Moderator: Marcus Baumann
Sendung: Der AllgäuWECKER
mit Marcus Baumann
 
 
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(Bildquelle: AllgäuHIT)
 
Oberallgäu - Sonthofen
Freitag, 27. November 2020

Novemberumsatz in Sonthofen um 35% eingebrochen

Bekanntlich hat der innerstädtische Einzelhandel durch die Corona-Pandemie erhebliche Ertragseinbußen erlitten. Schon der Teil-Lockdown vom November versetzte der zumindest auf niedrigem Niveau spürbaren Erholung dieses wichtigen Wirtschaftszweigs einen jähen Rückschlag. Im Durchschnitt beklagt der Innenstadthandel in den ersten drei Novemberwochen einen Umsatzrückgang von 35 Prozent und einen Frequenzverlust von über 40 Prozent. Die Schließung von Gastronomie und Hotellerie, das Ausbleiben von Touristen und sonstigen Besuchern tragen hierzu wesentlich bei. Die November-Hilfe wurde trotz der massiven Auswirkungen des Teil-Lockdowns auf die Besucherzahlen in den Innenstädten nicht für den Einzel-handel geöffnet, die Überbrückungshilfe kann in der Regel nicht beansprucht werden. Der Einzelhandel in den Innenstädten und Ortszentren ist in allen Städten und Gemeinden gleich welcher Größenordnung in höchster Gefahr. Dies wirkt sich massiv auf die Entwicklung der Innenstädte aus. Die am 25.11.2020 von der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten beschlossene Verlängerung und Verschärfung des Lockdowns wird den Einzelhandel weiter stark belasten. Der stationäre Einzelhandel in unseren bayerischen Innenstädten ist daher in diesem Jahr mehr denn je auf das Weihnachtsgeschäft angewiesen - es ist überlebenswichtig. Mit großer Sorge erfüllt uns, dass laut Umfragen über zwei Drittel der Befragten die Weihnachtsgeschenke verstärkt oder ausschließlich im Internet bestellen wollen. Kurz gesagt, viele Unternehmen und damit ganze Innenstädte und Ortszentren, stehen vor dem Kollaps.


Daher wurde ein offener Brief verfasst und an die Minister versandt.

Der offene Brief an die Minister:


Sehr geehrter Herr Staatsminister Aiwanger und Herr Bundesminister Altmaier,
wir, die Sonthofer Einzelhändler, Dienstleister, Gastronomen und Hoteliers mit kleinen und kleinsten Unternehmen, wenden uns heute an Sie als unseren gewählten Vertreter und Ansprechpartner.
Bereits der erste Lockdown stellte viele von uns vor kaum bewältigbare Probleme. Wir mussten von heute auf morgen unsere Betriebe schließen, saßen auf Saisonware fest, die wir nicht verkaufen konnten, aber bezahlen mussten. Oder konnten aufgrund Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen keine Kunden sowie Gäste empfangen. Mieten und Steuern konnten zwar gestundet werden, müssen aber trotzdem bezahlt werden, nur eben später. Wir verzeichneten sowohl während des ersten Lockdowns, als auch in den Monaten danach, massive Umsatzverluste, die wir bis heute nicht aufholen konnten. Insbesondere im Textilbereich ist ein Umsatzminus von 30 bis 50 Prozent die Regel. Viele von uns brauchten bereits ihr gesamtes privates Kapital auf und mussten darüber hinaus privaten Immobilienbesitz oder ihre Alterssicherung als Sicherheiten für Kredite einbringen. Wir haben alles getan, um unsere Geschäfte am Leben zu erhalten und unseren Mitarbeitern die Arbeitsplätze zu sichern. Aber unsere Kraft und vor allem unsere Mittel sind erschöpft!


Der aktuelle Lockdown light bietet "vermeintlich" eine Chance für uns. Der Handel bleibt geöffnet! Aber wo bleiben unsere Kunden?


Durch die Schließung der Gastronomie und Kultureinrichtungen wird der Besuch der Innenstadt völlig uninteressant und die Verweildauer der wenigen Menschen, die sich noch in die Stadt verirren, wird auf Notwendiges beschränkt. Aktuell kämpfen wir mit Umsatzverlusten von bis zu 70%. Durch die verlängerten Maßnahmen bis kurz vor Weihnachten geht dem Einzelhandel das existenziell wichtige Vorweihnachtsgeschäft zu großen Teilen verloren. Bei einer Vielzahl der Betriebe machen die Adventswochen einen Anteil von 20 bis 30 Prozent des gesamten Jahresumsatzes (!) aus. Auch Gastronomie und Hotellerie werden trotz staatlicher Hilfen vor unüberwindlichen finanziellen Hürden stehen.


Die Aufforderung unserer Landes- und Staatsregierung, die Innenstadt zu meiden und selbst im Freien überall Masken  zu tragen, auch wenn Abstände eingehalten werden können, tat ein Übriges. Seitdem ging die Kundenfrequenz in unseren Betrieben extrem zurück. Das heißt, die Geschäfte öffnen, aber die Kunden bleiben aus. Dieses massive Schüren von Ängsten ist aus unserer Sicht unverhältnismäßig und bringt die Menschen nur dazu, verstärkt online zu konsumieren. 


Wir Einzelhändler, die Gastronomie, die Hotellerie und Kulturbranche investierten viel Geld in Hygienekonzepte bis hin zu Lüftungsanlagen. Wir haben bisher sämtliche Maßnahmen zu 100% mitgetragen und uns streng an alle Auflagen gehalten. Dadurch waren wir mittelständischen Händler und Unternehmer nachweisbar nie verantwortlich für die Verbreitung von Covi-19. Darbende Händler und sterbende Innenstädte sind zwar nicht erst seit der Coronakrise ein Thema. Doch auch wenn die Branche schon zuvor mit Digitalisierung und Frequenzschwund zu kämpfen hatte, erzeugen die aktuellen Entstehungen eine ungeahnte Dynamik des Niedergangs.


Die Lage ist mehr als kritisch, der Einzelhandel als Kernbranche vitaler Stadtzentren steht infolge der Krise in vielen Fällen vor der Insolvenz. Und das wahre Ausmaß wird erst Anfang des kommenden Jahres deutlich werden, wenn die staatlichen Hilfen und die Insolvenzantragspflicht auslaufen.


Fazit:
Saisonware kann nicht abgesetzt werden. Lieferanten, Vermieter, Steuerbehörden, Kreditgeber usw. wollen trotzdem bedient werden. Mitarbeiter, für die wir eine soziale Verantwortung übernommen haben, erwarten ihren Lohn. Und nicht zuletzt, auch wir als Unternehmer müssen von unseren Einnahmen leben können, haben laufende Kosten, wie Krankenversicherungen, Mieten, Familienmitglieder, die von uns abhängen.


Allerdings, wir haben ja geöffnet...daher können wir keine Unterstützung erwarten..!


Die Gastronomie bzw. alle per Verordnung geschlossenen Firmen erhalten zumindest 75% von ihrem Umsatzausfall im November. Der Einzelhandel leider nicht.


Wir können keinen weiteren Umsatzverlust mehr ausgleichen. Das Fehlen der Sommersaison macht einen zusätzlichen Verlust der Wintersaison unmöglich. Es sind keine Reserven mehr da, um eine weitere Saison auszugleichen. Ohne Unterstützung muss ein Großteil von uns schließen! Den volkswirtschaftlichen Schaden für Bayern und Deutschland brauchen wir ihnen an dieser Stelle nicht zu erläutern.

Daher unser dringender Appell an Sie als Wirtschaftsminister:
Wir benötigen Unterstützung z. B. in Form von Ausgleichszahlungen für den Umsatzausfall, ähnlich wie die Gastronomiebranche. Ebenso muss bei der außerordentlichen Wirtschaftshilfe für Mischbetriebe (z.B. Bäckereien mit angeschlossenem Café) eine weitaus praxisnähere Lösung (bisher 80% Umsatzausfall) gefunden werden wie bisher.


Wir brauchen endlich ein funktionierendes Konzept und eine Strategie für die Zukunft anstatt ständiger Schocktherapien. Wir müssen lernen mit dem Virus zu leben, er wird uns noch länger begleiten. Wir können uns nicht jahrelang in Angst und Schrecken verstecken, bis das nächste Virus auftaucht.
Sie wollen lebendige Städte, einen interessanten Mix aus Fachhändlern in kleinen und mittleren Unternehmensgrößen, Gastronomie und Kultur auch nach Corona?


Wenn wir Ihnen wichtig sind, dann unterstützen Sie uns bitte. Nicht durch Marktsonntage oder Einkaufsnächte, Blumenkübel oder Lasershows, sondern ganz konkret durch finanzielle Unterstützung, damit wir weiterexistieren können und unsere Innenstädte lebendige Orte der Begegnung bleiben.


Mit freundlichen Grüßen
Dr. Hans- Peter Keiß (1. Vorsitzender Wirtschaftsvereinigung ASS e.V.)
Andreas Maier (Wirtschaftsförderer der Stadt Sonthofen und Vorstandsmitglied der Wirtschaftsvereinigung ASS e.V.)


Tags:
Umsatz Einbruch Brief Allgäu


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