Moderator: Bernd Krause
Sendung: AllgäuHIT-Update
mit Bernd Krause
 
 
Klausen und Bärbele aus Sonthofen
(Bildquelle: AllgäuHIT | Isabelle Tausend)
 
Oberallgäu - Sonthofen
Sonntag, 4. Dezember 2022

AllgäuHIT SonnTalk mit Klausen und Bärbele aus Sonthofen

Drei Klausen und drei Bärbele vom Klausenverein Sonthofen hatte Isabelle Tausend an diesem Sonntag zu Gast beim AllgäuHIT SonnTalk. Und das, obwohl sie wirklich Angst vor den düsteren Gestalten hat. Trotzdem hat sie es geschafft, unter anderem über die Hintergründe und den Ursprung der Klausen und Bärbele zu sprechen.

"Das Klausentreiben ist ein heidnischer Brauch, er wird auf etwa 1.000 Jahre geschätzt. Der Ursprung ist eigentlich, dass die Menschen früher abends im Dunkeln Angst hatten vor Dämonen und Geistern. Sie haben dann sich selber gruselig verkleidet und sind mit Krach und Lärm auf die Straße gegangen und haben versucht, damit die Geister und Dämonen zu vertreiben und von ihren Häusern fernzuhalten", erzählt Matthias Hecht, 1. Vorstand des Klausenvereins Sonthofen. 

Auch die Ruten, die heute noch von vielen Leuten gefürchtet werden, haben eine Bedeutung: "Die Ruten sind natürlich das Mittel zum Zweck, um die Geister mit Hieben zu vertreiben - also die bösen Geister aus den Menschen", erklärt Matthias Hecht. Die Schellen, die die Klausen und Bärbele umgebunden haben sollen natürlich vor allem Lärm verursachen. Also schlagen die Klausen nur die Bösen unter den Zuschauern? "Ja genau", sagt der Sonthofer Klaus lachend, "die Guten dürfen sich das ganze anschauen, die bekommen dann Geschenke von uns, also keine Hiebe." Woran die Klausen es festmachen, wer gut und wer böse ist? Am Verhalten, das sieht man den Leuten ja oft an, so die augenzwinkernde Antwort.

Die Sonthofer Klausen

Die Verkleidung, also das Klausenhäß hat sich, ebenso wie das Häß der Bärbele, über die Jahrhunderte immer wieder verändert. Das Wichtigste war immer, möglichst gruselig, möglichst hässlich und auch möglichst furchteinflößend auszusehen, so hat es sich dann bis zum heutigen Stand weiter entwickelt. 

In Sonthofen sahen die Klausen vor gar nicht allzu langer Zeit auch noch anders aus. Matthias Hecht erinnert sich dass, als er ein kleiner Junge war, "die Burschen alles mögliche an Fellen, Leder, Pferdeschweifen, Ketten benutzt haben und sich einfach Schellen, die irgendwo rumgelegen sind, umgebunden haben!" Heute schaut man schon mehr auf das Aussehen, schaut, dass alles ordentlich genäht ist und versucht, möglichst schöne Schellen zu haben.

Wie ein Klaus grundsätzlich aussieht? "Der Klaus ist von oben bis unten mit Fell bekleidet, hat auf dem Kopf Hörner - Kuhhörner oder Ziegenhörner, hat um den Bauch eine oder mehrere Schellen und natürlich eine Rute in der Hand!", erklärt Matthias Hecht. Die Rute, die natürlich auch mal so richtig weh tun kann. 

Die Vorbereitungen für das Klausentreiben dauern zwischen 6 und 8 Wochen, schließlich ist ja alles Handarbeit. Und schwer ist so ein Klausenhäß auch - das kann schon mal 40 Kilogramm wiegen. 

Die Klausen mit den schweren Kostümen haben natürlich den Nachteil, dass sie nicht so schnell und wendig sind. Und den frechen Kindern und Jugendlichen nicht hinterherrennen können. Dafür sind aber andere Klausen mit dabei - mit kürzerem Fell, kleineren Schellen und Hörnern - die um einiges schneller sind. Und auch gefährlicher, auch wenn sie nicht so aussehen!

In Sonthofen sind zwischen 200 und 250 Klausen im Verein - davon springen jedes Jahr aber nur zwischen 120 und 130 mit. Mancher läuft nur alle zwei oder drei Jahre mit, mancher nur an einem der beiden Tage. 

Die Sonthofer Bärbele

Mit dem Sonthofer Oberbärbele Carina Juppa hat Isabella Tausend auch gesprochen. Auch die Bärbele geben sich große Mühe mit ihrem Häß. Die Masken sind alle selbst gebastelt - beklebt mit allem Möglichen aus Wald oder Küche. Darüber binden sich die Mädels ein Kopftuch und wer möchte verziert das Tuch noch mit Pferdehaar. Untenrum ein altes Dirndl oder einen alten Trachtenrock, Trachtenjacke drüber, eine Strumpfhose damit es auch warm ist und feste Schuhe - fertig ist das Bärbele.

Die meisten der Bärbele fangen bereits im Oktober mit den Vorbereitungen an und sind mindestens 8 Wochen beschäftigt, erzählt Carina Juppa.

Der Ursprung des Bärbeletreibens ist ein anderer als der der Klausen: "Eigentlich geht das Bärbeletreiben auf die Heilige Barbara zurück, am 4. Dezember ist der Barbaratag. Barbara lebte bei ihrem Vater, der hat sie eingesperrt zuhause weil er Angst hatte, sie an einen jungen Burschen zu verlieren. Die Barbara fand das natürlich gar nicht toll und hat sich dem Christentum zugewandt, das war für sie der Rückhalt. Der Vater war damit nicht einverstanden und hat ihr die Brüste abschneiden lassen, also sehr brutal."

Aber was gibt es denn für Gemeinsamkeiten zwischen Klausen und Bärbele? Dass die Tage direkt hintereinder sind ist ja Zufall. "Beide wollen die bösen Geister und Dämonen vertreiben!", meint Carina Juppa. Rund 200 Bärbele gibt es in Sonthofen, von denen jedes Jahr ungefähr 120 beim Bärbeletreiben mitspringen. 

Wie sie zu den Bärbele gekommen ist, das möchte Isabelle Tausend von Carina Juppa noch wissen. "Ich bin in Sonthofen aufgewachsen und kenne das Bärbeletreiben von Klein auf. Da fiebert man dann schon darauf hin, endlich 16 zu werden, um selber mitlaufen zu können!", erzählt sie.

Ebenso wie die Klausen aus Sonthofen laufen auch die Bärbele bei Umzügen in anderen Gemeinden mit. Beim Nikolausballonstart in Sonthofen, der traditionell am Sonntag nach dem Nikolaustag stattfindet, verabschieden Klausen und Bärbele zusammen den Nikolaus.

Wie hat sich das Klausen- und Bärbeletreiben in den vergangenen Jahrzehnten in Sonthofen verändert? 

Früher ging es in Sonthofen wesentlich härter zu beim Klausentreiben, erzählt Matthias Hecht. Die Klausen waren zum Teil zu grob, es gab ordentlich Rutenhiebe. "Dann hat der damalige Bürgermeister gesagt, entweder ihr organisiert das anständig und es kommt wieder Ordnung rein oder wir verbieten euch das Springen. Daraufhin hat sich der Klausenverein gegründet." Das war 1976.

Zwar gibt es immer wieder Gerüchte, dass die Sonthofer Klausen und Bärbeler Nummern tragen, damit man sie identifizieren kann, aber das stimmt nicht. Jeder Klaus und jedes Bärbele trägt bei den Springen ein Vereinsabzeichen mit Logo, damit man sieht, ja, der oder die gehört auch dem Klausenverein an. Der Verein fotografiert vor den Veranstaltungen jeden in vollem Häs und Mitgliedsnummer - falls jemand kommt und sagt, ein Klaus der so oder so aussieht hat mich zu stark geschlagen. Dann kann der Verein nachvollziehen, wer das war.

Die Tradition erhalten

"Wir wollen natürlich das Brauchtum in die Zukunft tragen und dafür sorgen, dass es auch noch lange so bleibt. Und uns ist natürlich auch der Zusammenhalt zwischen den Klausen wichtig, die Jugend zusammenbringen und etwas außerhalb der Arbeit und dem Alltagsstress gemeinsam zu machen", erzählt der Vereinsvorsitzende. 

Dass dies gelingt zeigt sich auch daran, dass der Verein jedes Jahr zwischen 30 und 40 "Neuankömmlinge" verzeichnet. Allerdings fallen auch in jedem Jahr in etwa dieselbe Anzahl weg, sei es durch Heirat oder durch Umzug. Insgesamt hat der Klausenverein Sonthofen 450 Mitglieder, Tendenz steigend, sagt Matthias Hecht.

Auch außerhalb der Adventszeit ist der Verein aktiv, sei es beim jährlichen Grillfest im Sommer oder über die Arbeitsgemeinschaft Sonthofer Jugendverbände ASJ, bei der sich auch der Verein engagiert. Unter anderem haben die Klausen in diesem Jahr an einem Tag das Zelt am Sonthofer Volksfest bewirtet.

Klausen- und Bärbeletreiben 2022 in Sonthofen

Am Sonntag, 4. Dezember, springen die Bärbele ab 19:30 Uhr in der Sonthofer Fußgängerzone. Die Klausen dann am 5. und 6. Dezember ebenfalls ab 19:30 Uhr. Der Klausenmarkt ist am Sonntag ab 14 Uhr, am Montag und Dienstag jeweils ab 17 Uhr auf dem Oberen Markt geöffnet.

Wie sie denn möglichst sicher durch das Klausentreiben kommen kann, möchte Isabelle Tausend noch wissen. "Am besten am Glühweinstand stehen und sich ruhig an den Rand stellen und zuschauen - da ist man relativ sicher!", verspricht Matthias Hecht.


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