Moderator: Marcus Baumann
mit Marcus Baumann
 
 
⇨ Der AllgäuHIT-Ticker zum Coronavirus - Meldungen aus dem Allgäu und der Welt ⇦

Bestnoten für Schalenwild im Allgäu - Angst vor Tuberkulose-Befall wächst
23.05.2012 - 13:32
Um das Schalenwild im Oberallgäu ist es bestens bestellt. Das sagt der Wildbiologe Dr. Wolfgang Schröder der Technischen Universität München. Doch es gibt auch massive Probleme.
Bergwald und Wild unter einen Hut bringen ist nicht immer einfach. Anlass des im Landratsamt in Sonthofen vorgestellten Managementplanes ist, dass der fichtenreiche Bergwald im Oberallgäu zu einem klimastabilen Bergwald umgebaut werden soll. Problem dabei: der Wildverbiss ist hoch. „Ob das aber unbedingt am hohen Bestand liegt, kann ich so nicht sagen“, so Schröder. Dies hänge auch davon ab, wie man mit dem Rotwild in der Überwinterung umgehe.

Ein besonders heikles Thema kam dabei auch zur Sprache: der Abschuss im Wintergatter. Vor allem die Medien in Deutschland hätten hier sehr viel Negativstimmung gemacht - Schröder: „Dieses Thema ist ganz bewusst von Leuten in die Medien gebracht worden, die wussten dass man damit in den Medien Aufmerksamkeit erzeugen kann. Ich gebe zu, für den Laien ist es nicht nachvollziehbar“. Tiere würden mit Futter in ein Gatter gelockt und anschließend „tot gemacht“.

Doch so sei der Sachverhalt nicht: „Das sind Überwinterungsgebiete in die die Hirsche alljährlich kommen. Es gibt gleichzeitig große Schwierigkeiten in der Erfüllung des Abschusses und bei den Wanderungen der Hirsche, weil die in dem Revier, in dem das Wintergatter ist, nicht kontrolliert werden können. Da macht es Sinn und da ist es auch im Interesse der Berufsjäger, dass aus einem Gatter eine überschaubare Zahl an Tieren entnommen wird“, so Wildbiologe Dr. Wolfgang Schröder weiter. Die Meinung der Berufsjäger sei aber durchaus gespalten, wie er eingesteht. Dabei ist dieses Thema offenbar nur bei uns mehr oder weniger ein Tabu.

In der Steiermark (Österreich) werde zwar auch diskutiert, dort sei das Vorgehen aber an der Tagesordnung. Zumal in Bayern nicht einfach so abgeschossen werden dürfe, so Schröder: „Das kann nicht jeder machen. Es muss eine behördliche Genehmigung erfolgen“. Die Anträge müssten darüber hinaus auch entsprechend begründet sein - ein solcher Grund könnte die Bestandsregulierung sein, also dass die Zahl des Rotwilds in einem Revier auf einem gewissen Stand gehalten wird.

Tuberkulose- Ansteckung wäre Katastrophe für die heimische Landwirtschaft
Ein besonders besorgniseregender Punkt ist eine nicht auszuschließende Tuberkulose- Ansteckung des heimischen Wilds. Der Wildbiologe der Technischen Universität München, Professor Dr. Wolfgang Schröder schätzt dies für das Allgäu als „äußerst gefährlich“ ein. Hauptgrund: das Wild hält sich nicht an Landes- oder Staatsgrenzen. Der große Befall im benachbarten Tirol und der ständige Wildwechsel könnten eine Ausbreitung der Krankheit im Allgäu beschleunigen. „Wir haben bereits erste TBC- Fälle bei Rotwild und anderen Tieren im Oberallgäu nachgewiesen. Man kann nicht mit Sicherheit sagen, dass es zur Katastrophe kommt aber da muss ganz gründlich in der Analyse nachgeschaut werden. Wir schlagen vor, dass der gesamte Abschuss von erwachsenen Hirschen und weiblichem Rotwild untersucht wird, dass wir über Befallsrate Bescheid wissen. Die Konsequenzen für die Landwirtschaft wären fürchterlich. An so etwas kann man garnicht denken“, so Schröder.

Doch was sind die Konsequenzen - im Falle eines landwirtschaftlichen Betriebs hätte ein Tuberkulose-Befall die Keulung des Bestands zur Folge. Für den Einzelnen könnte ein solcher Vorfall die Existenz gefährden. Für die Jagd stelle es das System „Rothirsch“ in Frage. „Wir haben im südlichen Oberallgäu, vor allem im Rappenalptal, hohe Konzentrationen im Winter. Das müssen wir noch genauer anschauen, ob da zum Beispiel in den Winterstandorten die Tuberkulose ein Problem darstellt. Eventuell müssen dann auch Fütterungsbereiche aufgelassen werden. Das kann man heute aber noch nicht sagen“, so Schröder.

Die Analyse des Rotwildes wird in der nächsten Jagdzeit erfolgen. 80 Stück Rotwild sollen bis Ende des Jahres untersucht werden. Anschließend habe man ein Gefühl für den Befall. Die Gefahr sei deshalb so groß, weil auf Tiroler Seite, unmittelbar angrenzend, auch in Bereichen wo Hirsche hin und her gehen, hohe Tuberkulose- Befallsraten bei Rotwild nachgewiesen wurden.

Schalenwildmanager kommt
Zusammen mit der Bergwaldoffensive kann sich der oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser die Beschäftigung eines "Schalenwildmanagers" vorstellen. Dabei handelt es sich um einen Mann mit großer forstlicher Erfahrung und in der Kommunikation. Dieser soll Problemlösungen mit Interessensgruppen vor Ort herbeiführen.

Radio einschalten Ihr Spot bei uns Glasklarer Empfang Datenschutz/Impressum