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Sendung: Wach durch die Allgäuer Nacht
 
 
+++ Jugendliche aus Kempten vermisst! +++
Bei ArbeiterKind.de engagieren sich ca. 6 Tausend Ehrenamtliche. Claudia Zucknik ist am Standort Kempten
(Bildquelle: AllgäuHIT I Ingrid Reitenbach)
 
Oberallgäu - Kempten
Montag, 10. Januar 2022
Ein Bericht von Ingrid Reitenbach

SonnTalk: ArbeiterKind.de Allgäu gibt Hilfestellung fürs Studium

Ein Studium stellt Interessierte vor einige Herausforderungen, die die Bewerbung, die Finanzierung und die Umsetzung beinhalten. Die Organisation ArbeiterKind.de setzt genau da an und gibt Hilfestellung. Vor allem unterstützen die Ehrenamtlichen Interessierte aus nicht-akademischen Familien. Claudia Zucknik war im AllgäuHIT SonnTalk und hat erzählt, was ihre Arbeit ausmacht und wie sich Interessierte melden können.

ArbeiterKind.de wurde 2008 von Katja Urbatsch gegründet. Sie selbst war die erste in der Familie, die studiert hat und wurde damals mit zahlreichen Hürden konfrontiert. Aus diesem Grund entschloss sie sich dazu, ihre Erfahrungen weiterzugeben und anderen den Einstieg zu erleichtern. Zunächst gründete sie ein Internetportal, nachdem dieses allerdings über Nacht schlagartig an Bekanntheit gewann, wurde eine gGmbH daraus. Mittlerweile engagieren sich circa 6.000 Ehrenamtliche in rund 80 lokalen Gruppen, welche in ganz Deutschland verteilt sind. Claudia Zucknik am Standort Kempten ist eine von ihnen. Zusätzlich gibt es 12 hauptamtliche Regionalbüros, die das Ganze unterstützen und begleiten.

 

AllgäuHIT: Der Anfang eines Studiums ist alles andere als einfach. Diesen Prozess müssen alle Studierenden durchlaufen. Oftmals ist es allerdings bei nicht akademisch Interessierten noch schwieriger, gibt es dazu Zahlen?

Claudia Zucknik: Um einen Überblick über die Zahlen zu erhalten, hat das Deutsche Studentenwerk im Sommersemester 2016 eine Befragung durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt gab es ungefähr 6,8 Millionen Studierende. An der Befragung waren 60.000 Studierende an 48 Hochschulen beteiligt. Das Ergebnis war schließlich, dass bei 52% der Studierenden mindestens ein Elternteil studiert hat. Bei 48% zeigten die Ergebnisse, dass sie die ersten aus der Familie sind, die studiert haben. Diese Zahlen klingen zunächst sehr ausgeglichen, allerdings müssen sie auch im Kontext der gesamten Bevölkerung betrachtet werden. Demnach sind es dann nur 22% aller Kinder und Jugendlichen, die in einem Haushalt leben, in dem mindestens ein Elternteil studiert hat. Das bedeutet, dass der größte Anteil aus Personen besteht, die kein akademisches Elternhaus haben.

AllgäuHIT: Was sind Ihrer Meinung nach, die Gründe dafür?

Claudia Zucknik: Einer der Gründe ist die Finanzierung des Studiums. Die Problematik ist hierbei, dass zunächst in das Studium investiert werden muss, um zu einem späteren Zeitpunkt Rendite daraus zu ziehen. Bei einer soliden Berufsausbildung ist das nicht so, da man hierbei beispielsweise ein monatliches Gehalt bezieht oder ein Schüler-BAföG bekommt, welches man nicht zurückzahlen muss. Zudem spielt auch oft das Umfeld eine große Rolle bei der Entscheidung, ob man eine akademische Laufbahn antritt. Bei Kindern aus nicht akademischen Haushalten wird oftmals zu einer Berufsausbildung geraten, da sie häufig auf Erfahrungen der Familie zurückgreifen können.

AllgäuHIT: Sie wollen die Grundlage schaffen, dass mehr aus nicht akademischen Haushalten studieren können. Vor dem Studium gibt es einige Hürden, wie beispielsweise die Finanzierung, die Bürokratie und so weiter. Wo setzt ArbeiterKind.de an?

Claudia Zucknik: Wir setzen in verschiedenen Bereichen an. Wir starten bereits bei der Berufsorientierung in der schulischen Ausbildung. Wir begleiten aber auch bis zum Ende des Studiums und zum Einstieg in das Berufsleben. Hierbei unterstützen wir bei verschiedenen Themen, wie beispielsweise die Studienfachwahl oder der Finanzierung, etwa durch Stipendien. Wir begleiten den gesamten Prozess vom ersten Motivationsschreiben über persönliche Gespräche bis hin zum Abschluss des Auswahlverfahrens. Zudem zeigen wir auch andere Möglichkeiten der Finanzierung auf, beispielsweise Jobben oder Studienkredite als letztmögliche Option.
Unter anderem informieren wir über Auslandssemester, wie diese durchgeführt werden können und welche Möglichkeiten es hierbei gibt. Darüber hinaus haben wir auch ein Mentoringprogramm, welches beim Berufseinstieg unterstützt. Wir informieren und unterstützen aber auch bei Themen, wie Studienfachwechsel oder Studienabbruch.

AllgäuHIT: Vor allem Schüler kurz vor dem Schulabschluss müssen die Entscheidung treffen, wie es beruflich oder akademisch weitergehen soll. Haben Sie bereits die Erfahrung gemacht, dass Schüler sich nicht für ein Studium entschieden haben, weil sie zu große Zweifel daran hatten, ob sie dieses überhaupt bewerkstelligen können?

Claudia Zucknik: Ja, das ist vor allem in Familien der Fall, in welchen noch niemand studiert hat. Die Problematik ist dabei, dass die eigene Leistung mit den Leistungsansprüchen des Studiums oftmals nicht in Verbindung gesetzt werden kann. Gerade in diesem Bereich ist ein Erfahrungsaustausch essentiell. Dazu bieten wir auch Informationsveranstaltungen an und teilen unsere eigenen Erfahrungen. Das Ziel ist es, dass wir den Interessierten Mut machen und anhand unserer eigenen Erfahrungen aufzeigen, dass sie es schaffen können.

AllgäuHIT: Gerade im ersten Semester sind es sehr viele Eindrücke für die Studierenden und man benötigt Zeit, sich zurecht zu finden. Aber auch hier unterstützen Sie tatkräftig und bieten Ihre Hilfe an.

Claudia Zucknik: Unsere Unterstützung hört mit dem Studienbeginn nicht auf, im Gegenteil. Sobald Studierende aus dem Erstsemester oder auch aus den folgenden Semestern Notlagen oder Unsicherheiten haben, begleiten und unterstützen wir diese. Gerade auch bei den Studienanfängern bei Themen, wie der Studienfinanzierung oder der Studienorganisation, stehen wir als Ansprechpartner jederzeit bereit.

 

So gibt’s Kontakt zu ArbeiterKind.de Allgäu:

E-Mail: allgaeu@arbeiterkind.de

Monatliche Treffen: Jeden letzten Donnerstag im Monat um 20.15 Uhr, der nächste Termin ist am 27. Januar 2022

Die Treffen sind offen. Jede Person, die Hilfe oder Unterstützung benötigt, kann an diesem Treffen teilnehmen. Coronabedingt finden die Treffen momentan online oder hybrid statt, insofern es die Inzidenzzahlen zulassen.

Alle Infos unter www.arbeiterkind.de

 

AllgäuHIT: Ein Studium ist eine Herausforderung. Sie haben ja bereits viele Schüler und Studierende begleitet, auf welche Personen und Persönlichkeiten sind Sie getroffen und wie haben Sie diese unterstützt?

Claudia Zucknik: Ich bin in der Gruppe im Allgäu seit der Gründung im Herbst 2020 aktiv. Zuvor war ich seit 2015 in Hildesheim aktiv, da ich dort auch meinen Bachelor im Bereich Soziale Arbeit absolviert habe. Bereits in dieser Zeit durfte ich schon viele Personen unterstützen. Man trifft auf die unterschiedlichsten Personen und Persönlichkeiten. Das waren zum einen einmalige Beratungen wie zum Beispiel, wie findet man eine Wohnung an einem Studienort, an welchem der Wohnungsmarkt nicht optimal ist oder wie wird ein BAföG Antrag bearbeitet. Zum anderen gibt es aber auch Personen, die wir längerfristig begleiten. Hierunter fallen Themenbereiche, wie beispielsweise eine Stipendienbewerbung, da hier mehrere Bewerbungsschritte anstehen und der gesamte Prozess bis zu einem halben Jahr andauern kann.

AllgäuHIT: Gibt es Personen, bei denen Sie besonders stolz sind, dass sie das Studium durchgezogen haben?

Claudia Zucknik: Ich erinnere mich an eine junge Frau, die sehr große Zweifel hatte. Sie war sich auch unklar über die Finanzierung und arbeitete neben dem Studium sehr viel, wodurch sie wenig Zeit hatte sich auf das Studium zu konzentrieren. Dadurch spielte sie auch des Öfteren mit dem Gedanken das Studium abzubrechen. Sie rechnete nicht damit, für ein Stipendium in Frage zu kommen. Doch als sie dann die Zusage bekam, konnte sie sich auch wieder mehr dem Studium widmen. Ich habe den gesamten Prozess begleitet und es war so schön zu sehen, wie die junge Frau immer mehr gewachsen ist. Bei einem solchen Prozess reifen Persönlichkeiten, da es einfach Menschen gibt, die sie unterstützen und an sie glauben. Es ist unwahrscheinlich schön solche Erfolge mitzuerleben.

AllgäuHIT: Die Motivation Ihrer Arbeit ist also eindeutig. Da fehlen dann nur noch die Interessierten, oder?

Claudia Zucknik: Wir sind bei uns im Herbst 2020 gestartet, also mitten in der Coronazeit. Aus diesem Grund war es für uns schwer den gewöhnlichen Weg zu gehen, also Hochschulen oder Schulen zu besuchen und Interessierte anzusprechen und zu informieren. Deshalb haben wir viel digital gemacht, somit durften wir uns beispielsweise in Kooperation mit der Hochschule Kempten am Diversity Tag vorstellen, da ging es um das Thema Studium und soziale Herkunft. Wir hatten allerdings auch schon persönliche Gespräche, die wir dann entweder online durchgeführt haben oder nach Möglichkeit persönlich bei einem hybriden Treffen. Wir hatten auch mit anderen ArbeiterKind.de-Gruppen zusammen bayernweite Informationsveranstaltungen, an welchen man online teilnehmen konnte und an denen zu Themen wie Studienfinanzierung beraten wurde.

AllgäuHIT: Sie waren ja bereits in Hildesheim und nun im Allgäu. Was kann das Allgäu noch dazu lernen, wo gibt es Unterschiede?

Claudia Zucknik: In Hildesheim gibt es eine Hochschule und eine Universität und der Stadtbereich ist größer. Im Allgäu allerdings gibt es mehr ländliche Regionen, weshalb wir auch weiterhin online präsent sein wollen, da wir somit einen viel größeren Raum abdecken können. Allerdings ist auch Vieles gleich, wie beispielsweise die Fragen zum Studium oder die Zweifel. Es ist also wichtig, dass wir alle gut erreichen und im gesamten Raum gut vertreten sind.

AllgäuHIT: Was ist im Jahr 2022 geplant?

Claudia Zucknik: Wir freuen uns darauf, wenn Treffen wieder persönlich stattfinden können und wir auch präsent an Schulen und Hochschulen vertreten sein können. Die Onlineformate sind eine gute Alternative, da sie auch mit weniger Hürden verbunden sind. Man merkt allerdings, dass dadurch auch einiges verloren geht. Beispielsweise die Interaktion zwischen den Menschen, da viele die Kamera ausschalten und man somit die Mimik der Zuhörer nicht sehen kann.

AllgäuHIT: Man geht ja immer mit Hoffnungen und Wünschen in das neue Jahr hinein. Wir haben anfangs ja bereits die Zahlen gehört, da gibt es ja noch einiges zu tun im Bereich von Studenten, die nicht aus akademischen Familien kommen.

Claudia Zucknik: Wir planen für dieses Jahr im März wieder bayernweit Onlineformate mit anderen Gruppen durchzuführen. Es wäre natürlich optimal, wenn wir auch wieder in Präsenz auftreten könnten und wir würden dieses Jahr auch gerne wieder mit der Hochschule Kempten zusammenarbeiten und die verschiedenen Schulen im Allgäu zu besuchen. Aufgrund der aktuellen Situation ist die Bedarfslage allerdings eine andere als normalerweise, deshalb hoffen wir, dass dieses Jahr auch wieder Platz für solche Themen an den Schulen ist.

AllgäuHIT: ArbeiterKind.de ist auf ehrenamtliche Arbeit angewiesen. Haben Sie aktuell auch Bedarf?

Claudia Zucknik: Auf jeden Fall. Aktuell sind wir 7 Personen, die das Allgäu bespielen und wir suchen immer nach Personen, die sich engagieren wollen. Dabei ist die Voraussetzung nicht, dass man aus einer Familie kommt in welcher man als Erste/-r studiert. Es geht vielmehr darum, dass man sich für Bildungsgerechtigkeit einsetzen und dazu einen Beitrag leisten möchte. Wir sind auch bei den Zeitfenstern sehr flexibel. Jeder kann so viel Zeit investieren, wie er möchte und kann. Wir freuen uns immer über Personen, die mithelfen und unterstützen möchten.

AllgäuHIT: Was geben Sie allen Interessierten mit, die eventuell auch durch Corona einen Rückschlag erlitten haben?

Claudia Zucknik: Man sollte darauf achten, dass man von Personen umgeben ist, die einem guttun und Unterstützung leisten, auch in schwierigen Zeiten. Zudem ist es wichtig positiv in die Zukunft zu blicken und optimistisch zu sein.


Der Radio-Programmbeitrag zum Nachhören:



Tags:
sonntalk studium arbeiterkind unterstützung bewerbung kempten


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