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Der Voith-Standort in Sonthofen (Archiv)
(Bildquelle: AllgäuHIT | Christoph Fiebig)
 
Oberallgäu - Sonthofen
Donnerstag, 28. November 2019

Allgäuer Voith-Mitarbeiter fahren nach Heidenheim

Die Hoffnung stirbt bei Kössler in Österreich

Am Samstag machen die Allgäuer Angestellten von Voith in Sonthofen ihrem Ärger Luft. Sie fahren mit dutzenden Bussen zum Hauptwerk nach Heidenheim. Auf über 1.000 Protestler müssen sich die Verantwortlichen am Hauptwerk in Baden Württemberg einstellen. Im Herbst nächsten Jahres soll Schluss sein in Sonthofen. Rund 500 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Vom Angebot in ein anderes Voith-Werk nach Crailsheim zu wechseln dürften nur wenige Gebrauch machen. Der Betriebsrat vor Ort und die  IG Metall Allgäu kämpfen mit den Angestellten um den Standort im südlichen Oberallgäu, unterdessen geht die Angst auch an anderen Voith-Standorten um.

Nach der Übernahme der Firma Kössler in St. Georgen in Österreich sind die Versprechungen von Voith groß: Nach dem Motto „Aus Raider wird Twix, sonst ändert sich nichts“, sollte sich nur der Name ändern, alles andere würde „beim Alten“ bleiben, schildern Mitarbeiter gegenüber NÖN.at. Doch schon beginnen Umstrukturierungen. Das österreichische Internetportal berichtet, dass im Management bereits Mitarbeiter durch Kräfte der Muttergesellschaft „Voith Hydro“ ersetzt wurden. Die Kössler-Angestellten befürchten Schlimmes, Voith beschwichtigt. Sonthofen und St. Georgen seien nicht vergleichbar.

In Sonthofen verwundern die Berichte aus dem benachbarten Österreich aber niemanden. Auch hier waren die Versprechungen groß bei der Übernahme vor 12 Jahren. Welches Personal eingestellt wird, wurde bereits kurz nach dem Kauf durch Voith von Heidenheim aus gesteuert.

Die Mitarbeiter vor Ort klagen: „Wir schreiben schwarze Zahlen, sind profitabel. Von Voith Anfang des Jahres gesteckte Ziele haben wir nicht nur erreicht, sondern übertroffen, trotzdem kommt jetzt die Schließung Ende September 2020.“, so ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter gegenüber AllgäuHIT. Ein Grund, so der Informant weiter, sei, dass an den Voith-Standorten nicht mit der Präzision gefertigt werde, wie in Sonthofen. Deshalb solle es auch keinen Verkauf geben, sondern die entsprechenden Unternehmensteile sollen nach Crailsheim und Indien verlagert werden. „Im Prinzip haben sie unseren Standort gekauft und klauen sich jetzt das Know-How.“, sagt er.

Doch Voith hat die Rechnung offenbar ohne einige Kunden gemacht. Dem Mitarbeiter zufolge bestehen teils sehr große Kunden darauf, dass Produkte in Sonthofen gefertigt werden. Dass die bestellten Teile von anderen Voith-Werken geliefert werden, schließen sie aus und drohen damit, Aufträge zurückzuziehen. Eine Bestandsgarantie? Das wird sich zeigen. Jedenfalls ist Voith nach Kräften bemüht, die Kunden anderweitig zu überzeugen. Workshops werden nach AllgäuHIT-Informationen in Heidenheim und Crailsheim angeboten. „Alles eine Heuchelei, damit die auf dem Papier gut dastehen“, so der nicht genannte Mitarbeiter.

Tatsächlich aber ist es nicht so einfach, einen anderen Standort des gleichen Unternehmens einzubinden. Die Fertigung sei meist von Kundenseite her abgenommen, damit könne garantiert werden, dass entsprechende Standards eingehalten werden, heißt es. Ob Stand jetzt weniger als ein Jahr dafür ausreichen soll, den Standort Sonthofen nach Crailsheim in leerstehende Hallen zu verlagern und alle Zertifizierungen von Kundenseite einhalten zu können, bezweifeln Branchenkenner.

Am Samstag fahren rund 1.000 Teilnehmer mit Bussen nach Heidenheim. Auch private Fahrer können teilnehmen. Treffpunkt ist um 12 Uhr am Parkplatz P10 am Voith-Werk in Heidenheim. AllgäuHIT berichtet von der Fahrt und direkt aus Heidenheim.


Tags:
voith allgäu wirtschaft werkschliessung



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