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Stephan Thomae (rechts) war in Lesbos vor Ort
(Bildquelle: Abgeordnetenbüro)
 
Kempten
Mittwoch, 21. Oktober 2020
Ein Bericht von Christian Veit

Provisorium auf Lesbos darf kein Dauerzustand werden

Vor kurzem erschütterte der Brand des Flüchtlingslagers Moria auf Lesbos (Griechenland) die Welt. Zehntausende Flüchtlinge waren von einem Tag auf den anderen obdachlos und leben seitdem in einem provisorischem Lager. Der Allgäuer Bundestagsabgeordnete Stephan Thomae hat sich im Rahmen seiner Aufgabentätigkeit als Bundestagsabgeordneter nach Griechenland begeben und die Situation live und vor Ort angesehen. In einem Exklusivinterview mit Radio AllgäuHIT erzählt der Politiker von seinem Besuch dort.

Radio AllgäuHIT: Wie kam es dazu, dass Sie nach Lesbos geflogen sind?
Stephan Thomae:
Ich bin ja im Deutschen Bundestag zuständig für die Innen- und Rechtspolitik und das Thema Migration/Flucht/Asyl ist ein innenpolitisches Thema, weil die Menschen einen Aufnahmeantrag bei uns stellen und mit einem Asylantrag integriert werden müssen. Dementsprechend sind das klassische Themen der Innenpolitik. Wenn man dann über so ein Thema auch entscheiden muss bzw. politische Aussagen treffen muss, dann ist es auch gut zu wissen: Was ist das für eine Situation vor Ort? Was sind das für Menschen? Wie sind diese untergebracht in den Ländern, in denen sie ankommen? Und deswegen war schon lange geplant, dass ich mir solche Lager anschaue. Es sind dann aber leider bisher immer wieder irgendwelche Dinge dazwischengekommen, aber jetzt war es mal endlich so weit, dass ich nach Lesbos fahren konnte.

Radio AllgäuHIT: Am bekanntesten ist von dort das Lager "Moria" - das auch niedergebrannt ist. Wie sieht es dort aus?
Stephan Thomae:
Also Moria ist ganz und gar abgebrannt. Es gab früher das eigentliche Lager "Moria", das umgeben war von einem Zaun, sogar mit Stacheldraht, das für 2.500 Menschen gedacht war. Am Ende war das Lager aber dann von über 5.000 Personen bewohnt gewesen - also sehr beengte Verhältnisse. Um das Lager herum wuchs dann der sogenannte "Dschungel", denn es waren ja viel mehr Menschen in Moria. Etwa 12-13.000 mehr, als überhaupt in dem Lager lebten und sich deshalb in den Olivenfeldern drum herum ansiedelten. Dazu verwendeten sie Holz, Leinwänder, Bretter, Wellbleche und alles was sie finden konnten und das ist dann alles komplett abgebrannt.

Radio AllgäuHIT: Vorübergehend werden die Flüchtlinge in ein provisorisches Lager einquartiert. Wie sind hier die Zustände?
Stephan Thomae:
Dicht an dicht. Für den Winter nicht eingerichtet. Also wenn es zu regnen anfängt, steht dort alles unter Wasser. Es gibt keinen elektrischen Strom im gesamten Lager. Es gibt kein fließendes Wasser. Man kann nicht ordentlich duschen. Man kann sich zwar waschen, wenn man an solche Behälter geht, an denen man Wasser abzapfen kann, aber das kann auch nicht der Standard sein. Ansonsten gibt es sehr viel UNHCR- Betreuung. Viel Polizeiüberwachung. Es ist ein sehr provisorisches Lager und aktuell ist die Befürchtung, dass dieses Provisorium zu einem Dauerzustand wird, denn wie wir wissen: Nichts ist dauerhafter als ein Provisorium. Das kann in der Zukunft noch zu schwierigen Verhältnissen führen.

Radio AllgäuHIT: Was sagen die Einheimischen zu der ganzen Flüchtlingssituation?
Stephan Thomae:
Wenn man mit den Leuten hier spricht und zwar, seien es die Offiziellen, also Mitglieder des Municipal-Parlaments, das ist sowas wie der Kreistag hier, oder auch mit NGO-Vertretern, oder mit Insulanern bzw. Gewerbetreibenden, dann sagen die alle das Gleiche: "Es könne nicht sein, dass die Bewohner der Inseln über Jahre hinaus alles abfangen müssen, was aus der Türkei über das Mittelmeer kommt. Es müsse als gesamteuropäische Aufgabe gesehen werden, diese Flüchtlinge zu empfangen, unterzubringen und dann zu verteilen."

Radio AllgäuHIT: Wie sieht es mit den Coronamaßnahmen aus?
Stephan Thomae:
Bei der Ankunft in Griechenland, bzw. schon davor auf der Reise dahin muss man ein Formular ausfüllen. Das sogenannte "Passenger Location Form - PLS", in dem man gewissen Angaben machen muss, wie zum Beispiel, woher man kommt und dergleichen. Am Flughafen in Athen werden dann per Algorithmus zufällig Passagiere ausgewählt, die dann als Testpersonen vorübergehend für 24 Stunden in Quarantäne müssen. Ich hatte dabei Glück und musste das nicht machen, hätte aber sonst auch eine Negativbescheinigung dabei gehabt, die nicht älter als 24 Stunden war von einem Labor hier aus Kempten. Aber ansonsten werden in Griechenland die Coronavorschriften in den Gaststätten und Hotels durchaus streng eingehalten, schon ähnlich wie bei uns.


Tags:
Lesbos Allgäu Flüchtlinge Provisorium FDP


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