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Gondelpassagiere saßen 18 Stunden fest
13.08.2011 - 13:29
Nach einem Gleitschirmunfall konnten heute Morgen 20 Passagiere der Tegelbergbahn bei Schwangau nach 18 Stunden eine Gondel verlassen.
Ein 54-jähriger Pilot eines Tandemgleitschirms hat am Ostallgäuer Tegelberg eine aufwändige Rettungsaktion verursacht. Er war am Freitagnachmittag gemeinsam mit einem 35-jährigen Fluggast gegen das Seil der Bergbahn geprallt. Dadurch verhedderten sich die Seile, weder konnte der Gleitschirm geborgen, noch die Bergbahn wieder in Betrieb genommen werden.

Nach der Bergung der leicht verletzten Gleitschirmflieger, liefen weitere Maßnahmen an. Schließlich befanden sich zum Zeitpunkt der Unfalls 132 Personen auf der Bergstation der Tegelbergbahn, in der Gondel im oberen Bergabschnitt saßen 19 Pesonen, in der unteren 30 Personen fest.

Ein Hubschrauber begann schließlich damit, die Gäste von der Bergstation aus ins Tal zu fliegen. Zeitgleich wurden Bergretter vom Hubschrauber aus auf der unteren Gondel abgesetzt. Im Anschluss konnten die 30 Insassen dieser Gondel über ein Seil aus einer Höhe von rund 70 m auf den Boden abgeseilt werden. Bei dieser ersten Rettungsaktion waren 4 Hubschrauber der Bayerischen Polizei, 2 Rettungshubschrauber Christoph, 1 Hubschrauber der Bundespolizei sowie 1 SAR der Bundeswehr eingebunden.

Ein noch in den späten Nachmittagsstunden unternommener Versuch mittels Abseilen aus dem Hubschrauber zu den Personen in der oberen Gondel, die sich rund 100 m über den Grund befand, zu gelangen, musste aufgrund der Windverhältnisse an dieser Stelle erfolglos abgebrochen werden. Zudem wurde erneut geprüft ob die Gondeln wieder in Betrieb genommen werden könnten, was sich als undurchführbar herausstellte.

Da sich die Witterungsverhältnisse bis zum Einbruch der Dunkelheit nicht so weit verbesserten, dass eine Luftrettung möglich wurde, wurde begonnen die 20 Personen in der Gondel im Alter von 4 bis 75 Jahre für die Nacht zu versorgen. Mittels eines Bergretters der mit Hilfe eines Seilfahrgerätes zu der Gondel gelangte, wurden Lebensmittel, Decken und Spielsachen für die Kinder in die Gondel gebracht. Zu den Festsitzenden bestand Funkkontakt. Ein Notarzt verbrachte die ganze Nacht auf dem Stützpfeiler der Bahn, um im Falle einer medizinischen Notlage möglichst schnell zu der Gondel zu gelangen. Trotz der unangenehmen Lage war die Situation in der Gondel insbesondere auch aufgrund des besonnenen Verhalten des Gondelführers entspannt.

Während der Nacht wurde begonnen zwei unterschiedliche Rettungsvarianten vorzubereiten: Zum einen das Abseilen aus der Gondel, das aufgrund des sehr steilen felsigen Geländes unterhalb der Gondel sich sehr komplex gestaltet hätte, zum anderen eine Luftrettung mittels Hubschrauber, die nur bei günstigen Witterungsverhältnissen möglich ist.

Während dieser Vorbereitungsphase gelangten zwei weiter Bergretter über das Seilfahrgerät zu der Gondel. Kurz vor 06 Uhr gelangte ein Dritter durch eine Abseilaktion vom Hubschrauber aus auf das Gondeldach. Aufgrund der Witterungslage wurde entschlossen die Passagiere durch eine Luftrettung aus ihrer misslichen Lage zu retten. Um 06 Uhr flog der erste Polizeihubschrauber „Edelweiß 7“ die Gondel an. Mit dem ersten Flug konnten über eine Windenrettung zwei Männer geborgen werden, mit dem zweiten Flug des Polizeihuschraubers „Edelweiß 1“ vier Kinder. Durch diese enge Zusammenarbeit der Luftretter der Bergwacht und der Besatzungen der Polizeihubschrauber konnten in einem Zeitraum von zwei Stunden durch die abwechselnden Flüge der beiden Hubschrauber, die nur durch eine Tankpause unterbrochen waren alle Personen geborgen und sicher ins Tal gebracht werden. Sämtliche Gondelinsassen hatten die Nacht unverletzt überstanden und wurden unter anderem durch Kriseninterventionsteams des BRK und der Bergwacht im Nachgang betreut.

Bei dieser Bergungsaktion waren folgende Kräfte teilweise ab Beginn im Einsatz: 85 Angehörige der Bergwacht, 2 Notärzte, 68 Kräfte des BRK, 16 Angehörige des THW, 47 Feuerwehrleute sowie 34 Einsatzkräfte der Polizei, darunter 5 Mitglieder der Alpinen Einsatzgruppe. Zusätzlich zu den beiden Polizeihubschraubern leistete ein Hubschrauber der Bundespolizei Unterstützung bei dem Ausfliegen von Einsatzkräften und Technikern die sich noch auf der Bergstation bzw. auf dem Stützpfeiler befanden.

Die Insassen der Gondel stammten aus folgenden Regionen: 3 x Landkreis Schwäbisch-Hall, 3 x Lkr. Biberach, 1 x Neckar-Odenwald-Kreis, 3 x Lkr. Recklinghausen, 3 x Lkr. Paderborn, 3 x Lkr. Augsburg, 1 x Lkr. Günzburg, 2 x Lkr. Ostallgäu, 1 x Lkr. Landsberg am Lech,

Seitens der Polizeiinspektion Füssen wird wegen einem Gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr sowie wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt. Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht bekannt wann die Bergbahn wieder ihren Betrieb aufnehmen kann, da neben der Bergung des Gleitschirms, dem Entwirren der Seile aufgrund des Vorfall auch eine technische Inspektion erforderlich sein wird.

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