” erdachte Duell gewann er deutlich, aber nicht ohne selbst noch für eine Schrecksekunde zu sorgen.

Für das Event waren unter anderem der Goymoos-Kreisel, die Birkenallee und die B19 für längere Zeit gesperrt gewesen. Gerade die fünfstündige Komplettsperrung der B19 zwischen Herzmanns und Sonthofen in südlicher Richtung hatte bei vielen Einheimischen für Kopfschütteln und Unmut gesorgt. Nach Angaben der Polizei gab es zwar auf den Umleitungen über die Dörfer teils zähflüssigen Verkehr, aber keine Staus und keine Probleme. Anwohner berichten von Urlaubern, die den Weg in Richtung Oberstdorf suchten.

Entgegen der Bitte der Veranstalter fanden sich an einigen Stellen des Rennens doch zahlreiche Zuschauer an der Strecke ein.Der Wettbewerb wurde per Live-Stream im Internet übertragen.

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Frodeno siegt im Oberallgäu
 
       
 
       
 
       

Trotz der schwierigen Wetterbedingungen gelang es Jan Frodeno,  einen neuen Weltrekord auf der Triathlon-Langdistanz zu erkämpfen. Diese bisherige Bestleistung von 7:35:39 Stunden hatte er 2016 bei der Challenge Roth selbst aufgestellt. Die beiden Triathlon-Superstars traten auf der klassischen Triathlon-Langdistanz gegeneinander an. Das bedeutet, dass 3,8km Schwimmen, 180km Radfahren und 42,195 km Laufen für Frodeno und Sanders zu bewältigen waren.

Der Start spielte sich vor dramatischer Kulisse ab, tief hingen die dichten Wolken über dem Großen Alpsee bei Immenstadt im Allgäu und versperrten den Blick auf die Alpen. Das Corona-Konzept des Veranstalters erlaubte die Anwesenheit von einigen wenigen Zuschauern, welche bei frischen 17 Grad an diesem Sonntagmorgen vor Ort dabei waren.

Nach dem Startschuss um 9 Uhr ging es für das Duo Frodeno und Sanders mit einem Startsprung von einer eigens installierten Schwimmplattform in das kühle Nass des Großen Alpsees, in dem bei 19 Grad Wassertemperatur insgesamt vier Runden zu bewältigen waren. Die Schwimmstrecke war, genauso wie der gesamte restliche Kurs, auf eine Rekordzeit angelegt und durchgängig mit Unterwasser-Leinen zur besseren Orientierung versehen. Bereits nach den ersten Armzügen erarbeitete sich Frodeno im Wasser Armlänge um Armlänge einen immer größeren Vorsprung auf seinen Kontrahenten Sanders. Nach einem Drittel der Schwimmstrecke hatte sich der weitere Rennverlauf eingestellt: Frodeno vorne, Sanders in der Verfolgung. So stieg der gebürtige Kölner nach 45 Minuten und 58 Sekunden auch als Erster aus dem Wasser und verfehlte seine eigene Schwimmbestzeit von 2016 nur um 18 Sekunden. Exakt 5 Minuten später - mit einer Zeit von 50:58 Minuten - erreichte auch Sanders das Ufer.

Beim anschließenden Wechsel machte der angriffslustige Kanadier, der eine Karriere-Bestleistung im Schwimmen erzielte, bereits ein paar Sekunden gut. Während Frodeno beim Wechsel aufs Rad seinen Aero-Helm fallen ließ und anschließend weitere Sekunden mit dem Richten seines Visiers verlor, lief der Wechsel bei Lionel Sanders wesentlich flüssiger. Nur wenige Sekunden nachdem Sanders den Großen Alpsee verlassen hatte, nahm er die Straße unter die Räder und machte sich auf die Verfolgung Frodenos.

Die Hoffnung, dass es an diesem kühlen Tag im Juli wenigstens trocken bleiben würde, hatte sich nach den ersten Radkilometern in Luft aufgelöst. Gegen 11 Uhr und somit nach gerade einmal 60 der insgesamt 180 Radkilometern machte das Wetter unmissverständlich deutlich, dass es kein Mitleid mit den beiden Top-Athleten haben würde. Es regnete in Strömen. Nach Runde 1 von 5 zeigten der Leistungsmesser 311 Watt bei Frodeno und 313 Watt bei Sanders.

Auch die Radstrecke war auf höchste Geschwindigkeit ausgelegt. Anders als die übliche Strecke des Allgäu-Triathlons wurden Passagen mit zu vielen Höhenmetern eliminiert, um den Kurs besonders schnell zu machen. Die Athleten absolvierten einen Großteil auf der B 19, die mit dem “Canyon Turn” einer speziell konstruierten Wendepunkt enthielt. Das 75m lange und 4,5m hohe Holz-Bauwerk wurde von einem Allgäuer Unternehmen entwickelt und ermöglichte eine konstant hohe Geschwindigkeit auf den einzelnen Runden. Auf der ersten Hälfte der Radstrecke fühlte sich Frodeno sichtlich wohl und konnte nach 100 Kilometern seinen Vorsprung auf 7:29 Minuten ausbauen. In der Folge machte Sanders das Duell allerdings wieder spannend.

Frodeno hatte zunehmend mit der Kälte zu kämpfen, sodass sein Herausforderer den Vorsprung erstmals seit dem Start des Radfahrens wieder auf etwas mehr als fünf Minuten reduzierte. Am Ende der 180 Kilometer blieb Frodenos Uhr nach weniger als 4 Stunden stehen. In 3:55 Stunden und damit mit über 45 km/h im Durchschnitt absolvierte er die Radstrecke schneller als sein Gegner Sanders und schneller als bei seiner bisherigen Weltrekord-Bestzeit vor fünf Jahren. Frodenos Kurs war zu diesem Zeitpunkt klar auf Weltrekord ausgerichtet. Auch Sanders unterbot seinen bisherige Rad-Bestleistung in 4:01 Stunden, musste aber mit Ende der zweiten Disziplin einen Rückstand von gut acht Minuten hinnehmen.

Auf der ersten der vier Laufrunden machte Frodeno sogleich da weiter, wo er morgens um 9 Uhr begonnen hatte. Er dominierte auch die letzte Disziplin in diesem Langdistanz-Duell von Anfang an. Auch ein Sturz nach 10 Kilometern, bei dem sich Frodeno auf dem vom Dauerregen glatt gewordenen Boden wiederfand, konnte ihn nicht aufhalten. Zwar musste der 1,94 m große Modellathlet nach seinem Missgeschick einige Schritte humpeln, nahm aber nach der Passage des Stadions in Burgberg, schnell wieder Weltrekord-Tempo auf. “Der Sturz tat ganz gut und lenkte mich von meinen schlimmen Rückenschmerzen ab, die ich zu dem Zeitpunkt hatte.”, scherzte Frodeno später im Ziel.

Mit der Präzision eines Uhrwerks spulte Frodeno Kilometer um Kilometer der Marathon-Laufdistanz ab. Dabei wurde er auch auf der zweiten Marathonhälfte nurunwesentlich langsamer und fuhr am Ende einen souveränen Start-Ziel-Sieg ein. Sein Verfolger Lionel Sanders überquerte die Ziellinie nach 7:43:28 Stunden und unterbot dabei knapp seine alte Bestzeit.

Der 39-jährige Frodeno bezeichnete sich nach dem Rennen als “gebrochen” von den Strapazen des Weltrekords. “Es war so unfassbar hart, aber auch einfach Wahnsinn, weil du nie hoch schaust und einfach konstant so schnell wie möglich sein musst”. “Kann ich jetzt endlich mal einen Stuhl haben?”, war dann auch der einzige Wunsch des alten und neuen Weltrekordhalters. Völlig außer Atem hatte er noch lobende Worte für seinen Kontrahenten. “Lionel ist ein großartiger Athlet, der mich die letzten 2 Jahre immer weiter gepusht hat und der hier lange Zeit auf Weltrekordkurs war, was ihm sicher viele nicht zugetraut haben.” 

Der zweitplatzierte Sanders zollte seinem Kontrahenten größten Respekt und bezeichnete das ZWIFT Tri Battle Royale als die Gelegenheit seines Lebens und fügte hinzu, dass es “ihm eine Ehre war, heute gegen sein Vorbild Jan Frodeno anzutreten”. Im Vorfeld hatte Frodeno sich unsicher darüber geäußert, ob der Kurs wirklich schnell sein würde. Nach seinem heutigen, nicht einmal siebeneinhalbstündigen Arbeitstag, hatte er die Antwort selbst gegeben: Neuer Weltrekord.


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tri battle royal frodeno oberallgäu


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