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Memmingen
Donnerstag, 29. Oktober 2020

Stracke im Gespräch mit Memminger Gesundheitsamt

Vor dem Hintergrund der stetig wachsenden Infektionszahlen tauschte sich der Allgäuer Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke (CSU) mit der Leiterin des städtischen Gesundheitsamtes Memmingen Dr. Daniela Schönhals und ihrer Stellvertreterin Dr. Katrin Himpel zur aktuellen Situation vor Ort aus. Das Robert-Koch-Institut meldete deutschlandweit zuletzt einen Rekordwert von fast 17.000 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages. Die Zahl intensivmedizinisch behandelter Covid-19-Patienten hat sich innerhalb von nur zwei Wochen auf knapp 1.600 Patienten mehr als verdoppelt. In Memmingen steht die Corona-Ampel auf dunkelrot.

„Wir müssen die Welle an Neuinfektionen jetzt brechen. Andernfalls wird eine vollständige und möglichst frühe Nachverfolgung der Fälle nicht mehr möglich sein und das Infektionsgeschehen läuft komplett aus dem Ruder. Bestes Beispiel hierfür ist die Bundeshauptstadt Berlin, in der teilweise die Nachverfolgung aufgegeben wurde. Dann kann der Anstieg an Neuinfektionen nur durch einschneidende Beschränkungen begrenzt werden", warnte Stracke. "Einen Lockdown wie im Frühjahr will jedoch niemand“, machte der Abgeordnete klar. Mit den beiden Ärztinnen sprach der Abgeordnete, der auch gesundheitspolitischer Sprecher der CSU im Deutschen Bundestag ist, darüber, vor welche Herausforderungen das Gesundheitsamt tagtäglich gestellt ist und inwieweit die Nachverfolgung der Kontakte derzeit noch möglich ist.

Die deutschlandweite Entwicklung der Pandemie sehe man auch in Memmingen, führten Schönhals und Himpel aus. Waren in Memmingen bis Juni 51 Personen mit Covid-19 infiziert, so hat sich diese Zahl von Juli bis Oktober auf mehr als 280 verdreifacht. Jedem Einzelfall werde nachgegangen mit dem Ziel, alle Kontaktpersonen so schnell wie möglich zu ermitteln. Dies sei derzeit deutlich zeitaufwändiger als im Frühjahr, erklärten die Ärztinnen. In der ersten Pandemiewelle habe man bei jedem Infizierten durchschnittlich maximal fünf Kontakte nachverfolgen müssen. Diese niedrige Zahl sei klar auf die zügigen Beschränkungen in den Monaten März und April zurückzuführen. Jetzt in der zweiten Welle stelle sich die Situation ganz anders dar. Nun gelte es im Schnitt mindestens 20 bis 30 Kontaktpersonen zu ermitteln, nach größeren Feiern oder bei Infektionen in Schulen sogar noch deutlich mehr. „Jetzt kommen die infizierten Personen aus dem Sommer und damit quasi mitten aus dem Leben in all seiner Vielfalt“, erklärte Schönhals dazu. Dies und die insgesamt deutlich gestiegene Zahl an täglichen Neuinfektionen bedeute für das Gesundheitsamt einen unglaublichen Kraftakt in der Ermittlung und Beobachtung der Kontaktpersonen.

Wie die Leiterin ausführte, bringe der derzeitige enorme Aufwand das verhältnismäßig kleine städtische Gesundheitsamt deutlich ans Limit. Lediglich neun Köpfe zählt die Stammbesetzung des Memminger Amtes. Sehr dankbar sei man deshalb für die Unterstützung, die man aus der Stadtverwaltung sowie aus anderen Behörden des Freistaates oder auch durch die Bundeswehr erhalte. Leider stünden diese externen Kräfte nur befristet bis maximal sechs Wochen zur Verfügung und häufig nicht in Vollzeit oder an den Wochenenden. Wenn wie am vergangenen Wochenende 27 neue Fälle aufbranden, bedeutete dies, dass dann mit der Stammbelegschaft nahezu durchgearbeitet werden muss.
 
Sichtlich beeindruckt von der Dauerbelastung des Gesundheitsamts in schwierigen Zeiten dankte der Abgeordnete den beiden Ärztinnen stellvertretend für das gesamte Team für die geleistete Arbeit an vorderster Front. "Das ist schlicht großartig, unglaublich fordernd und in dieser Intensität nicht auf Dauer durchhaltbar", stellte Stracke fest. „Alle Gesundheitsämter sind in der Pandemie massiv gefordert. Offen zeigt sich, dass die Ämter für einen Pandemiefall wie den jetzigen weder personell noch technisch gerüstet waren. Der Bund hat den Handlungsbedarf erkannt und greift den Ländern im Rahmen des „Paktes für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“ mit insgesamt vier Milliarden Euro unter die Arme“, erklärte Stracke. Die Gesundheitsämter in der jetzigen Lage zu stärken, sei nur über Personalaufstockung möglich. Dies sei aber ein mittelfristiger Prozess. Daher ist es gut, dass beispielsweise Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr kurzfristig für Entlastung sorgen.

Insgesamt habe man auch im Memminger Gesundheitsamt festgestellt, dass sich die Tonlage in Teilen der Bevölkerung geändert habe. Die Stimmen derer, die die gebotenen Maßnahmen als übertrieben erachteten, würden zwar nicht deutlich mehr, aber dafür lauter. So berichteten Schönhals und Himpel, dass die Betroffenen bei der Benennung von Kontaktpersonen ganz überwiegend gut mitmachen würden. Deutlich nachgelassen habe jedoch die Akzeptanz von Quarantänemaßnahmen. Insbesondere dann, wenn bei engen Kontaktpersonen negative Testergebnisse vorliegen, zeigten immer weniger Verständnis dafür, dass sie dann noch für 14 Tage in Quarantäne müssten. "Die Quarantäne ist jedoch erforderlich, da die Inkubationszeit bei maximal 14 Tagen liegt", betonte Schönhals.

„Natürlich lässt die Geduld bei vielen mit zunehmender Dauer der Pandemie nach. Das ist nachvollziehbar. Es hilft aber nichts. Wir müssen die rasante Ausbreitung des Virus stoppen. Dabei sind alle gefordert", appellierte Stracke. "Wir müssen unsere eigenen sozialen Kontakte deutlich reduzieren. Das hilft ganz konkret auch unseren Gesundheitsämtern bei ihrer wichtigen Arbeit", unterstrich der Abgeordnete. "Klare Priorität hat weiterhin, dass Kitas und Schulen offen bleiben, und dass die Wirtschaft weiterlaufen kann. Um dies zu erreichen, müssen die Kontakte nun vor allem im Freizeitbereich und im Privaten eingeschränkt werden. Jetzt kommt es tatsächlich auf jeden Einzelnen an!“


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Gesundheitsamt Coronavirus Allgäu Bundestag


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