Moderator: Thomas Häuslinger
mit Thomas Häuslinger
 
 
Langlaufstar aus Sonthofen: Sebastian Eisenlauer
(Bildquelle: Matthias Schwarz)
 
Oberallgäu - Sonthofen
Freitag, 28. August 2015
Ein Bericht von Thomas Häuslinger

Langlauf-Ass aus Sonthofen will es wissen

Sebastian Eisenlauer: Saisonziel sind die Top-20

Langlauf-Profi Sebastian Eisenlauer aus Sonthofen will es wissen. Im November beginnt die neue Saison, schon seit Wochen bereitet sich der 26-jährige Oberallgäuer darauf vor. Getreu dem Motto: Ein guter Langläufer wird im Sommer gemacht, denn für die Basisarbeit ist im Winter keine Zeit mehr.

Gerade erst von einem zwölftägigen Trainingsaufenthalt in Norwegen zurückgekehrt, ist der gebürtige Sonthofer froh endlich mal wieder im eigenen Bett schlafen zu können: „Man genießt die Zeit daheim“. Dabei ist das Reisen im Sommer schöner als im Winter, denn ohne Wettkämpfe, bekommen die Athleten auch tatsächlich etwas vom Leben in den unterschiedlichen Nationen mit. „Im Winter siehst du meist nur den Flughafen, das Hotel und die Wettkampfstrecke“, so Eisenlauer. Im Sommer gibt es dagegen ganz andere Eindrücke, da die Einheiten in der Gegend um die entsprechenden Orte stattfinden.

So sieht der Sommer bei den Langläufern aus
Beim Training ist alles dabei: Bergtouren und Joggen und natürlich das Skiroller-Training, dass ähnliche wie Inlineskaten ist, aber mit einer Langlaufbindung und einem Langlaufschuh stattfindet. Dazu kommen Einheiten im Kraftraum, „damit man im Winter dann die Power hat, wenn es um die Wurst geht“, so Eisenlauer. Sommer- und Wintertraining sind schon vergleichbar, allerdings gibt es auch Eigenheiten. Beim Skiroller ist ein Rad gesperrt, sodass man sich gut abstoßen kann. Im Winter kann der Ski schon mal nach hinten durchgehen. Dies sei aber schon der größte Unterschied.

Saisonziel: Am Ende unter den Top20 sein
„Wenn es im Sommer gut läuft, meint man schnell, dass es auch im Winter sehr gut laufen könnte, letztendlich merkst du das aber erst, wenn der Winter dann auch wirklich da ist“, so Eisenlauer. Daher gibt Sebastian derzeit alles, um bestmöglich im November losstarten zu können. Ziel des Oberallgäuers ist es, eine konstant gute Saison abzuliefern. Und das heißt für ihn: Möglichst im Sprint immer einen Platz unter den ersten dreißig zu erwischen und damit Weltcuppunkte zu sammeln. Am Ende der Saison sollte dann eine Top20-Platzierung unter dem Strich stehen. Und das in einer Saison ohne Highlights. Es gibt also weder Weltmeisterschaften noch Olympische Spiele.

Der Abend vor einem Wettkampf
Vor den Wettkämpfen ist Sebastian Eisenlauer „leicht angespannt“, einschlafen kann er am Abend vorher aber dennoch relativ gut. Ein kleines bisschen Nervosität gibt es aber schon: „Nach der Teambesprechung, wenn du den genauen Zeitplan kennst, dann denke mir oft, hoffentlich passt morgen alles. Es sind so viele Faktoren, die eine Rolle spielen ob das Rennen ein Erfolg wird oder nicht, die du teilweise auch selber gar nicht in der Hand hast“.

Olympische Spiele in Sotchi - Ein Traum wurde wahr
Der Traum vieler Sportler ist es, einmal bei Olympia dabei zu sein. Für Sebastian ist er vergangenes Jahr wahr geworden. Dabei waren er und die Teamkollegen erst skeptisch, ob das in Russland auch etwas werden würde: „Unsere Erwartungen wurden echt in jeder Hinsicht übertroffen. War ein richtig schönes Event da drüben. Würde ich wieder hinfahren“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Sein persönliches Highlight war der Wettkampf: „Direkt an der Strecke stehen die olympischen Ringe riesengroß aufgebaut und an denen dann dran vorbeizulaufen und zu wissen, dass die ganze Welt gerade auf dieses Sportereignis schaut und man darf da selber mitmachen, das war schon ein cooles Gefühl“. Aber auch hier war es wie an vielen Wettkampforten. Für Eindrücke von Land und Leuten war keine Zeit: „Wir waren mit den Biathleten auf einem Hügel untergebracht, den du nur per Lift erreichen konntest. Unten in dem größeren Dorf waren lauter Offizielle und Medienvertreter untergebracht. Die Einheimischen haben wir da kaum wahrgenommen“.

Sebastian Eisenlauer und die Bundeswehr
Der 26-jährige ist Sportsoldat. Denn eins steht fest: Ohne die Truppe wäre eine Karriere als „Profi“-Langläufer wohl nicht möglich: „Wir sind das ganze Jahr freigestellt, lediglich im Frühjahr absolvieren wir unsere Feldwebel-Lehrgänge bei der Bundeswehr. Die Behörden sind für uns extrem wichtig. Andere sind bei der Bundespolizei und beim Zoll. So haben wir ein geregeltes Einkommen und können uns auf den Sport konzentrieren und den skandinavischen Sportlern vielleicht auch mal die Stirn bieten.“

Die Anfänge und der SC Sonthofen
„Ich bin da so reingerutscht“, sagt Sebastian, wenn er darauf angesprochen wird, wie alles begann. Zielführend war sicher, dass eine Loipe direkt am Elternhaus vorbeiführte. „Meine Eltern sind hobbymäßig zum Langlaufen gegangen und mir hat das auch viel Spaß gemacht. Mit etwa 10 Jahren bin ich zum Skiclub Sonthofen gekommen. Sabine Dotzler hat mich damals trainiert und trainiert mich auch heute noch. Auch Hannes Dotzler war dabei und gegenseitig haben wir uns immer weiter hochgezogen“. Dass man sich schon so lange kennt, empfindet Eisenlauer als sehr vorteilhaft: „Dadurch wissen die Trainer, was für den jeweils anderen gerade wichtig ist. Wir müssen eigentlich nicht viel drüber reden, die sehen, wie es einem geht, bevor ich das manchmal selber weiß“ - Was die Arbeit natürlich erleichtert.

Kurze Verschnaufpause schon wieder vorbei
Zu Wochenbeginn gab es die Regeneration. In der Sonne liegen und ein Buch lesen, war angesagt. Nicht irgendein Buch, sondern den Krimi „Das Mädchen, das verstummte“ von Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt. „Spannende Entspannung“, nennt Eisenlauer das. Doch jetzt hat ihn der Trainingsalltag wieder. Nach zwei Tagen Pause am Anfang der Woche, hat er am Mittwoch wieder mit Einheiten begonnen. Nächste Woche ist er dann zu Leistungstests in Oberhof. „Da hoffen wir alle, dass wir uns besser als im Frühjahr präsentieren“, sagt der 26-jährige lachend.

Wir von AllgäuHIT wünschen Ihm auf jeden Fall, dass sich das Training auszahlt und er seine Ziele in der Wintersaison 2015/2016 erreichen kann.


Der Radio-Programmbeitrag zum Nachhören:



Tags:
eisenlauer allgäu langlaufen sport



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