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Thomas Silberhorn und Stephan Stracke
(Bildquelle: Pressestelle Kaufbeuren)
 
Ostallgäu - Kaufbeuren
Freitag, 5. Februar 2021

Luftfahrttechnisches Zentrum bleibt in Kaufbeuren

Die luftfahrzeugtechnische Ausbildung am Eurofighter bleibt dauerhaft in Kaufbeuren stationiert. Dies hat die Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer jetzt entschieden. Die Stationierungsentscheidung umfasst rund 262 Dienstposten. Damit wird Kaufbeuren zugleich der 271. Standort der Bundeswehr in Deutschland. Neben der Ausbildungsgruppe V des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe bleiben zur Sicherstellung des Liegenschaftsbetriebs und des abwehrenden Brandschutzes sowohl das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Kaufbeuren als auch die Bundeswehr-Feuerwehr erhalten. Diese guten Nachrichten überbrachte nun der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesverteidigungsministerin Thomas Silberhorn persönlich dem Allgäuer Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke (beide CSU).



"Dies ist ein riesiger Erfolg für Kaufbeuren", erklärt Stracke. "Die Luftwaffe bleibt am Traditionsstandort in Kaufbeuren. Die Schließung des Bundeswehrstandorts ist damit endgültig vom Tisch. Auf diesen Beschluss habe ich seit Jahren intensiv und hartnäckig hingearbeitet. Nun ist es soweit. Die Entscheidung der Bundesverteidigungsministerin ist großartig für unsere Stadt, für die Soldatinnen und Soldaten und für die Beschäftigten am Fliegerhorst. Das schafft Planungssicherheit und erhält zugleich die qualitativ hochwertigen Arbeitsplätze im Bereich der Luftwaffe und bei den Zivilbeschäftigten. Jetzt können auch die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen wie beispielsweise attraktive Unterkünfte konsequent vorangetrieben werden. Der Fliegerhorst hat mit dem Technischen Ausbildungszentrum der Luftwaffe und perspektivisch mit dem Sanitätsregiment und der Feldjägerkompanie drei stabile Standbeine", freut sich der Abgeordnete. "Zum positiven Gesamtbild kommt noch hinzu, dass seit 2017 das militärische Flugsicherungspersonal durch die Deutsche Flugsicherung in einer eigenen Akademie in Kaufbeuren ausgebildet wird."

Der Weg bis dahin war langwierig und beschwerlich und kommt einer fast unglaublichen Aufholjagd gleich. "2011 wurde die Standortschließung beschlossen", erinnert Stracke an das damalige Aus für Kaufbeuren und die beabsichtigte Verlagerung an den Standort Untermeitingen. "Das war eine bittere Nachricht. Seit diesem Tag kämpfe ich als Bundestagsabgeordneter für den Erhalt des Standortes. Mit Erfolg", berichtet Stracke im Rückblick. "Mir ist es gelungen, den Standort vor dem Aus zu bewahren und gleichzeitig gut gerüstet für die Zukunft aufzustellen." Generalinspekteur Eberhard Zorn verkündete am 12. Juli 2019 bei seinem Besuch in der Wertachstadt, dass der Standort nicht aufgelöst, sondern vielmehr dauerhaft gebraucht werde: Ein neues Sanitätsregiment mit bis zu 1.100 Soldatinnen und Soldaten und eine Feldjägerkompanie mit 100 Aktiven sollen in Kaufbeuren stationiert werden. "Die Entscheidung im letzten Jahr war der Wendepunkt im Kampf um den Erhalt des Standorts Kaufbeuren und veränderte zugleich auch grundlegend die Ausgangslage für die Stationierung der Ausbildung am Eurofighter", erklärt Stracke.

"Das Ringen um die Ausbildung am Eurofighter in Kaufbeuren war eine Achterbahnfahrt", verdeutlicht er. Denn Ende des Jahres 2018 hatte die Luftwaffe entschieden, die Ausbildung am Eurofighter an einen Fliegenden Verband und damit weg von Kaufbeuren zu verlegen. Alles schien verloren. Denn geprüft wurde nur noch, welcher Verband dafür am besten geeignet wäre. Im Gespräch war dabei vor allem Nörvenich in Nordrhein-Westfalen. Mit dem im Juli 2019 angekündigten Erhalt des Bundeswehrstandorts eröffnete sich die Chance, Kaufbeuren zurück ins Spiel zu bringen. Stracke gelang es, dass neben einer Verlegung nun auch Kaufbeuren als mögliche Option in die Untersuchung der Luftwaffe miteinbezogen wurde. Nach intensiver Prüfung revidierte die Luftwaffenführung ihre Verlagerungsabsicht nach Nörvenich und sprach sich Anfang letzten Jahres stattdessen für den Erhalt der Eurofighter-Ausbildung in Kaufbeuren aus. Das Bundesverteidigungsministerium sah allerdings weiteren Klärungsbedarf und verlangte einen eingehenden Wirtschaftlichkeitsvergleich der Optionen. Diesen lieferte die Luftwaffe dem Ministerium Ende November 2020. Darin zeigte sie auf, dass Kaufbeuren die kostengünstigere und zugleich risikoärmere Alternative ist, da die Ausbildung am Waffensystem Eurofighter im Vergleich zu einer Verlegung unterbrechungsfrei gewährleistet wird. Jetzt fiel die endgültige Entscheidung der Bundesverteidigungsministerin zugunsten von Kaufbeuren aus.

Mit dem Verbleib der Ausbildungsgruppe V des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe - wie die luftfahrzeugtechnische Eurofighterausbildung heißt - bleibt Kaufbeuren jetzt auch offiziell als Standort der Bundeswehr erhalten. Damit erhöht sich die künftige Anzahl der Standorte von derzeit geplant 270 auf nun 271.

Insgesamt rund 262 Dienstposten und rund 100 Lehrgangsteilnehmende macht die Stationierungsentscheidung aus. Die Ausbildungsgruppe V umfasst rund 40 Dienstposten, hinzu kommen rund 40 Dienstposten zur Ausbildungsunterstützung, weitere rund 131 Dienstposten des Bundeswehrdienstleitungszentrums Kaufbeuren für den Liegenschaftsbetrieb und rund 51 Dienstposten der Bundeswehrfeuerwehr Kaufbeuren für den abwehrenden Brandschutz

Stracke hatte den mehrjährigen Prozess ständig politisch begleitet und stimmte sich laufend mit den Entscheidungsträgern in der Luftwaffe und im Bundesverteidigungsministerium sowie mit den politischen Ebenen in Bund und Land ab. "Ich stand in der entscheidenden Phase der letzten Wochen vor allem mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Thomas Silberhorn und Staatssekretär Gerd Hoofe in Kontakt und habe alle Kräfte gebündelt", erklärt Stracke. "Der beharrliche Einsatz hat sich am Ende ausgezahlt", freut sich der Abgeordnete. Und noch etwas ist Stracke besonders wichtig zu betonen: "Das politische Zusammenspiel hat hervorragend funktioniert. Die Mannschaftsleistung in Bund und Land war einfach perfekt". In diesem Zusammenhang dankt Stracke besonders dem Parlamentarischen Staatssekretär Thomas Silberhorn und dem verteidigungspolitischen Sprecher der CSU im Bundestag und Kollegen Dr. Reinhard Brandl für deren großartige Unterstützung. "Der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder und der Chef der Staatskanzlei Staatsminister Dr. Florian Herrmann haben persönlich das Gewicht Bayerns eingebracht und deutlich gemacht, dass sich die Staatsregierung für einen Erhalt der Ausbildung in Kaufbeuren ausspricht. Das war eine große Hilfe", unterstreicht Stracke. Auch Oberbürgermeister Stefan Bosse und Strackes Landtagskollege Franz-Josef Pschierer haben sich unermüdlich für den Standort eingesetzt. "Dieser Zusammenhalt für Kaufbeuren und den Standort war erstklassig", betont der Abgeordnete.

Mit der ministeriellen Entscheidung über die luftfahrzeugtechnische Ausbildung am Eurofighter ist noch keine Entscheidung zur Organisation und künftigen Stationierung der luftfahrzeugtechnischen Grundlagenausbildung verbunden. Die Untersuchungen der Luftwaffe laufen dazu derzeit noch. "Wichtig ist, dass Kaufbeuren auch hier als möglicher Standort mitbetrachtet wird. Ich rechne damit, dass das Ergebnis der Untersuchung im ersten Quartal 2021 feststeht und dann dem Bundesverteidigungsministerium zur Entscheidung vorgelegt wird", führt Stracke aus. Ziel der Prüfung ist es, die Entscheidung darüber vorzubereiten, ob zukünftig die Grundlagenausbildung rein militärisch, zivil oder in einer militärisch-zivilen Kooperation erfolgt. Dabei ist auch zu klären, an welchem Ort die Ausbildung stattfindet. "Die jetzt erfolgte Verankerung der Eurofighterausbildung in Kaufbeuren ist eine gute Grundlage für die noch anstehende Entscheidung zur Grundlagenausbildung. Ich sehe hier klare Vorteile für Kaufbeuren, zumal wir bislang sehr gute Erfahrungen mit Kooperationslösungen gemacht haben", betont der Abgeordnete mit Blick auf die militärische Flugsicherungsausbildung durch die Deutsche Flugsicherung.

Die Detailuntersuchungen zur konkreten Mitbenutzung des Fliegerhorsts durch den Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr und die Streitkräftebasis laufen und nehmen noch einige Zeit in Anspruch. Im Zuge der eingeleiteten Trendwenden in der Bundeswehr planen bekanntlich das Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr in Kaufbeuren die Aufstellung eines Sanitätsregiments sowie die Streitkräftebasis die Aufstellung einer Feldjägerkompanie. Dies hatte Generalinspekteur Zorn bei seinem Besuch in Kaufbeuren am 12. Juli 2019 auch so verkündet. Mit dem notwendigen Infrastruktur- und Personalaufbau soll abhängig von der Haushalts- und Personallage in diesem Jahrzehnt begonnen werden. Bei den noch ausstehenden Entscheidungen zu diesen beiden Organisationselementen sind die Grundprinzipien der Funktionalität, Kosten, Attraktivität und Präsenz in der Fläche zu beachten.

Die Ausbildung am Waffensystem Tornado erfolgt in Kaufbeuren derzeit bis 2028. Der Tornado soll spätestens 2030 aus der Nutzung genommen werden. Über die konkrete Nachfolge des Tornados wird erst nach der nächsten Bundestagswahl entschieden. Im Gespräch ist dabei ein Anschaffungsmix aus Eurofightern und der amerikanischen F-18. Beabsichtigt ist, 45 Flugzeuge des Typs F-18 und bis zu 93 Eurofighter neu anzuschaffen. "Mit der in der Diskussion befindlichen Nachfolgelösung für den Tornado eröffnen sich auch hervorragende Perspektiven für Kaufbeuren. Der Eurofighter wird das Rückgrat der Luftwaffe bilden. Der Fliegerhorst ist jetzt für die luftfahrzeugtechnische Ausbildung am Eurofighter gesetzt. Das ist eine exzellente Ausgangslage für die Zukunft", bekräftigt Stracke abschließend.


Tags:
allgäu eurofighter bundeswehr luftwaffe


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