Moderator: Hits der 70er bis Heute
 
 
Die Helfer von Sea-Watch wollen sich von dem italienischen Dekret nicht abschrecken lassen und sind derzeit wieder mit der «Sea-Watch 3» im Einsatzgebiet vor Libyen.
(Bildquelle: Chris Grodotzki/Jib Collective/Sea-Watch.org)
 
Mittwoch, 12. Juni 2019
Italien droht hohe Geldstrafen für Rettung von Migranten an

Rom (dpa) - Die italienische Regierung will mit einem umstrittenen Dekret Hilfsorganisationen für die Rettung von Migranten auf dem Mittelmeer bestrafen. Private Schiffe, die mit Geretteten an Bord unerlaubt in italienische Hoheitsgewässer fahren, müssen demnach zwischen 10.000 und 50.000 Euro Strafe zahlen.

Das Kabinett verabschiedete das Dekret am Dienstagabend. Die Vereinten Nationen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sind entsetzt und halten die Maßnahmen für einen Verstoß gegen die Menschenrechte. Ungeachtet der neuen Regelung rettete die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch am Mittwoch wieder Menschen vor der libyschen Küste.

Das Paket geht auf den Chef der rechten Lega, Innenminister Matteo Salvini, zurück. Er will NGOs komplett von der Rettung von Migranten abhalten. Genau vor einem Jahr blockierte die Populisten-Regierung aus Lega und Fünf-Sterne-Bewegung mit der «Aquarius» das erste private Rettungsschiff mit Hunderten Migranten an Bord. «Seitdem sind mindestens 1151 Männer, Frauen und Kinder im zentralen Mittelmeer ertrunken», erklärten die Organisationen SOS Mediterranée und Ärzte ohne Grenzen (MSF).

Zuletzt hatte Salvini der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch verboten, in Italien anzulegen. Der Kapitän fuhr dennoch in italienische Gewässer. Gegen ihn wird wegen Beihilfe zu illegaler Einwanderung ermittelt.

Nach dem neuen «Sicherheitsdekret» müssen die Strafe künftig der Kapitän, der Schiffsbetreiber und der Besitzer des Schiffs bezahlen. Das Dekret wurde mit Verzögerung gebilligt, weil die Verfassungsmäßigkeit in Frage gestellt worden war.

Das UN-Flüchtlingskommissariat kritisierte den Plan nun heftig. «Die Einfahrt in die italienischen Hoheitsgewässer für Schiffe mit aus Seenot geretteten Personen an Bord zu kriminalisieren, unterminiert das internationale System der Seenotrettung», sagte der Vertreter des UNHCR in Deutschland, Dominik Bartsch.

Schon im Mai schrieben UN-Menschenrechtsexperten einen Brief an Italien. Das Dekret würde das «ausländerfeindliche Klima gegen Migranten» weiter anheizen. «Dieser Ansatz (...) steht nicht im Einklang mit dem allgemeinen Völkerrecht und den internationalen Menschenrechtsnormen», hieß es in dem Brief. Stattdessen würden solche Maßnahmen den Menschenhandel nur noch verstärken.

Sea-Watch hatte erklärt, sich von dem Dekret nicht abschrecken lassen zu wollen - und rettete nach eigenen Angaben am Mittwoch 52 Migranten vor Libyen von einem Schauchboot. «Wir werden uns wie immer strikt an internationales Recht halten», sagte Sprecher Ruben Neugebauer. Wohin die «Sea-Watch 3» die Menschen - darunter neun Frauen und zwei Babys - nun bringen kann, ist allerdings völlig unklar. Unterlassene Hilfeleistung sei eine Straftat und keine Option für die Organisation, hatte Neugebauer zuvor erklärt.

Auch der Sprecher der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye, Gordon Isler, erklärte, Italien versuche, sich mit Geldstrafen gegen Seenotretter aus der völkerrechtlichen Verantwortung zu ziehen.

Salvini sprach jedoch von einem «Schritt vorwärts für die Sicherheit dieses Landes». Der Innenminister bekommt jetzt auch mehr Macht, Einfahrtsverbote auszusprechen. Bisher erließ das Transportministerium solche Verbote. Das Ministerium wird von der Sterne-Bewegung geleitet, die bei der Europawahl stark verloren hatte und in der Wählergunst unter der Popularität Salvinis leidet.

Die Regierung in Rom ist seit einem Jahr im Amt. Sie unterstützt mit Hilfe der EU die libysche Küstenwache darin, die Menschen zurück nach Libyen zu bringen. Dort drohen ihnen aber nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen Folter, Sklaverei und schwerste Misshandlungen. Trotz der gefährlichen Überfahrt versuchen zahlreiche Menschen, über das Meer aus dem Bürgerkriegsland zu entkommen und nach Europa zu gelangen. Hunderte Menschen sind in diesem Jahr schon ertrunken.

Auch Malta muss durch Italiens Hafensperre wieder mehr Migranten aufnehmen. Im Mai und Juni rettete die Armee insgesamt 647 Flüchtlinge aus Seenot. Im Vergleich zur Einwohnerzahl entspreche das einer Zahl von mehr als 100.000 Flüchtlingen in Deutschland in zwei Monaten, teilte die maltesische Botschaft in Berlin mit.


Tags:
Migration Flüchtlinge Matteo Salvini Hilfsorganisationen Geldstrafen Menschenrechte Italien



DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN:
Wird der Sonntag der letzte warme Sommertag im Allgäu? - Zum Ende der Festwoche kühlt es ab
Das Wochenende wird im Allgäu, am Bodensee, sowie im Kleinwalsertal und Tannheimer Tal schön und warm. Am Samstag versteckt sich die Sonne zwar am Nachmittag ...
ESV Kaufbeuren verliert in Winterthur 2:3 - Allgäuer Joker vergeben viele Chancen
Im Tor beim heutigen Testspielauftakt des ESV Kaufbeuren gegen den EHC Winterthur startete Michael Güßbacher. Welcher aber absprachegemäß nach ...
Einsatz zum Erhalt der Schutzwälder bei Sonthofen - 70 Freiwillige im Rahmen des Bergwaldprojekts auf Tour
Vom 18. August bis 14. September 2019 ist das Bergwaldprojekt e.V. erneut im Einsatz beim Forstbetrieb Sonthofen des Unternehmens Bayerische Staatsforsten. Darunter ist ...
Crashkurs im Asylrecht im Landratsamt Unterallgäu - Dialogforum der ehrenamtlichen Asyl-Helferkreise
„Die konstruktive und vertrauensvolle Kommunikation zwischen den Mitarbeitern des Landratsamts und den ehrenamtlichen Asyl-Helfern ist enorm wichtig.“ Das ...
Defensivallrounder für die Lindauer Islanders - Gabriel Federolf wechselt vom Ligakonkurrenten SC Riessersee
Mit Gabriel Federolf können die EV Lindau Islanders einen neuen Spieler präsentieren, der in der Defensive zu Hause ist, aber in der Vergangenheit auch schon ...
Gesuchter Mann flüchtet mit Fahrrad in Memmingen - Polizisten schnappen per Haftbefehl gesuchten Mann
In den frühen Abendstunden des Donnerstag, 15.08.2019, versuchte eine Streifenbesatzung einen 31-jährigen Radfahrer in der Alpenstraße in Memmingen zu ...
© 2019 AllgäuHIT - Baumann & Häuslinger GbR • Richard-Wagner-Str. 14 • 87525 Sonthofen - Tel: 08321-676 1360
Die Nutzung der Nachrichten von AllgäuHIT, auch in Auszügen, ist ausschließlich für den privaten Bereich freigegeben.
Eine Nutzung für den gewerblichen Bereich erfordert eine schriftliche Genehmigung der Baumann & Häuslinger GbR
MEINE REGIONALNACHRICHTEN
Meine Allgäu-Region wählen ...
 
Kleinwalsertal Kempten Oberallgäu Kaufbeuren Ostallgäu Memmingen Unterallgäu Bodensee
LIKE UNS BEI FACEBOOK
 
 
Radio einschalten Ihr Spot bei uns Glasklarer Empfang Datenschutz/Impressum