Moderator: Ted & Felix
mit Ted & Felix
 
 
Tesla-Chef Elon Musk neben dem Model Y.
(Bildquelle: Jae C. Hong/AP)
 
Freitag, 15. März 2019
Model Y: Elon Musk startet Teslas nächste große Wette

Los Angeles (dpa) - Mit großem Rummel hat der US-Elektroautobauer Tesla in Los Angeles sein neues Model Y vorgestellt.

Der SUV auf Basis des aktuellen Hoffnungsträgers Model 3 soll der nächste und entscheidende Schritt zur Eroberung des Massenmarkts sein und dem Unternehmen von Tech-Milliardär Elon Musk endgültig den Ausbruch aus der Luxus-Nische ermöglichen. Doch es ist wie so oft bei Tesla: Was vielversprechend klingt, ist mit hohen Risiken und Fragezeichen verbunden. Fest steht: Tesla ist schon mit seiner bestehenden Produktpalette immens im Stress und steht massiv unter Druck.

Die feierliche Präsentation des Model Y in Los Angeles ist indes ein Heimspiel für Elon Musk: Der Tesla-Chef wird mit tosendem Applaus begrüßt, als er zum Right-Said-Fred-Song «I'm too sexy» die Bühne entert. Verabschiedet wird er hinterher wie ein Rockstar mit «Elon, Elon, Elon!»-Sprechchören. Kein Wunder: Zum Event in Teslas Design-Studios sind neben einigen Journalisten fast nur Fans des Unternehmers geladen. Die Börsenaufsicht, mit der Musk im Clinch liegt, die Investoren, die auf einen Absturz der Tesla-Aktie setzen - all das spielt hier und heute keine Rolle.

Musk ist sichtlich angetan von der großen Euphorie um seine Person, lässt sich sogar zu hüftsteifen Tanzschritten hinreißen und wirkt insgesamt eher wie ein Guru im Kreis seiner Jünger als wie ein gestresster Top-Manager. Bevor der 47-Jährige zur Vorstellung des Model Y kommt, liefert er den Anhängern noch eine Kurzversion der aus seiner Sicht einzigartigen Erfolgsgeschichte Teslas: «Vor elf Jahren haben wir im wahrsten Sinne des Wortes ein einziges Auto hergestellt und in einem Jahr wird es eine Million sein.»

Dann fährt der neue SUV auf die Bühne, der ab 2020 produziert werden soll und laut Musk alles übertreffen wird, was es je an Nachfrage nach Tesla-Autos gegeben hat: «Wir werden wahrscheinlich mehr Model Y bauen als Model S, X und 3 zusammen». Bereits im Januar hatte der Tesla-Chef gesagt, dass die Nachfrage nach dem neuen Wagen doppelt so hoch sein könnte wie die beim Model 3. So gesehen wäre das Model Y sogar Teslas bislang wichtigstes Fahrzeug.

Dabei gibt es mit dem Model X eigentlich schon einen Tesla-SUV. Doch dabei handelt es sich um ein teures Luxusgefährt mit Flügeltüren, ein Statussymbol für reiche Kundschaft, bei dem Musk seinen ausgefallenen Ideen mehr oder weniger freien Lauf ließ und nicht besonders auf die Kosten achtete. Mit dem Model Y soll nun quasi die Jedermannversion folgen. Der neue Wagen wird laut Musk im Herbst 2020 auf die Straße kommen. Er soll eine Reichweite von bis zu 480 Kilometern pro Batterieladung schaffen und zum Einstiegspreis von 39.000 Dollar vor Steuern und E-Autoprämien bis zu sieben Insassen Platz bieten.

Es ist durchaus ein cleverer Plan, eine SUV-Variante auf Basis des Model 3 anzubieten. Denn bereits mit diesem Wagen hatte Tesla einen so großen Hype ausgelöst, dass schon vom «iPhone auf Rädern» gesprochen wurde, weil mancher Analyst dem Wagen ähnlich revolutionäre Innovationskraft wie Apples erster Smartphone-Generation zutraute. Dabei liegen Fahrzeuge wie das Model 3 eigentlich noch nicht mal im Trend. Statt Mittelklasse-Limousinen boomen Stadtgeländewagen - und das nicht nur in den USA, wo SUVs und Pick-ups den Großteil der Neuwagenkäufe ausmachen. Das Model Y käme also gerade recht.

Hinzu kommt, dass es weitgehend aus den gleichen Teilen wie das Model 3 gefertigt werden soll, was die Produktion erleichtert und die Kosten - anders als beim extravaganten Model X - unter Kontrolle hält. Allerdings sind die Zeiten vorbei, in denen die Autobranche Tesla als Pionier im Markt das Feld bei E-Autos überließ. Die alteingesessenen Hersteller blasen angesichts von Teslas Erfolgen zur Jagd, auch die etablierten Schwergewichte BMW, Audi und Daimler wollen Elektro-SUVs auf den Markt bringen, wenngleich eher im Luxus-Segment.

Analysten und Anleger zeigten sich von der Tesla-Ankündigung nicht beeindruckt: Die Aktie verlor zum Auftakt des US-Handels am Freitag rund vier Prozent. Branchenanalysten zeigten sich unter anderem besorgt, dass das Model Y auch Verkäufe des Model 3 schmälern könnte, statt nur den Markt für Tesla auf Kosten der Konkurrenz größer zu machen. Zudem bemängelten sie, dass es bei der Tesla-Präsentation keine Überraschungen gegeben habe.

So vielversprechend Musks Vorhaben klingen, so sorgen sie auch oft für Befürchtungen, dass Tesla sich übernehmen könnte. Das Model 3 brachte das Unternehmen bereits ans Limit, Musk sprach wiederholt von einer «Produktionshölle» und räumte ein, dass die Firma zwischenzeitlich kurz vor der Pleite stand. Die Fertigung hat zwar endlich Fahrt aufgenommen, doch der Druck wird kaum geringer. Um Geld zu sparen, gab es binnen einiger Monate zwei große Kündigungsrunden, zuletzt beschloss Musk, zahlreiche Tesla-Läden zu schließen und die Verkäufe komplett ins Internet zu verlagern. Wenig später hieß es dann, es sollen doch mehr Geschäfte bleiben als zunächst geplant.

Zudem ist es nicht so, dass der umtriebige Unternehmer nicht schon genug Stress hätte. So liefert sich Musk, der neben Tesla auch noch das Weltraumunternehmen SpaceX und die Tunnelbohr-Firma Boring Company betreibt, einen Dauerstreit mit der US-Börsenaufsicht und hat etliche Anlegerklagen am Hals. Die SEC fordert wegen Musks reger Aktivität bei Twitter, die Anleger angeblich mitunter in die Irre führe, weitere gerichtliche Konsequenzen. Bereits im Vorjahr hatte es einen Vergleich gegeben, der Musk unter anderem den Chefposten im Tesla-Verwaltungsrat kostete, der dem Vorstand übergeordnet ist.

Doch Musk gibt im Konflikt mit der SEC nicht klein bei - im Gegenteil. Am Dienstag warf er der Börsenaufsicht vor, sie wolle sein Verfassungsrecht auf Redefreiheit einschränken.

Vergangene Woche wurde in den USA außerdem eine weitere Anlegerklage eingereicht, diesmal eine, die ein permanentes Verbot von Musks «unkontrolliertem Gebrauch von Twitter für fehlerhafte Statements über das Unternehmen» fordert. Einem Medienbericht zufolge prüft das Pentagon zudem, ob Musk der «Secret-Level»-Status aberkannt wird, eine für sein Amt als SpaceX-Chef relevante Sicherheitsfreigabe. Der Grund: Illegaler Drogengebrauch. Musk hatte im September in einem Video-Podcast vor laufender Kamera an einem Marihuana-Joint gezogen.


Tags:
Auto Elektro Tesla Model Y SUV Elon Musk USA



DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN:
Martin Guth läuft für EV Füssen in der Oberliga auf - 27-Jähriger kommt vom Rivalen aus Sonthofen
Zweiter Neuzugang für den frisch gebackenen Eishockey-Oberligisten EV Füssen. Martin Guth, 27 Jahre alter Stürmer vom ERC Sonthofen, läuft in der ...
Branden Gracel verlängert beim ESV Kaufbeuren - Kanadischer Publikumsliebling verlängert bei Allgäuer DEL2-Club
Was lange währt, wird endlich gut. Eine der wichtigsten Kaderstellen des ESVK ist mit der Vertragsverlängerungen von Branden Gracel nun endlich unter Dach und ...
Beziehungsdrama führt zu Schlägerei am Inselparkhaus - 16-Jährige geraten wegen Mädchen aneinander
In der Nacht von Freitag auf Samstag kam es vor dem Inselparkhaus in Lindau zu einer Schlägerei mit drei Beteiligten. Hierbei schlugen die beiden 16-jährigen ...
Teppichreiniger verlangen Wucherpreise in Pfronten - Polizei warnt vor Betrügern
Nicht nur bei Schlüsseldiensten, auch bei anderen Dienstleistungen wie Rohrreinigungen oder Teppichreinigern gilt es bei der Auftragsvergabe wachsam zu sein, ...
Mann klaut Obst und Gemüse in Sonthofen - Dunkel gekleideter Unbekannter flüchtet
Am Freitag gegen 13:25 Uhr wurde ein ca. 25 Jahre alter Mann durch den Ladendetektiv eines Supermarktes in der Rudolf-Diesel-Straße in Sonthofen dabei beobachtet ...
LKW-Fahrer nach rund 40 Stunden Fahrt im Allgäu gestoppt - Erfolgreiche Kontrolle bei Holzgünz auf der A96
Ein Lastwagenfahrer (51) ist bei Holzgünz auf der A96 im Allgäu nach knapp 40 Stunden ohne nennenswerte Pausen gestoppt worden. Die Polizeibeamten entdeckten ...
© 2019 AllgäuHIT - Baumann & Häuslinger GbR • Richard-Wagner-Str. 14 • 87525 Sonthofen - Tel: 08321-676 1360
Die Nutzung der Nachrichten von AllgäuHIT, auch in Auszügen, ist ausschließlich für den privaten Bereich freigegeben.
Eine Nutzung für den gewerblichen Bereich erfordert eine schriftliche Genehmigung der Baumann & Häuslinger GbR
MEINE REGIONALNACHRICHTEN
Meine Allgäu-Region wählen ...
 
Kleinwalsertal Kempten Oberallgäu Kaufbeuren Ostallgäu Memmingen Unterallgäu Bodensee
LIKE UNS BEI FACEBOOK
 
 
Radio einschalten Ihr Spot bei uns Glasklarer Empfang Datenschutz/Impressum