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(Bildquelle: AllgäuHIT/Marc Brunnert)
 
Oberallgäu - Sonthofen
Freitag, 12. März 2021

FDP diskutiert über bezahlbaren Wohnraum im Oberallgäu

Wie kann in Oberallgäu kurz- und langfristig bezahlbarer Wohnraum entstehen? Dieser Frage ist der Kreisverband der Freien Demokraten im Rahmen einer Online-Veranstaltung mit Experten auf den Grund gegangen. Martin Kaiser, Geschäftsführer des Sozial-Wirtschafts-Werks in Sonthofen führte dazu eingangs in die Arbeit eines sozial orientierten Wohnungsunternehmens ein und schilderte die aktuelle Situation im südlichen Landkreis:

„Unsere Aufgabe als SWW ist es bezahlbaren Wohnraum für breite Schichten der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Unsere durchschnittlichen qm²-Preise liegen dabei knapp unter sechs Euro. Leider übersteigt die Nachfrage bei weitem das Angebot. Pro Monat stehen in unseren Wohnungen ca. 20 Auszügen das Achtfache an Mietinteressenten gegenüber. Man kann im Oberallgäu durchaus von Mangel an günstigem Wohnraum sprechen, gegen den wir tagtäglich versuchen zu verbessern. Dabei setzen wir vor allem auf einen sozialraumorientierten Ansatz, um eine gute Durchmischung der Mieterklientel im Quartier zu erreichen und so Nachbarschaftshilfen zu fördern “, so Kaiser. 

Einen entscheidenden Faktor für die hohen Mietpreise im Allgäu lägen nach
einhelliger Ansicht der anwesenden Experten – u.a. Josef Geiger, Präsident
des Bayerischen Bauindustrieverbandes und Herbert Singer, Geschäftsführer
Sozialbau Kempten - vor allem in den eklatanten Baukosten, verursacht durch
zu viel Bürokratie.

„Mantelverordnung, Stellplatzverordnung, Schneelast und Brandschutz: wir
haben ca. 18.000 Baunormen, die es Bauherren extrem schwierig machen, die
Kosten niedrig zu halten. Was wir bräuchten wäre ein radikaler Kahlschlag
der Baubürokratie. Auch der eigene Anspruch an die eigenen vier Wände steht
einem günstigen Wohnen zumeist entgegen. In skandinavischen Ländern baut man
um die Hälfte billiger bei einer deutlich höheren Eigentumsquote gerade auch
in Bezug auf Normalverdiener als hierzulande. Dabei gibt es viel Potentiale,
die es zu heben gelte. Sei es durch eine professionelle Beratung und
Begleitung seitens der Planer und Fachplaner mit einem ganzheitlichen
Verständnis und einer gemeinsamen Verantwortung oder einer proaktiven
Moderation der Gemeinde, um z.B. kluges Nachverdichten im Bestand bei Erhalt
und Stärkung unserer lebenswerten Ortskerne zu ermöglichen“, führte Andreas
Geywitz - Architekt und Vorsitzender der FDP Immenstadt – dazu aus.

In die gleiche Kerbe schlug der Landesvorsitzende der FDP Bayern sowie
wohnungs-  und baupolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Deutschen
Bundestag Daniel Föst. Er übte scharfe Kritik an der Baupolitik der
Bundesregierung. „Kürzlich hat der Innenminister einen Wohnungsgipfel
abgehalten und sich dabei selbst gefeiert. Dabei tritt die GroKo bei der
Wohnraumförderung gleichzeitig aufs Gas und die Bremse. Wir kommen nicht
voran. Wir treten für eine verstärkte Subjektförderung ein, anstatt teure
Sozialwohnungen zu bauen, die ja ohnehin nach einigen Jahren aus der Bindung
fallen. Ca. 45% aller geförderten Wohnungen sind fehlbelegt. In den
Ballungszentren kommen wir auch nicht an der Zurverfügungstellung von mehr
Bauland vorbei.“ so der Abgeordnete. Ideen wie einer sogenannten
Mietpreisbremse oder gar Enteignungen von Wohnraum erteilte Föst dagegen
eine klare Absage. „Wenn man möchte, dass kein neuer Wohnraum mehr entsteht,
dann kann man so etwas machen. Dann ist die Miete zwar günstig, aber die
Kollateralschäden wie soziale Selektion oder Obdachlosigkeit wären
gravierend“, meint der Liberale.

Das mietfreie Wohnen im Alter ist für FDP- Kreis- und Gemeinderat Walter
Renn aus Oberstdorf ein elementares Instrument im Kampf gegen den
Wohnraummangel. „Wir müssen es schaffen, dass sich mehr Leute den Traum vom
Eigenheim erfüllen, anstatt bis ins hohe Alter teure Mieten zahlen zu
müssen. Dies wäre ein echtes Mittel gegen Altersarmut. Im Vergleich zu
anderen EU-Ländern hat Deutschland eine erschreckend geringe Eigenheimquote.
Diese liegt bei ca. 50 %. In Griechenland oder Italien liegt diese bei 80 –
90 %. Auf der anderen Seite muss man auch flexibel und offen für
Veränderungen bleiben. Ein Haus kann im Alter schnell zu groß und zu
aufwändig werden. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung kann für eine junge Familie
schnell zu klein werden. Aus diesem Grund setzen wir uns im Kreistag für die
Einführung einer Oberallgäuer Wohnungstauschbörse ein, um die Bedarfe
transparent zu machen ggf. zusammenzubringen“, so der Oberstdorfer.

Abschließend wurde noch die Problematik der Zweit- und Ferienwohnungen im
Allgäu sowie ihren Einfluss auf den lokalen Wohnungsmarkt diskutiert. Dabei
stellte Michael Käser, Kreisvorsitzender und Kreisrat der FDP Oberallgäu
fest, dass Ferienwohnungen für die Region unverzichtbar seien: „Viele
Häuslebauer brauchen die Einnahmen aus der Vermietung nicht nur zur
Baufinanzierung, sondern auch zur Altersvorsorge. Auch die Allgäuer
Gastgeberlandschaft wäre ohne die Ferienwohnungen eintöniger.“ Bezüglich der
Zweitwohnungen bestehe laut Käser allerdings deutlicher Handlungsbedarf:
„Zweitwohnungen haben nicht nur den Nachteil, dass ihre Besitzer durch ihre
Einkommenssteuer keinen Beitrag zur örtlichen Infrastruktur leisten, sondern
durch sie auch die Schwierigkeit von Rollladensiedlungen besteht. Hier muss
durch die Gemeinden steuernd entgegengewirkt werden. Das sage ich auch als
Freier Demokrat.“


Tags:
wohnen bauen leben wohnung


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