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Der Voith-Standort in Sonthofen (Archiv)
(Bildquelle: AllgäuHIT | Christoph Fiebig)
 
Oberallgäu - Sonthofen
Freitag, 7. Februar 2020

Unverständnis und Wut bei Voith in Sonthofen

Anfang Oktober letzten Jahres bekamen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Voith Turbo BHS-Standortes Sonthofen – völlig unvorbereitet – die schockierende Nachricht, dass das Werk bis Ende September 2020 geschlossen werden soll. Unverständnis über die Pläne und Wut auf die Konzernleitung waren und sind die Emotionen, die seither nicht nur die Voith-Angestellten beherrschen; aus der Bevölkerung und auch von Seiten der Stadt Sonthofen erfahren sie große Solidarität. Wut über die Art der Kommunikation seitens der Geschäftsführung – der Betriebsrat wurde an diesem Tag Anfang Oktober auch nur kurz informiert, Gespräche mit der Konzernleitung selbst gab es lange Zeit gar nicht. Unverständnis über die Entscheidung zur Schließung - der Standort in Sonthofen arbeitet seit Jahren überaus gewinnbringend, es wurden sämtliche Produktionsvorgaben erfüllt, das technische Know-How, die Erfahrung der Mitarbeiter in Sonthofen wird man sonst kaum  finden. Mehr als 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in Sonthofen von der Schließung betroffen, und mit ihnen ihre Familien.

Mit einer kurzzeitigen Arbeitsniederlegung und einer lautstarken Kundgebung vor dem Hauptsitz des Unternehmens in Heidenheim, bei der zahlreiche Sonthoferinnen und Sonthofer mit dabei waren und auch Bürgermeister Christian Wilhelm sich in einer Ansprache an die Konzernleitung wandte, versuchten sich die Voith-Angestellten gegen die Pläne zu wehren. Ohne Erfolg – kürzlich gab es sogar Gerüchte, dass die Konzernleitung mit frühzeitigem Abbau der Maschinen und Entlassungen droht, sollten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Sonthofen streiken.

Neujahrsgruß sorgt für weiteren Ärger
Ende Januar wandte sich Geschäftsführer Toralf Haag mit einem Neujahrsgruß im Voith-Intranet an alle Angestellten. Haag hob ein „erfolgreiches Jahr 2019“ hervor, in dem viel erreicht worden sei. Der Konzern habe seine Finanzkennzahlen verbessert und wolle seine Gewinne im Jahr 2020 weiter ausbauen. Der CEO sprach „fünf strategische Fokusthemen“ an, die Voith Turbo in diesem Jahr verfolgen will: Höhere Arbeitssicherheit, bessere Produktionsqualität, mehr profitables Wachstum, mehr Wachstum in neuen Geschäftsfeldern, höherer Cash-Flow. Weiter sprach Haag über neu definierte Voith-Werte, eine neue „Voith-DNA: Nachhaltige Technologie für zukünftige Generationen“, welche durch die Gesellschafter-Familie, den Aufsichtsrat und die Konzernleitung formuliert wurden: innovativ, zuverlässig, fair, nachhaltig, anspruchsvoll.

Mitarbeiter: "Voith-Werte sind ein Schlag ins Gesicht"
Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Sonthofen sind diese „Voith-Werte“ ein Schlag ins Gesicht. Mitarbeiter aus Sonthofen, die unerkannt bleiben möchten, sagten gegenüber Radio AllgäuHIT, dass gerade der Standort Sonthofen mit seiner jahrhundertelangen Tradition stets innovativ sein musste, sonst hätte er nicht so lange überlebt. Weiter hoben die Mitarbeiter die Zuverlässigkeit der Sonthofer Belegschaft hervor, die, trotz der drohenden Schließung und trotz der vielen Feiertage, im Dezember mehr als 10 Millionen Euro Umsatz gemacht habe – die Kunden vertrauten dem Sonthofer Werk nach wie vor. Beim Thema Fairness können sie nur lachen. „Seit Anfang Oktober, als die Belegschaft in Sonthofen diesen Schließungsbeschluss vor die Füße geworfen bekommen hat, wurden sie in der Schwebe und mit Ängsten zurückgelassen.“ Die Geschäftsführung habe keinen Plan oder Konzept, um den Mitarbeitern und ihren Familien die Unsicherheit zu nehmen. Nachhaltig sei eine Standortverlagerung in seinen Augen ganz und gar nicht: beim Abbau und Transport der schweren Maschinen würden Unmengen an Geld und Energie verbraucht.

Voith Turbo:  "Wir werden unserer Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber gerecht"
„Das übergeordnete Ziel unserer aktuellen Planungen ist es, die erheblichen Strukturkosten unseres Produktionsnetzwerks in Deutschland zu reduzieren, um den Produktionsstandort Deutschland und die damit verbundenen Arbeitsplätze langfristig zu sichern“ sagte Susanne Speiser (Director Market Communication CoC EMEA)
 in einem Interview mit Radio AllgäuHIT. In „enger Abstimmung mit dem Betriebsrat“ plane die Konzernleitung, allen Mitarbeitern an den von Schließungen betroffenen Standorten einen Arbeitsplatzwechsel innerhalb von Voith-Turbo zu ermöglichen. „Wir wissen um unsere Verantwortung für unsere engagierten Mitarbeiter in Sonthofen – dieser Verantwortung werden wir auch im Rahmen der geplanten Veränderungen nachkommen“, hieß es weiter. Zudem wolle der Konzern „den Mitarbeitern, die bisher in indirekten Funktionen in Sonthofen tätig sind, anbieten, ihre Arbeit für Voith Turbo zukünftig an einem neuen Standort in der Region fortzuführen.

"Wirtschaftliche Gesamtsituation nicht allein ausschlaggebend"
Mit Blick auf die hohen Umsatzsummen des Sonthofer Werkes angesprochen sagte Speiser, dass Voith Turbo die Produktion in Zukunft auf weniger, aber dafür schlagkräftigere Standorte konzentrieren wolle. Dadurch sollen Strukturkosten reduziert werden. Demnach sei die wirtschaftliche Gesamtsituation in Sonthofen nicht allein ausschlaggebend für die Entscheidung, das Produktionsnetzwerk von Voith Turbo neu aufzustellen und die Produktion in Sonthofen aufzugeben. Durch kürzere Lieferwege zwischen den künftigen Produktionsstandorten solle das Produktionsnetzwerk effizienter und nachhaltiger werden.

Speiser: "Know-How geht durch Verlagerung nicht verloren"
Laut Susanne Speiser werde auch das technische Know-How durch eine Standortverlagerung nicht verloren gehen, da Voith Turbo „auf die hohe Kompetenz und das technische Know-How unserer Mitarbeiter an allen unseren Produktionsstandorten“ vertraue. Die Produkte, die in Sonthofen produziert werden, würden Speiser zufolge seit Jahren auch an anderen Standorten gefertigt, dadurch gehe nichts von der Qualität der Produkte verloren. Angesprochen auf ein angeblich qualitativ schlechtes Getriebe, das an einem anderen Standort gefertigt, an Siemens ausgeliefert worden und von einem Mitarbeiter aus Sonthofen schließlich nachgebessert worden sei, antwortete die Sprecherin ausweichend.

"Sonthofen-Produkte sollen zentraler Voith-Bestandteil bleiben"
Weiterhin betonte sie, dass das Werk in Sonthofen nicht verkauft werden solle, da die Produkte, die in Sonthofen gefertigt werden, „ein zentraler Bestandteil des Voith Turbo Produktportfolios“ seien und dies auch bleiben sollen.


Tags:
voith wut wirtschaft allgäu


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