Moderator: Bernd Krause
Sendung: AllgäuHIT-Update
mit Bernd Krause
 
 
Vor der Eröffnung waren Jan Drechsler und Jessica Schoor bei AllgäuHIT
(Bildquelle: AllgäuHIT I Ingrid Reitenbach)
 
Oberallgäu - Kempten
Montag, 25. Oktober 2021

SonnTalk: Kemptener Kinder Second-Hand „Kloi Hoi“ stellt sich vor

Am 2. November eröffnet (wieder) ein Kinder Second-Hand Laden in Kempten. „Kloi Hoi“ sitzt in der Lindauer Straße 8 und bietet neben gebrauchter Kleidung auch einen Arbeitsplatz für Menschen mit einer seelischen Erkrankung. Jan Drechsler, Leiter des Bereichs Arbeit & Beschäftigung und Jessica Schoor, pädagogische Begleitung & praktische Anleitung beim Hoi! e.V., waren zu Gast beim AllgäuHIT SonnTalk und haben das Konzept vorgestellt.

Nach zweijähriger Vorlauf- und Planungszeit eröffnet am 2. November der Kemptener Kinder Second-Hand Laden „Kloi Hoi“ in der Lindauer Straße 8. Das bunte Mobiliar und die ersten Kleidungsstücke ziehen schon einige Blicke von draußen auf sich. Das freut Jan Drechsler und Jessica Schoor, denn sie haben gemeinsam mit ihrem Team jede Menge Arbeit in dieses Projekt gesteckt. Gemeinsam mit der Aktion Hoffnung, der Diakonia München, der Diakonie Kempten, der Stadt Kempten, dem Gemeindepsychiatrischem Verbund und der ehemaligen Eigentümerin des Kinder-Second-Hand-Ladens in Kempten wurde das Projekt erarbeitet. „Es war eine lange Vorlaufzeit, die wir aber gebraucht haben. Die Idee war es einen Kinder Second-Hand Laden wieder in Kempten aufzubauen und damit Menschen mit einer seelischen Erkrankung einen Arbeitsplatz zu geben. Das mussten wir erst einmal finanziell stemmen und sind daher sehr glücklich jetzt starten zu können“, sagt Drechsler, der Leiter des Bereichs Arbeit & Beschäftigung beim Hoi! e.V.

Der Verein steckt auch im Namen „Kloi Hoi“. Der Hintergrund erklärt sich mit dem Allgäuer Wort „hoi“ für ein positives Staunen. Jan Drechsler erinnert sich an die Anfänge des Vereins. „Vor 30 Jahren, als der Verein gegründet wurde, war es die Idee zu sagen: Hoi, Menschen mit seelischer Erkrankung können das. Sie können allein leben, arbeiten und eine Teilhabe erfahren. Bis heute haben wir uns das erhalten und geben in diesem Laden Menschen eine sinnvolle Aufgabe.“

Der Laden wurde durch u.a. die sogenannten LEADER Fördermittel als Teil der regionalen Entwicklung bewilligt. „Es braucht relativ viel Geld, um einen Laden aufzumachen. Wir wollen ihn auch so gestalten, dass er auch in 10 bis 20 Jahren besteht. Der Laden soll sich dann wirtschaftlich tragen.“ Der Anfang dieses Bestehens beginnt am 2. November. Bis dahin läuft der letzte Feinschliff. Einige Spenden wurden bereits abgegeben, diese werden jetzt sortiert und im Laden verteilt. Es werden weiterhin Spenden gesammelt. „Das gute Gefühl beim Abgeben macht sich bei uns bemerkbar. Die Lieblingsstücke werden weitergetragen, andere schätzen es wert“, so Jan Drechsler. Außerdem bekommen alle Spender einen 10 Prozent Gutschein für den nächsten Einkauf. „Wir freuen uns über jeden der kommt, die Rückmeldung war bis jetzt sehr positiv.“

Inklusiver Charakter

Der Laden hat einen Inklusionscharakter. Denn dort arbeiten Menschen mit einer seelischen Erkrankung oder einer körperlichen Behinderung. Das bedeutet auch Teilhabe, denn für diese Gruppe ist es oft schwer einen Fuß auf dem Arbeitsmarkt zu fassen. „Wir beschäftigen im Verein Menschen, die nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt auftauchen, die dem Druck nicht standhalten. Trotzdem haben sie ein Bedürfnis nach Arbeit, nach einer Aufgabe und nach Struktur“, erklärt Jessica Schoor. Sie ist für die pädagogische Begleitung und die pädagogische Arbeit beim Hoi Verein zuständig. „Wir möchten diesen Menschen ca. 10 Arbeitsplätze anbieten, zusammen mit Fachkräften im Verkauf, aber auch Studenten und Ehrenamtlichen.“ Die Beschäftigung soll für Menschen mit einer seelischen Erkrankung oder Bewegungseinschränkungen eine Brücke sein. „Das ist unser Königsziel, dass sie nach einer Beschäftigung bei uns es auf den normalen Arbeitsmarkt schaffen.“

Damit körperbehinderte Menschen auch in den Laden reinkommen, gibt es eine Lego-Rampe. Die mobile Rampe wurde durch gespendete Legosteine gebaut und bietet einen kreativen, barrierefreien Eingang. „Durch die Kooperation mit der Caritas, die diese bunten Rampen in Kempten baut, haben wir jetzt auch eine. Je nachdem, wo wir sie brauchen, im Laden oder an der Tür, können Menschen mit Kinderwagen, mit Rollator, mit einem Rollstuhl bequem reinkommen“, sagt Schoor. „Sie ist schön bunt und passt perfekt zum Thema.“

Nachhaltig und sparsam: Second-Hand

Da Kinder sehr schnell aus ihren Größen herauswachsen, greifen viele Eltern auf Second-Hand zurück. Das ist nicht nur für den Geldbeutel gut, sondern auch für die Umwelt. „Dieser Aspekt ist für uns entscheidend gewesen, wir wollen Ressourcen sparen und dieses Thema mit der Beschäftigung von seelisch erkrankten Menschen verbinden“, betont Jan Drechsler. Kempten hatte bis 2018 bereits einen Kinder Second-Hand Laden, „Kloi Hoi“ folgt jetzt. „Der Bedarf ist da, Kempten braucht so einen Laden. Wir brauchen eine nachhaltige Art des Einkaufens, um aus dem Fast-Fashion-Tunnel herauszukommen.“ Neben gebrauchter Ware gibt es auch Neuware, produziert durch fünf Damen der Nähgruppe. „Wir haben ein eigenes Label, das durch die Nähgruppe unterstützt wird. Mützen, Halstücher, Hosen werden hier vor Ort erstellt.“

Das Repertoire an Kleidungsstücken entscheidet sich im Laden je nach Spende, das Angebot richtet sich an Kinder von 0 bis 10 Jahren (bis zur Größe 140). „Jetzt für den Winter wollen wir saisongerechte Ware anbieten, neben Spielwaren und Büchern. Die Sachen werden in der Region angenommen und hier wieder verkauft. Das ist auch in dem Sinne nachhaltig, dass es in der Region bleibt.“


Der Radio-Programmbeitrag zum Nachhören:



Tags:
kempten kinder secondhand eröffnung sonntalk nachhaltig inklusiv


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