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Sendung: Guten Abend Allgäu
 
 
Auch in Lindau bereitet man sich auf den Herbst und Winter vor
(Bildquelle: Geschäftsführer der Stadtwerke Lindau Hannes Rösch)
 
Bodensee - Lindau
Dienstag, 16. August 2022

Stadtwerke Lindau beobachten den Gasmarkt sehr genau

Auch die Stadtwerke Lindau beobachten derzeit sehr aufmerksam die Geschehnisse auf dem Energiemarkt, insbesondere die Situation beim Gas. Dabei werden verschiedene Szenarien in Betracht gezogen. Lindau-Redakteur Norbert Kolz hatte die Möglichkeit mit dem Geschäftsführer der Stadtwerke Lindau Hannes Rösch ein Interview zu führen.

Vorweg einige allgemeine Information zum Gesamtverständnis:

Die Stadtwerke Lindau beziehen das Gas von Vorlieferanten aus Deutschland. Diese Vorlieferanten können Zwischenhändler, wie aber auch die ganz Großen sein. Als Beispiel sei hier Uniper genannt was nicht zwingend heißt, dass die Stadtwerke bei Uniper einkaufen. Geschäftsführer Hannes Rösch machte zu den Einkaufsquellen keine Angaben. Die Gasbranche ist innerhalb der Lieferketten in drei Bereiche aufgeteilt: Upstream (Gewinnung), Midstream (Transport und Weiterverkauf) und Downstream (Vermarktung und Zustellung). Die Stadtwerke Lindau gehören zum Bereich Downstream (Vermarktung und Zustellung). Energie, auch Gas, und damit der Energiepreis, werden an der Börse gehandelt. Was letztlich als Preis beim Verbraucher ankommt ist das Ergebnis einer komplizierten Kalkulation des Versorgers.

Herr Rösch, mit welcher Situation haben wir es derzeit allgemein auf dem Gasmarkt zu tun?

Die Situation kann am Beispiel Uniper anschaulich erklärt werden. Uniper ist ein klassischer Vorlieferant der darunter leidet das die Zulieferung zurzeit gedrosselt wird. Gedrosselte Menge heißt begrenztes Angebot bei gleicher Nachfrage, was steigende Preise zur Folge hat. Dies führte dann letztlich dazu das Uniper sich derzeit in einer Schieflage befindet, weshalb die Bundesregierung nach meiner Meinung hier richtig reagiert hat. Die Bundesregierung hat das richtige Instrument gezogen und Uniper finanziell gestützt, damit die Versorgung weiterhin gegeben ist. Alles andere hätte sonst einen großen Rattenschwanz wirtschaftlicher Natur nach sich gezogen und viele Energieversorger die von Uniper Energie beziehen wären in Schieflage geraten.

Sind die Gasspeicher gefüllt, welchen Füllstand haben diese?

Die Stadtwerke Lindau sind bei der Gasversorgung Oberschwaben und haben dort gemeinsame Gasspeicher in der Region. Es muss hier angemerkt werden, dass wir uns hier in europäischen Dimensionen bei der Gasversorgung generell befinden und damit jetzt auch beim Engpass dieser Energie.

Somit trifft uns die Situation auch, aber wir sind hier bundesweit unterwegs und hoffen, dass das Turbinenthema, dass derzeit diskutiert wird, bald gelöst ist und dann wieder mehr Gas bei Nordstream 1 ankommt und damit die Füllstände bis zum Herbst wieder hochgefahren werden können. Wir geben die Hoffnung nicht auf und sehen die Entwicklung mit Zuversicht.

Kann der derzeitige Bedarf an Gas noch voll gedeckt werden?

Im Moment können wir den Bedarf voll decken.

Wie lange noch?

Schwer zu sagen, da kann ich derzeit keine verbindliche Auskunft geben. Das hängt einfach davon ab und wird interessant, wenn die Heizperiode los geht. Das beginnt Anfang Oktober und endet Ende März, das ist der sogenannte Badewanneneffekt und hängt letztlich von den Speicherfüllständen ab.

Sie müssen für das Gas einen Einkaufspreis bezahlen. Wir Ihnen, wenn ich das richtig verstanden habe, über die Vorgabe einer Umlage die Höhe dessen was sie an den Kunden weitergeben können, vorgeschrieben.

Man muss jetzt aufpassen. Wir beschaffen immer mehrere Frontjahre im Voraus. Wir sind als Stadtwerke Lindau damit immer sehr gut gefahren, das kann man auch jetzt im Moment sehen, das wir vom Preisniveau sehr moderat und noch gut unterwegs sind im bundesweiten Durchschnitt, sowohl im Strom als auch im Gas. Was sie jetzt ansprechen ist eine hoheitlich auferlegte Umlage. Das betrifft jetzt nicht den direkten Energiebezug und Einkauf an der Börse. Die Umlage wird separat on Top drauf gesetzt vom Bundesministerium für Wirtschaft.

Aber der Einkaufspreis wird sich wahrscheinlich ja auch ändern.

Der Einkaufpreis wird sich generell ändern, weil wir natürlich aktuell ein sehr hohes Preisniveau haben, wir gehen von weiter steigenden Preisen aus, das können wir nicht selber schultern, wir müssen das weitergeben. Trotz alledem bin ich da immer noch guter Dinge, weil wir auch Gas beschafft haben zum moderaten Preisniveau der Vorjahre.

Jetzt kommt die Frage, die Ihnen vielleicht nicht so gefallen wird, aber ich muss sie stellen. Was kommt denn konkret in Prozent oder bares Geld auf die Kunden zu? Mit wieviel mehr müssen die Verbraucher, also die Gasabnehmer ab Herbst rechnen?

Das ist Kaffeesatzleserei, das muss ich so klar beantworten. Wir gehen natürlich von deutlichen Preissteigerungen aus, dass muss man auch so festhalten. Wie sich das in Prozent auswirkt, das kann man heute noch nicht sagen. Da kann einfach noch zu viel passieren. Die Situation ist derzeit noch unklar und solange das nicht geklärt ist, habe wir keine Möglichkeit hier eine verbindliche, verlässliche Aussage zu treffen. Was ich aber sagen kann, sobald wir darüber Bescheid wissen werden wir das natürlich transparent in der Öffentlichkeit kundtun und ihnen mitteilen.

Könnte es sein, dass im Herbst/Winter es Gas nur zu bestimmten Zeiten gibt?

Was sie hier jetzt ansprechen ist, dass die Gasmenge begrenzt und sehr niedrig sein wird und dass wir dann in den Verteilmodus kommen. Das heißt, dass man mit der Menge die noch in den Speichern ist oder von anderen.

Bezugsquellen kommt, sorgsam umgehen muss. Für dieses Szenario hat das Bundesministerium für Wirtschaft einen Plan, dass demnach das Gas entsprechend verteilt wird, nach Bedarf. Ein Beispiel: Für Luxusgüter wird es kein Gas mehr geben. Notfallbetreuungen, also im Krankenhaus werden so lange aufrechterhalten, wie Gas zur Verfügung steht und ich gehe davon aus, dass Gas zur Verfügung stehen wird. Ich gehe auch nicht davon aus, dass wir komplett auf null runter fahren werden. Wir beziehen aus Russland im Moment 50 % der Gesamtgasmenge und haben ja andere Bezugsquellen auch noch. Wir sind im Moment dabei LNG-Terminals zu bauen von deutscher Seite aus, das wird allerdings noch etwas dauern. Es werden derzeit auch andere Quellen generiert. Da müssen wir jetzt abwarten, was dabei rauskommt.

Sie haben jetzt die Priorisierung angesprochen. Ist die in der Reihenfolge, normaler Verbraucher, Krankenhäuser, und dann die Industrie. Ist das so der Weg, der dann auch gelten würde, wenn das schlimmste Szenario passieren sollte?

Also, wir müssen abwarten, dann wird uns die Bundesnetzagentur entsprechend mitteilen, wie konkret das dann sein wird. Man muss natürlich aufpassen, es gibt gerade in der Chemieindustrie viele Produktionen die weiterhin laufen sollten, die dann auch mit anderen kritischen Infrastrukturthemen zusammenhängen, damit weiterhin wichtige Güter produziert werden können. Was wir generell hier auf Lindau bezogen machen können, da möchte ich auch nochmals dafür werben, dass wir wirklich die Sparmaßnahmen für Gas ernst nehmen sollten. Heißt, dass wir bei der Aktion, die wir gemeinsam mit der Stadt Lindau und der Oberbürgermeisterin entwickelt haben Lindau macht mit bei "minus 20 %" mitmachen. Jedes Kilowatt bei Gas, das wir nicht verbrauchen, wird uns am Ende helfen, diese Krise zu bewältigen.

Lassen sie mich als Laie, eine technische Frage stellen. Muss im Gasnetz nicht ein Mindestdruck vorhanden sein, der zwingend einzuhalten ist? Könnte das ein Problem sein?

Das könnte im Worstcase-Szenario zu einem Problem werden, das ist richtig was sie sagen. Es muss immer ein gewisser Druck aufrechterhalten sein, weil sonst müsste man in jedes Haus rein gehen und bei Abfall des Drucks alles neu aktivieren. Das wäre schon mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Ich bin aber jetzt immer noch auf dem Level, das ich sage so weit sind wir noch nicht und ich habe die Hoffnung, dass wir da die Speicherfüllstände noch voll bekommen, dass wir durch den Winter nochmals durchkommen.

Sie haben angesprochen, dass der Wirtschaftsminister auf der Suche nach anderen Gasquellen ist. Sind sie als Geschäftsführer der Stadtwerke Lindau auch auf der Suche nach alternativen Quellen. Haben sie ein Plan B?

Herr Kolz, wir sind hier in Lindau ganz klar in bundesweiten Abhängigkeiten. Es geht hier um andere Dimensionen der Energieversorgung, da haben wir in Lindau begrenzte Möglichkeiten und müssen dem Bundeswirtschaftsministerium hier auch vertrauen, dass neue Bezugsquellen erschlossen werden und hoffen auch, dass wir das hinbekommen.

Sie haben es gerade schon gesagt, dass sie evtl. in die Situation kommen könnten, dass sie Prioritäten setzen müssen. Geraten sie da, auch wenn sie es nicht wollen, von der Rolle eines Energieversorgers hin zu einem Entscheider auf politischer Ebene?

Da sehe ich uns als Stadtwerke Lindau nicht, da hier die Vorgaben sehr konkret vom Bundeswirtschaftsministerium und der Bundesnetzagentur sind, welche Industrie wieviel bezieht oder wie auch der Endkunde an Gas bekommt. Da sind wir in der Umsetzunsrolle, aber nicht in der politischen Rolle.

Wir reden die ganze Zeit vom Gas, kommen wir zum Strom. Bleibt es hier bei der Preisentwicklung, auch unter Berücksichtigung des momentanen Runs auf elektrische Heizlüfter in den Baumärkten. Könnte es da Probleme geben, z.B. Netzüberlastungen?

Wir haben natürlich die Situation an den Energiemärkten, egal von welchem Energiegut wir sprechen, die hängen alle miteinander zusammen. Wenn der Preis von einem Energiegut hoch geht, dann geht auch es auch in der Regel bei dem anderen Energiegut nach oben. Also, wenn der Strompreis steigt, dann geht der Gaspreis auch nach oben. Das kann man an der Börse momentan auch feststellen, das sind schon Preisdimensionen, die wir ja noch nie so gesehen haben an der Energiebörse. Das muss man auch mal so festhalten. Das heißt, wir gehen hier auch von einem steigenden Preis aus. Bezüglich der Heizlüfter, die sie angesprochen haben, jedes Haus hat einen Sicherungskasten der die Leistung begrenzt. Das das Stromnetz zusammenfällt, müssten wir anschauen, also da möchte ich jetzt auch etwas defensiv unterwegs sein. Das jetzt alles mit Heizlüftern vonstattengeht kann ich mir nicht vorstellen, aber da müssen wir aufpassen, dass muss man beobachten und im Blick haben.

Wie gehen die Stadtwerke Lindau mit Kunden um, die diese Preise nicht mehr zahlen können?

Nun ja, sie sprechen an, dass die Preise nach oben gehen und dass damit die Belastungen für den Privatkunden auch nach oben gehen, dass ggf. viele Kunden wegen der hohen Preise, den Zahlungen nicht mehr nachgehen können. Auch hier hat die Bundesregierung angekündigt, dass sie in den Instrumentenkasten greift und dann zinslose Kfw-Kredite in Aussicht stellt oder Einmal- und Soforthilfen und darauf setzen wir dann auch.

Kommen wir nochmal zur Preisentwicklung. Kann der Moment kommen, wo sie nicht mehr kostendeckend arbeiten, konkret könnten dann die Stadtwerke Lindau in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten?

Im Moment ist das nicht absehbar. Wir sind im Moment stabil und gut aufgestellt. Was in der Zukunft noch kommt und wie sich die Energiepreise entwickeln müssen wir abwarten. Im Moment ist natürlich viel Bewegung drin, es gibt viele große Preise- und Hebeleffekte. Aber, Stand heute, wir sind gut aufgestellt und haben die Lage im Griff.

Experten haben schon davor gewarnt, dass es auf dem Energiemarkt einen sogenannten "Lehmann-Effekt geben könnte, so wie 2008 bei den Banken mit einem Dominoeffekt. Befürchten Sie so etwas?

Wir sprechen jetzt natürlich von den ganz großen Themen, wenn das Eintritt dann haben natürlich noch ganz andere Herausforderungen zu managen. Dann sind wir in einer Situation die alle betrifft, auch die Unternehmen. Sie haben den Dominoeffekt angesprochen. Das würde dann alle Branchen treffen auch die Kommunen. Ja, die Gefahr eines großen Crashs besteht, das kann durchaus sein. Aber ich verlasse mich auch hier auf die Politik und auf die Bundesregierung, dass es also Instrumente gibt, und die kritische Infrastruktur, die Energieversorgung hier in der Region und bundesweit sicher gestellt sein wird. Ich meine es ist klar, dass Strom, Gas und Wasser hohe Güter sind auch die Grundvoraussetzung für den sozialen Frieden sind.

Hand aufs Herz. Wie sieht es denn mit dem Energiesparen in ihrem eigenen Unternehmen, den Stadtwerken Lindau aus?

Wir haben Nachhaltigkeitsthemen, die bei uns ganz oben stehen und schauen wo wir noch mehr einsparen können. Wir sind an dem Thema dran und nehmen das natürlich sehr ernst.

Photovoltaik auf den eigenen Gebäuden, ist das ein Thema?

Das gibt es konkrete Pläne die wir in der Umsetzung jetzt schon angehen.


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Gas Allgäu Situtation Gasmarkt


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