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Allgäu
(Bildquelle: AllgaeuHIT)
 
Kempten
Donnerstag, 31. Juli 2014

Arbeitsmarkt im Allgäu stabil

Mehr jüngere Menschen ohne Job

Stabile Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt im Allgäu - das signalisiert die Arbeitslosenquote von drei Prozent im Juli. Denn bereits im Juni wurde dieser Wert erreicht und auch im Vorjahr gab es mit 2,9 Prozent ein ähnlich günstiges Ergebnis. Aktuell waren bei den Vermittlern der Arbeitsagentur und in den sieben Jobcentern 10.777 Menschen arbeitslos gemeldet, 239 mehr als im Monat zuvor. Arbeitgeber äußerten einen höheren Bedarf an Arbeitskräften. Für Vermittlungsaktivitäten standen insgesamt 4.432 Stellenangebote aus der Region zur Verfügung, die höchste Zahl der letzten Monate.

Arbeitslose Menschen
„Im Juli meldete sich eine Reihe junger Menschen nach Abschluss ihrer Ausbildung vorübergehend arbeitslos. Viele können meist innerhalb kurzer Zeit eine neue Beschäftigung aufnehmen, denn ihre aktuellen beruflichen Kenntnisse sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt“, sagt Peter Litzka, Leiter der Agentur für Arbeit Memmingen. „Etliche von ihnen planen ab Herbst auch den Besuch einer weiterführenden Schule oder ein Studium.“ Allein die Zahl der jugendlichen Arbeitslosen unter 20 Jahren nahm im Juli um 67 Kräfte zu. Wenn man sich den Kreis der Jüngeren unter 25 Jahren betrachtet, ergibt sich ein Zuwachs um knapp 300 Personen im Vergleich zum Monat zuvor. Insgesamt sprachen im Juli 3.250 Frauen und Männer neu bei den Vermittlern vor, 550 mehr als im Juni. Gleichzeitig endete aber auch für etwas mehr als 3.000 Menschen ihre Arbeitslosigkeit wieder.

Arbeitsaufnahmen erfolgten in der Lagerwirtschaft, im Verkauf und im Reinigungsgewerbe. Dennoch waren das gleichzeitig die Bereiche, in denen die meisten Menschen weiterhin nach einer neuen Beschäftigung suchten. Um bei drohender Arbeitslosigkeit die Chancen auf eine neue Beschäftigung zu vergrößern, hilft ein möglichst frühzeitiger Termin beim Arbeitsvermittler. Das zeigen die Beispiele eines Berufskraftfahrers, eines Maschinen- und Anlagenführers sowie einer medizinischen Fachangestellten, die eine neue Tätigkeit beginnen konnten, ohne dass sie überhaupt arbeitslos wurden.

Qualifizierung bringt weiter
Mit aktuellen beruflichen Kenntnissen steigen die Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz. Deshalb führt die Agentur für Arbeit immer wieder Qualifizierungen durch. Demnächst starten eine Umschulung zum Industriemechaniker sowie ein Kurs im Bereich Elektronik. Dass derartige Qualifizierungen erfolgreich sind, zeigen Beispiele von Maschinen- und Anlagenführern, Fachlageristen und Industriemechanikern. Nach erfolgreichem Abschluss konnten alle 20 neu qualifizierten Kräfte eine neue Arbeit aufnehmen.

Nicht nur für arbeitslose Menschen ist berufliche Weiterbildung wichtig. Um das Risiko, arbeitslos zu werden, zu verringern, kann die Arbeitsagentur unter bestimmten Voraussetzungen auch Arbeitgeber fördern, die Mitarbeiter ohne Berufsabschluss qualifizieren. So laufen derzeit einige Weiterbildungen im Bereich der Altenpflege.

Steigender Kräftebedarf
Der Stellenmarkt setzte im Juli positive Signale, denn die Nachfrage nach Arbeitskräften nahm im Vergleich zum Vormonat deutlich zu. Knapp 1.300 Stellenangebote stellten Arbeitgeber neu zur Verfügung. Stark gefragt waren insbesondere Tätigkeiten im Umgang mit Metall. Im Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Metallbearbeitung waren allein annähernd 300 neue Jobs zu besetzen. Im Tourismus ist derzeit wegen der Ferienzeit Hauptsaison am Bodensee und im südlichen Ost- und Oberallgäu. Deshalb wurden besonders Fachkräfte wie Köche und Servicepersonal gesucht. Das Baugewerbe hatte weiter Hochsaison. Knapp 80 Beschäftigungsmöglichkeiten für Maurer, Zimmerer, Baugerätefahrer und weitere artverwandte Berufe meldeten Betriebe neu zur Besetzung. Der Logistiksektor bot eine ganze Reihe von Stellen für Berufskraftfahrer und Lagerfachpersonal an.

Die Personengruppen
Die Arbeitslosigkeit entwickelte sich bei den verschiedenen Personengruppen unterschiedlich. Während bei den Jüngeren im Juli ein Zuwachs zu verzeichnen war, ging sie bei den Älteren zurück. Bei Menschen, die bereits seit längerem ohne Job sind, war ebenfalls eine Zunahme erkennbar.

Etliche Jüngere im Alter bis 25 Jahre wurden nach Abschluss ihrer Ausbildung nicht übernommen, ihre Zahl nahm um knapp 300 Personen auf 1.367 arbeitslose Menschen zu. Bei den Älteren – dazu zählen lt. Statistik Menschen ab 50 Jahren – war ein geringfügiger Rückgang zu erkennen. Aktuell waren 25 Frauen und Männer weniger ohne Beschäftigung als im Monat zuvor. Mit über 4.000 Menschen ist diese Gruppe jedoch weiter am stärksten bei den Arbeitslosen vertreten. Gerade in diesem Kreis gibt es viele Menschen, die aufgrund ihrer Berufserfahrung manche „Fachkraftlücke“ in Betrieben füllen könnten. Mehr als jeder fünfte Arbeitslose ist bereits seit über einem Jahr ohne Beschäftigung. In Zahlen: 2.346 Menschen zählen zu dieser Gruppe, die innerhalb des letzten Monats um 45 Personen angewachsen ist.

Regionale Entwicklungen im Jahresvergleich
Wenn man einen Blick auf die kommunalen Strukturen im Agenturbezirk wirft, erkennt man, dass in den meisten Regionen aktuell mehr Menschen arbeitslos gemeldet waren als im Vorjahr. In den kreisfreien Städten Kempten und Memmingen nahm die Arbeitslosenquote um 0,2 bzw. 0,3 Prozentpunkte zu. Einen leichten Anstieg meldeten auch die Landkreise Oberallgäu, Ostallgäu und das Unterallgäu. Weiterhin kann sich jedoch der Arbeitsmarkt im Unterallgäu mit einer Quote von 2,1 Prozent auch deutschlandweit sehen lassen. Erfreulich gegen den Trend entwickelte sich der Arbeitsmarkt im Landkreis Lindau und in der Stadt Kaufbeuren. In beiden Regionen ging die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich etwas nach unten.

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung und in der sozialen Grundsicherung
Seit Einführung der sozialen Grundsicherung werden arbeitslose Menschen von der Arbeitsagentur und in den Jobcentern betreut. Die Arbeitsagentur ist vor allem für Menschen zuständig, die kurzzeitig ohne Beschäftigung sind. Auch wegen der Arbeitslosmeldungen jüngerer Menschen nach Abschluss ihrer Ausbildung waren hier im Juli 310 Frauen und Männer mehr arbeitslos gemeldet als noch im Monat zuvor. Bei den sieben Jobcentern, die für arbeitslose Menschen in der sozialen Grundsicherung zuständig sind, waren im Monatsvergleich 71 Personen weniger arbeitslos gemeldet. Die Agentur für Arbeit kümmerte sich im Juli um knapp 6.200 arbeitslose Menschen, die sieben Jobcenter waren für 4.578 arbeitslose Frauen und Männer zuständig.

Ausbildungsmarkt auf der Zielgerade
Nur noch wenige Wochen sind es bis zum traditionellen Start des neuen Ausbildungsjahres Anfang September. Wie in den vergangenen beiden Jahren zeigte sich der Ausbildungsmarkt auch dieses Mal wieder als Medaille mit zwei Seiten. Was für junge Menschen günstig ist, nämlich der anhaltende Überhang an offenen Ausbildungsplätzen, entwickelt sich für manchen Arbeitgeber zum Problem. Seit Beginn des Beratungsjahres stellten Betriebe gut 5.400 Lehrstellen zur Verfügung, 100 mehr als im Jahr zuvor. Bei den Berufsberatern meldeten sich demgegenüber annähernd 4.300 junge Menschen als Bewerber um eine Ausbildungsstelle. Auch dies bedeutete eine starke Steigerung im Vergleich zum Vorjahr, jedoch reichte dieses Plus nicht aus um den rechnerischen Bedarf an Azubis zu erreichen.

Auch wenn sich bis zum Start des neuen Ausbildungsjahres noch etwas verändern kann, sieht es bereits jetzt danach aus, dass nicht jeder gemeldete Ausbildungsplatz am 1. September besetzt sein dürfte. Derzeit sind im Agenturbezirk noch 1.669 Ausbildungsplätze nicht vergeben. Gleichzeitig hatten im Juli 983 junge Menschen keine ihren Wünschen entsprechende Ausbildungsstelle gefunden.


Tags:
arbeitsmarkt allgäu bodensee wirtschaft



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