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Der Forggensee bei Füssen im Ostallgäu
(Bildquelle: Pixabay: flyupmike)
 
Ostallgäu - Lengenwang
Montag, 22. Juni 2020
Ein Bericht von Christian Veit

Der Tourismus im Allgäu kann aus der Coronakrise lernen

Um in Grenznähe den Gästen ein möglichst umfangreiches Erlebnispaket zu bieten, wurde die Königscard ins Leben gerufen. Wandern, Schifffahrten und Unterkünfte, alles was das Herz begehrt. Durch die Coronakrise wurde die Tourismusbranche hart getroffen. Da nun nach und nach die Beschränkungen immer weiter gelockert werden, sprach Radio AllgäuHIT einmal mit dem Geschäftsführer der Königscard Gästekarten GmbH Matthias Adam über die aktuelle Situation.

Radio AllgäuHIT: Wie sind Ihre Eindrücke nach dem Tourismus-Restart im touristischen Angebot?
Matthias Adam:
Also es ging ja letztendlich dann doch von 0 auf 100 wieder los, nachdem seitens der Staatsregierung der 30. Mai ausgerufen wurde. Wir alle waren gespannt, natürlich, nach den zwei Monaten der Ruhe wie es angenommen wird und wie es ankommt. Aber ich denke, man kann jetzt, nach mehreren Wochen ein grundsätzlich positives Fazit ziehen. Es ist also grundsätzlich festzuhalten, das kann ich jetzt für unsere Region (Ostallgäu, Oberbayern, Tirol), die wir betreuen, sagen, dass wir in dieser Zeit keine einzige Insolvenz zu vermelden haben.

Radio AllgäuHIT: Wo gibt es besondere Schwierigkeiten?
Matthias Adam:
Das Problem ist ein bisschen, aufgrund der noch weiter bestehenden Kontaktbeschränkungen, Abstandsregelungen und Hygienevorschriften, kann möglicherweise nicht jeder Kunde befriedigt werden. Aber grundsätzlich muss man sagen: Super vernünftige Gäste, die akzeptieren das, halten sich an die Regeln. Man hat das Gefühl, jeder ist einfach nur froh, dass man wieder rauskommt und das Ganze gepaart mit, wie wir auch feststellen konnten, super Konzepten der einzelnen Anbieter. Ob das jetzt Bergbahnen, Klettergärten oder sonstiges waren. Man merkt, die haben sich sehr viel Mühe gegeben und haben das sehr ernst genommen und umgesetzt. Man hat also nicht einfach nur ein Schild aufgestellt, nach dem Motto "Abstand halten", sondern jeder hat sich reingehängt und man merkt, jeder war heiß drauf, wieder zu öffnen.

Radio AllgäuHIT: Kommen wir zu den verschiedenen Bereichen. Beginnend mit dem Liftverbund "Vitales Land", wie sieht es da aus?
Matthias Adam:
Dort tritt dann auch der klassische Fall auf. Jetzt haben die Leute, oder die Kunden, die sich eine Karte gekauft haben in den Monaten April und Mai die Karte nicht nutzen können. Dementsprechend ist klar, dass man das im besten Fall irgendwie kompensieren sollte und gerade das war auch kein einfacher Prozess. Also haben wir uns da jetzt etwas überlegt, weil wir wissen, wir haben über 95% Stammkunden, die ihre Karte auch verlängern werden. Sobald die Gäste dann ihre Karte verlängern, erhalten sie halt den doppelten Rabatt von uns. Das ist eine Ersparnis von rund 100 Euro. Auch das war für uns kein einfacher Prozess, aber letztendlich haben wir das jetzt geschafft und so da ganz froh drum.

Radio AllgäuHIT: Was macht die Schifffahrt derzeit?
Matthias Adam:
Es ist so, sie kommen dort jetzt hin und die Kapazitäten der Schiffe sind um bis zu 60% reduziert. Die Schiffe machen derzeit auch wegen der Infektionsgefahr keinen Halt. Es gab früher vier Haltestellen am Forggensee, die sie nacheinander abgefahren sind. Das ist sozusagen eine Rund-Tour. Sie steigen also an der Anlegestelle in Füssen ein und kommen dann auch wieder an der Haltestelle in Füssen an ohne zwischendurch anzuhalten. Vor Corona wurde das gerne auch stationsweise, also als "Hopping" genutzt, aber das ist jetzt alles nicht mehr möglich. Das sind dann schon Einschränkungen, die dem Betreiber letztendlich schon Probleme bereiten, um wirtschaftlich zu arbeiten.

Radio AllgäuHIT: Auch bei den Unterkünften gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wie lief der Restart bei den Ferienwohnungen?
Matthias Adam:
Die Ferienwohnungen haben seit dem Restart relativ gut wieder begonnen. Also fast problemlos. Ist aber irgendwie auch nachvollziehbar, weil im Endeffekt ist eine Ferienwohnung nichts anderes als meine Wohnung zu Hause, weil hygienemäßig bewege ich mich nur mit meinem Hausstand bzw. mit meinem Lebenspartner. Deswegen lief es dort, sagen wir mal bei den Vermietungen, hervorragend. Auch an Pfingsten haben wir in diesem Bereich hervorragende Buchungszahlen gehabt.

Radio AllgäuHIT: Und bei den Hotels?
Matthias Adam:
Bei den Hotels sieht es leider anders aus. Also zum einen sind in den zahlreichen Zimmern viele und unterschiedliche Hausstände unterwegs. Sie haben mehr öffentliche Räume. Ganz schwierig wird es in der Kombination mit Gastronomie und/oder einem Wellnessangebot. In der Gastronomie gelten ja die Abstandsregeln und dann haben sie aber gleichzeitig mehr Gäste im Haus, als in ihrem Frühstücksraum bzw. in ihrem Restaurant Platz haben. Sie müssen dann eventuell in Schichten arbeiten und brauchen dementsprechend mehr Personal. Dabei haben sie aber nicht den gleichen Gastronomieumsatz. Aber ist ja jetzt, Gott sei Dank, langsam so weit, dass durch das Thema Wellness und die zusätzlich erlaubten Personen in der Gastronomie ein Licht am Ende des Tunnels kommt.

Radio AllgäuHIT: Was bringen die geplanten Maßnahmen der Bundesregierung, wie zum Beispiel die Mehrwertsteuersenkung?
Matthias Adam:
Meiner Meinung nach wird der Gast davon nichts bemerken und er wird auch nicht davon profitieren. Ich sehe es eher als Ausfallkompensation für die Unternehmen. Was jetzt aber nicht unbedingt falsch ist, weil nicht jeder hat eine Nothilfe bekommen. Das hat eher etwas schleppend funktioniert. Manche haben es sogar gar nicht bekommen, obwohl man denkt: "Die hätten das bekommen müssen." Deswegen glaube ich, dass der Gast davon nichts sehen wird. Für die Unternehmen wird es, hoffe ich, wenn der buchhalterische Aufwand nicht zu hoch ist, etwas bringen. Was ich denke, was auf jeden Fall Sinn ergibt, ist die Steuersenkung auf Speisen und Getränke in der Gastronomie. Also von 19 auf 7 Prozent. Das merken sie. Da hat ganz klar der Betrieb was davon und das finde ich auch richtig.

Radio AllgäuHIT: Kann der Tourismus etwas aus der Krise lernen?
Matthias Adam:
Das wäre schön. Wenn wir ehrlich sind, hat uns diese dreimonatige Coronakrise alle Problemstellungen, die uns im Endeffekt alle schon ganz lange begleiten, noch einmal geballt vor Augen gehalten. Ich denke jetzt, solange diese Coronakrise noch harte Wahrheit ist, ist die Motivation deutlich höher etwas zu tun. Diese Chance darf man jetzt nicht vertun! Wenn dann alles mal vielleicht wieder einem normalen Flow ist, dann hat der Bürger wesentlich weniger Verständnis für bisschen rigorosere Maßnahmen. Die große Frage bleibt: Wer fühlt sich für den Tagestouristen zuständig? Und wer schafft die notwendige Infrastruktur für den Tagestouristen? Da glaube ich, das geht nur gemeinschaftlich und in Sachen Gemeinschaft haben wir in den vergangenen Monaten doch einiges gelernt, oder?


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Coronavirus Tourismus Allgäu Interview


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