Moderator: Thomas Häuslinger
mit Thomas Häuslinger
 
 
Der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz
(Bildquelle: AllgäuHIT)
 
Oberallgäu - Sonthofen
Montag, 7. November 2016

Oberallgäu: Keine Integrationskurse trotz Nachfrage?

Landrat Anton Klotz wendet sich an Bundesminister Müller

Die Integration im Landkreis Oberallgäu stößt auf neue Probleme. Teilweise kommen in der Region keine Integrationskurse zustande, obwohl die Nachfrage groß ist. Der Grund dafür: unflexible und bürokratische Vorgehen vor Ort. In einem Brief hat sich deshalb der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz an den Kemptener Bundestagsabgeordneten und Minister für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit, Dr. Gerd Müller gewendet.

Zum einen soll die Integration schneller funktionieren, zum anderen machen bürokratische Hürden einen Strich durch die Rechnung. Besonders im ländlichen Raum leiden die anerkannten Flüchtlinge unter diesen Umständen. So kommen immer wieder Deutsch- und Integrationskurse nicht zustande, obwohl die Nachfrage da ist.

In seinem Brief erklärt der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz:

Spezialangebote wie Abendkurse werden oft nur in Kempten angeboten. Nach längerer Zeit wurde nun wieder ein Abendintegrationskurs in Sonthofen angeboten, an dem sich auch viele Flüchtlinge aus Oberstaufen anmeldeten. Da aber der nächstgelegene Kursort für Oberstaufen das 16 km entfernte Immenstadt ist, wurde den Flüchtlingen die Fahrkostenerstattung nach Sonthofen (25 km Entfernung) nicht genehmigt. Konsequenz war, dass der Kurs nicht zustande kam.

In der Theorie müssen die Flüchtlinge also nach Immenstadt, um dort Kurse zu besuchen. In der 14.000 Einwohner-Stadt wurden jedoch noch nie Abendkurse angeboten und auch andere Integrationskurse sind eher selten.

Gemäß Aussage des zuständigen Regionalkoordinators müssen Flüchtlinge trotzdem zuerst versuchen in den nächstgelegenen Kursort einen Integrationskurs zu besuchen und können erst nach drei Monaten in einen weiter entfernten Kursort ausweichen.

Klotz sieht damit wertvolle Zeit in der Integration verloren, obwohl die Nachfrage ja da ist. Außerdem führe diese Vorgehensweise zu einer Benachteiligung der ländlichen Regionen. Das kurzfristige Ziel Fahrkosten zu minimieren, stehe dabei im starken Gegensatz zu einem gesamtheitlichen wirtschaftlichen Denke.

Da die Personen so erst später Deutsch lernen, können sie auch erst später anfangen zu arbeiten. So führt die zusätzliche Wartefrist zu einem längeren Alg-II-Bezug der betreffenden Personen.

Auch das Ehrenamt leide unter solchen Vorgehensweisen. Der Landrat sieht vor allem die Frustration und Demotivierung bei den engagierten Helfern, sowie die Minderung der Integrationsbereitschaft der Flüchtlinge.

Abschließend fordert Anton Klotz deshalb, dass man praktikable Lösungen entwickelt, um pragmatisch und zielorientiert Integrationsarbeit vor Ort leisten zu können. Dabei bezog sich der Oberallgäuer Landrat auf die Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel im September: dass man „jederzeit auch bereit sein müsse[n], praktikable Lösungen zu entwickeln“. Auf diese Worte müssen jetzt Taten folgen.

 


Tags:
integration brief asyl allgäu



DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN:
Integrierte Migranten als Kulturdolmetscher - 193.000 Euro Förderung für innovatives Integrationsprojekt
Menschen, die nach Deutschland zuwandern, haben sprachliche und kulturelle Hürden zu überwinden. Viele Zugewanderte haben diese Herausforderungen bereits ...
Runder Tisch zum "Bewegungsbad" in Memmingen - Oberbürgermeister Schilder lädt zur Alternativenfindung ein
Auf Einladung des Oberbürgermeisters Manfred Schilder trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Memmingen, des Kliniksenats, des Stadtrats, des ...
Integrationsbeirat Kaufbeuren fördert erneut Projekte - Neue Projekte können jetzt eingereicht werden
Dem Integrationsbeirat der Stadt Kaufbeuren steht jährlich ein Budget von 20.000 Euro zur Förderung von Projekten zur Verfügung. „Bis 22. November ...
Höchstes Ehrenzeichen für Klaus Liepert - THW-Ortsbeauftragter erhält Orden in Memminger Rathaus
Es ist die höchste Auszeichnung, die das Technische Hilfswerk (THW) zu vergeben hat: Mit dem „Ehrenzeichen der Bundesanstalt THW in Gold“ wurde Klaus ...
Unterallgäu: 270.000 Euro an Zuschüssen ausgeschüttet - Sport-, Kultur- und Schulausschuss vergibt Zuschüsse
Der Landkreis fördert die Denkmalpflege, die Jugendarbeit und die Erwachsenbildung im Unterallgäu in diesem Jahr mit rund 270.000 Euro. Der Schul-, Kultur- und ...
Offener Brief an Scheideggs Bürgermeister Pfanner - BUND Naturschutz mit Vorschlag zum Feriendorf
Der Bund Naturschutz hat sich in einem offenen Brief an den Bürgermeister Ulrich Pfanner gewendet. Thema des Briefes ist die Fläche des ehemaligen Feriendorfes ...
© 2019 AllgäuHIT - Baumann & Häuslinger GbR • Richard-Wagner-Str. 14 • 87525 Sonthofen - Tel: 08321-676 1360
Die Nutzung der Nachrichten von AllgäuHIT, auch in Auszügen, ist ausschließlich für den privaten Bereich freigegeben.
Eine Nutzung für den gewerblichen Bereich erfordert eine schriftliche Genehmigung der Baumann & Häuslinger GbR
MEINE REGIONALNACHRICHTEN
Meine Allgäu-Region wählen ...
 
Kleinwalsertal Kempten Oberallgäu Kaufbeuren Ostallgäu Memmingen Unterallgäu Bodensee
LIKE UNS BEI FACEBOOK
 
DIE LETZTEN 3 GESPIELTEN TITEL
 
Hozier
Almost (Sweet Music)
 
Carly Rae Jepsen
I Really Like You
 
Thorsteinn Einarsson
Galaxy
AKTUELLE BILDERGALERIEN
 
AllgäuHIT-Bildergalerie
Unfall auf B308 bei Oberstaufen
 
AllgäuHIT-Bildergalerie
Schwerer Unfall auf B308
 
AllgäuHIT-Bildergalerie
50 Jahre DJK Seifriedsberg
 
 
Radio einschalten Ihr Spot bei uns Glasklarer Empfang Datenschutz/Impressum