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Harald Jahnel vom Memminger Bauhof sorgt in Memmingen für geräumte Straßen
(Bildquelle: Stadt Memmingen)
 
Memmingen
Dienstag, 19. Januar 2016

Wie funktioniert eigentlich der Winterdienst in Memmingen?

Harald Jahnel vom Bauhof im Interview

Der Elektriker Harald Jahnel, 52 Jahre, ist seit mehr als 25 Jahren im Bauhof der Stadt Memmingen beschäftigt. Im Winterdienst war er zuerst als Handräumer im Einsatz, seit rund 20 Jahren fährt er Schneepflug im Gebiet um Dickenreishausen.

Frage: Diesen Winter hat es bisher kaum geschneit. Bedeutet das für Sie als Schneepflugfahrer eine ruhige Zeit?

Jahnel: Wenn wir nicht im Winterdienst sind, erledigen wir im Bauhof andere Arbeiten, die anfallen. Wir haben immer etwas zu tun.

Frage: Haben Sie weiße Weihnachten vermisst?

Jahnel: Für meine Familie und mich war es natürlich schön, dass ich nicht wie sonst oft zum Winterdienst raus musste. Da kann ich Ihnen eine kleine Anekdote erzählen. Einmal schneite es an Heiligabend dicke Flocken. Wir wollten gerade Bescherung machen, da läutete das Telefon und ich musste los zum Schneeräumen. Kurzerhand sind meine Frau und meine Kinder mitgekommen und haben mich ausnahmsweise im Schneepflug begleitet. Es war eigentlich ganz idyllisch, durch die weiße Winternacht zu fahren und in den Fenstern die beleuchteten Christbäume zu sehen. Als wir nach drei Stunden wieder daheim waren, haben wir statt Fondue zu machen alles schnell in der Pfanne angebraten.

Frage: Sind Sie Frühaufsteher?

Jahnel: Ja, das bin ich immer schon gewesen. Sonst ist man im Winterdienst auch fehl am Platz.

Frage: Wann beginnt im Winterdienst Ihr Arbeitstag?

Jahnel: Wenn der Stramot, der motorisierte Straßenwärter, die Mitarbeiter im Winterdienst alarmiert, heißt es um 3 Uhr aufstehen. Um halb vier Uhr geht’s dann mit dem Räumfahrzeug los. Bis zum Berufsverkehr um sieben Uhr sollten wir fertig sein. Wir kommen ja alle auf nicht geräumten Straßen zur Arbeit, das ist manchmal gar nicht so einfach. Wir sind stark der Witterung ausgesetzt und brauchen alle gute Winterreifen. Weil wenn wir steckenbleiben, hilft uns keiner. Und alle anderen warten auf unsere Hilfe. In Extremfällen kam es auch schon vor, dass wir erstmal den Weg für die Kollegen frei räumen mussten, weil sie sonst nicht zum Bauhof gekommen wären.

Frage: Was war Ihr längster Einsatz?

Jahnel: Sie werden es nicht glauben, aber das waren zwei Tage. Damals bin ich um 3 Uhr los bis 21:30 Uhr. Dann ist mein Pflug kaputt gegangen. Ich musste das Fahrzeug enteisen und zu den Kollegen in die Werkstatt bringen. Wir haben es die ganze Nacht repariert und um 3 Uhr ging es gleich weiter mit Schneepflugfahren. Wenn es richtig schneit, können wir es uns nicht erlauben, das Fahrzeug einen Tag stehen zu lassen. Normalerweise dauert eine Tour mit Räumen und Streuen von 3 Uhr bis ca. 7:30 Uhr.

Frage: Ist das Schneepflugfahren nicht einsam?

Jahnel: Wir unterhalten uns über Funk und geben die aktuelle Straßensituation weiter. Es kann innerhalb von Memmingen sehr unterschiedlich sein. Wenn es in Dickenreishausen und Eisenburg schneit, kann in der Innenstadt alles ruhig sein.

Frage: Haben Sie eine Thermoskanne Kaffee dabei?

Jahnel: Nein, während der Fahrt habe ich eine Hand am Lenkrad und die andere am Bedienpult. Eine Kaffeepause mit Lagebesprechung machen die Kollegen und ich im Bauhof nach der ersten Tour.

Frage: Was gefällt Ihnen am Winterdienst besonders gut?

Jahnel: Die unberührte Schneelandschaft zu sehen. Am liebsten fahre ich auf einer schneebedeckten Straße, auf der vor mir noch keiner gefahren ist. Das erlebt man eher außerhalb der Stadt. Während in der Innenstadt die Nachtschwärmer unterwegs sind, ist draußen kaum Verkehr und es gibt viel stärkere Schneeverwehungen. Wenn die weiße Straße im Rückspiegel frei und sauber ist, dann freut man sich. Der Erfolg ist gleich sichtbar.

Frage: Wieviel PS hat Ihr Schneeräumfahrzeug?

Jahnel: 230 PS. Im Einsatz fahre ich maximal 40 Stundenkilometer. Ansonsten bringt das Streuen nicht den gewünschten Effekt.

Ich habe mit meinem Fahrzeug schon einiges erlebt, es wird jetzt 30 Jahre alt. Mein Erkennungsmerkmal ist das zusätzliche Nummernschild, auf dem „ICEBREAKER“ steht. Das bin ich.

Frage: Haben Sie Erfahrungen mit nörgelnden Bürgerinnen und Bürgern gemacht?

Jahnel: Es gibt schon manchmal wehende Schaufeln zum Abschied. Die Leute sind nicht begeistert, wenn wir in die frisch geschippte Einfahrt den Schnee zurückschieben. Aber das lässt sich leider nicht immer vermeiden. Generell habe ich den Eindruck, dass unsere Arbeit von Menschen, die auswärts wohnen, mehr wertgeschätzt wird. Sie wissen genau, um wie viel Uhr der Schneepflug kommt, und fahren gleich danach auf der frisch geräumten Straße zur Arbeit.

Frage: Wer ist bei Ihnen zu Hause fürs Schneeräumen zuständig?

Jahnel: Der Papa. Aber die anderen räumen auch mal Schnee, wenn ich im Einsatz bin. Der Rückhalt der Frau und der Familie ist im Winterdienst sehr wichtig.

Vielen Dank für das Interview, Herr Jahnel.

Info:

Der städtische Bauhof hat im Winterdienst 31 Räumfahrzeuge und mehr als 45 Handräumer im Einsatz. Insgesamt werden vom Bereitschaftsdienst des Bauhofs rund 280 Kilometer Straßen, 100 Kilometer Rad- und Gehwege, 30 Bushaltestellen und mehr als 20 Parkplätze geräumt. Der Bauhof hat zu Fragen rund um den Winterdienst ein Servicetelefon eingerichtet: Tel. (08331) 95540.


Tags:
interview winterdienst bauhof Harald Jahnel



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