Moderator: Hits der 70er bis Heute
 
 
Wenige Tage alte Küken stehen in einem Hähnchenmastbetrieb. Im Streit um das Töten von Millionen männlichen Küken jedes Jahr hoffen Tierschützer auf einen Sieg vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.
(Bildquelle: Jens Büttner)
 
Donnerstag, 16. Mai 2019
Verwaltungsgericht urteilt nächste Woche zum Kükentöten

Leipzig (dpa) - Das millionenfache Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht soll beendet werden - darüber sind sich Politik und Geflügelwirtschaft einig.

Eine praxistaugliche Alternative gibt es aber bis heute nicht flächendeckend. Deswegen ist jetzt die Justiz am Zug. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat darüber verhandelt, ob das Vergasen männlicher Küken mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist.

Ausführlich wandten sich die Richter der Frage zu, ob es einen «vernünftigen Grund» für das Töten gibt. Eine klare Tendenz ließen sie nicht erkennen. Das Urteil soll am kommenden Donnerstag (23. Mai) fallen. (Az.: BVerwG 3 C 28.16 und 3 C 29.16)

Konkret geht es um die Klagen von zwei Brütereien aus Nordrhein-Westfalen. Das damals rot-grün regierte Land hatte die umstrittene Praxis 2013 per Erlass stoppen wollen. Sie verstoße gegen das im Tierschutzgesetz verankerte Verbot, einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen. Die Brutbetriebe aus dem Kreisen Gütersloh und Paderborn klagten dagegen - und bekamen in den Vorinstanzen Recht.

Jährlich werden in den 25 deutschen Brutbetrieben nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums rund 45 Millionen männliche Küken nach dem Schlüpfen getötet. Sie werden für die Legehennenzucht nicht benötigt. Weil die Rassen darauf getrimmt sind, viele Eier zu legen, aber wenig Fleisch ansetzen, taugen sie nicht für die Mast. Eine Aufzucht der männlichen Küken ist aus Sicht der Geflügelbranche somit unwirtschaftlich. Sie werden getötet.

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster hatte in der Vorinstanz entschieden, dass die Praxis nicht gegen das Tierschutzgesetz verstoße. Das menschliche Interesse an der Legehennenzucht wiege schwerer als das Interesse der Tiere an ihrer Unversehrtheit. Die wirtschaftlichen Zwänge der Legehennenzüchter stufte das OVG als «vernünftigen Grund» im Sinne des Tierschutzgesetzes ein.

«Wir sind hier auf einem schwierigen Feld», sagte die Vorsitzende Richterin Renate Philipp in Leipzig in der mündlichen Verhandlung. Die Bundesrichter warfen eine ganze Reihe von Fragen auf, über die sie entscheiden müssen. Wie kann man die Belange des Tierschutzes und die Interessen der Züchter sinnvoll miteinander abwägen? War es zulässig, Brütereien in Nordrhein-Westfalen das Kükentöten zu verbieten, während andere Bundesländer nicht gegen die Praxis vorgehen? Wie kann die Geflügelbranche zu anderen Verfahren kommen?

An Alternativen ist seit langem geforscht worden. Die Bundesregierung hat die Forschung mit Millionenaufwand unterstützt. Inzwischen gibt es Methoden, um das Geschlecht der Küken schon vor dem Schlüpfen im Hühnerei zu bestimmen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) setzt darauf, dass die Geschlechtsbestimmung im Hühnerei 2020 überall angewandt wird. Dann gäbe es keinen «vernünftigen Grund» mehr für das Kükentöten und es wäre gemäß Tierschutzgesetz verboten.

Der Anwalt der Brutbetriebe, Martin Beckmann, sagte im Gericht: «Es gibt keinen, der sagt: "Das machen wir einfach so weiter."» Ein sofortiges Verbot des Kükentötens in Deutschland helfe aber dem Tierschutz nicht weiter. Die Brütereien, die er vertrete, müssten dann einfach aufgeben. Im Ausland laufe das Kükentöten dagegen weiter.


Tags:
Agrar Prozesse Tiere Deutschland



DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN:
Martin Guth läuft für EV Füssen in der Oberliga auf - 27-Jähriger kommt vom Rivalen aus Sonthofen
Zweiter Neuzugang für den frisch gebackenen Eishockey-Oberligisten EV Füssen. Martin Guth, 27 Jahre alter Stürmer vom ERC Sonthofen, läuft in der ...
Branden Gracel verlängert beim ESV Kaufbeuren - Kanadischer Publikumsliebling verlängert bei Allgäuer DEL2-Club
Was lange währt, wird endlich gut. Eine der wichtigsten Kaderstellen des ESVK ist mit der Vertragsverlängerungen von Branden Gracel nun endlich unter Dach und ...
Beziehungsdrama führt zu Schlägerei am Inselparkhaus - 16-Jährige geraten wegen Mädchen aneinander
In der Nacht von Freitag auf Samstag kam es vor dem Inselparkhaus in Lindau zu einer Schlägerei mit drei Beteiligten. Hierbei schlugen die beiden 16-jährigen ...
Teppichreiniger verlangen Wucherpreise in Pfronten - Polizei warnt vor Betrügern
Nicht nur bei Schlüsseldiensten, auch bei anderen Dienstleistungen wie Rohrreinigungen oder Teppichreinigern gilt es bei der Auftragsvergabe wachsam zu sein, ...
Mann klaut Obst und Gemüse in Sonthofen - Dunkel gekleideter Unbekannter flüchtet
Am Freitag gegen 13:25 Uhr wurde ein ca. 25 Jahre alter Mann durch den Ladendetektiv eines Supermarktes in der Rudolf-Diesel-Straße in Sonthofen dabei beobachtet ...
LKW-Fahrer nach rund 40 Stunden Fahrt im Allgäu gestoppt - Erfolgreiche Kontrolle bei Holzgünz auf der A96
Ein Lastwagenfahrer (51) ist bei Holzgünz auf der A96 im Allgäu nach knapp 40 Stunden ohne nennenswerte Pausen gestoppt worden. Die Polizeibeamten entdeckten ...
© 2019 AllgäuHIT - Baumann & Häuslinger GbR • Richard-Wagner-Str. 14 • 87525 Sonthofen - Tel: 08321-676 1360
Die Nutzung der Nachrichten von AllgäuHIT, auch in Auszügen, ist ausschließlich für den privaten Bereich freigegeben.
Eine Nutzung für den gewerblichen Bereich erfordert eine schriftliche Genehmigung der Baumann & Häuslinger GbR
MEINE REGIONALNACHRICHTEN
Meine Allgäu-Region wählen ...
 
Kleinwalsertal Kempten Oberallgäu Kaufbeuren Ostallgäu Memmingen Unterallgäu Bodensee
LIKE UNS BEI FACEBOOK
 
 
Radio einschalten Ihr Spot bei uns Glasklarer Empfang Datenschutz/Impressum