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Nach der Rauchbombe: Opfer Tanja Kriegelsteins Leben ist zerstört
19.04.2013 - 08:24
Die Mannschaft anfeuern, nach vorne peitschen und mit Gesängen unterstützen - das reichte einigen wenigen Fans bei einem Eishockeyspiel zwischen Schweinfurt und Sonthofen vor etwas mehr als einem Jahr nicht aus. Sie zündeten Rauchbomben und zerstörten so das Leben der 35-jährigen gelernten Justizvollzugsbeamtin Tanja Kriegelstein.
Schweinfurt lag in Führung, es waren nur noch wenige Sekunden zu spielen und die Niederlage aus Sicht des ERC Sonthofen war schon mehr oder weniger besiegelt. Zu viel für den einen oder anderen Anhänger der oberallgäuer Mannschaft. Dichter schwarzer Rauch steigt plötzlich auf. Ordnerin Tanja Kriegelstein hilft anfangs Kindern und schließlich immer mehr Menschen über die Bande um vor dem giftigen Qualm zu fliehen. Doch die Sicherheitskräfte können nicht einfach gehen, sie helfen und sind den gezündeten Rauchbomben schutzlos ausgeliefert. Vier von ihnen müssen anschließend mit Rauchgasvergiftungen im Krankenhaus behandelt werden. Am schlimmsten getroffen hat es Tanja Kriegelstein. Ihre Bronchien wurden verätzt, ihre Lungenfunktion liegt bei nur noch rund 40 Prozent und das auch nur mit Medikamenten, ohne bei etwa 30 Prozent. Damit fällt selbst Treppensteigen enorm schwer. "Es gab sofort eine Reizung meiner Atemwegen. Anfangs dachte ich noch, dass das nicht so schlimm sei. Ich musste Husten, aber ich bin davon ausgegangen, dass das nach ein paar Minuten wieder weg ist. Auf dem Weg nach Hause hat sich mein Gesundheitszustand immer mehr verschlechtert." Ihr Mann hat sie unmittelbar nach dem Eintreffen ins Krankenhaus gebracht. Dort dann die schreckliche Diagnose.

Ihr Leben hat sich seitdem komplett verändert. Ihren Beruf kann sie nicht mehr ausüben, jede sportliche Aktivität ist undenkbar, bei Anstrengungen wie Treppensteigen bekommt die 35-jährige Mutter Atemnot und Hustenattacken. Nicht einmal ein Spaziergang ist mehr möglich. Sie selbst sagt über das Eishockeyspiel im vergangenen Jahr bei Radio AllgäuHIT: "Ganz kurz: Dieser Tag hat mein Leben vernichtet. Sowohl meine sämtlichen Zukunftspläne als auch alles was ich privat oder beruflich noch vor Ort hatte." Eine Zukunftsperspektive sieht sie aktuell nicht mehr.

Tanja Kriegelstein hofft jetzt auf eine Verurteilung. Ein Schuldiger muss doch für das Zünden der Rauchbombe verantwortlich sein und dann dafür auch zur Rechenschaft gezogen werden. Am nächsten Donnerstag wollen die Richter am Amtsgericht Sonthofen ein Urteil fällen. Angeklagt ist ein 21-jähriger Fan des ERC Sonthofen. Nach dem bisherigen Prozessverlauf sieht es ganz so aus als ob er nichts mit der Zündung der Rauchbomben zu tun hat. Ob der wahre Täter jemals ermittelt werden kann, ist mehr als fraglich. Die Schmerzen und die enormen Schäden an ihrer Lunge wird niemand wieder gut machen können, aber wenigstens um dieses kleine Stück Gerechtigkeit geht es der 35-jährigen, auch wenn sie bereits keine große Hoffnung mehr hat, dass der Schuldige gefunden und verurteilt wird.

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