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Polizeifahrzeug
(Bildquelle: AllgäuHIT)
 
Kaufbeuren
Montag, 2. Dezember 2013

Badesalz als Droge löst Großeinsatz aus

Schussähnliche Geräusche aus Wohnung in Kaufbeuren

Um kurz nach 23 Uhr erreichte die Einsatzzentrale der Polizei die Meldung über einen stark verwirrten und aggressiven Mann in einer Wohnung in der Dessestraße, der vermutlich Drogen konsumiert habe. Noch vor Eintreffen der Polizei nahmen die Mitarbeiter des Rettungsdienstes schussähnliche Geräusche aus der Wohnung des Verwirrten wahr und warteten das Eintreffen der Polizei ab.

Da nicht auszuschließen war, dass der Wohnungsinhaber im Besitz einer Schusswaffe sein könnte, wurde seitens der Polizei ein Sondereinsatzkommando in München und die Verhandlungsgruppe des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West alarmiert. Zusätzlich wurden weitere Streifenwagen zugezogen.

Konsument durch Polizeibeamten überwältigt
Noch vor Eintreffen der Spezialeinheit und der Verhandlungsgruppe gelang es den Kaufbeurener Polizeibeamten, den Kontakt zu dem Wohnungsinhaber aufzunehmen, ihn letztlich vor seiner Wohnung zu überwältigen und ihm Handschellen anzulegen. Dabei leistete er Widerstand, durch den der Mann leicht verletzt wurde. Die Einsatzkräfte blieben unverletzt. Da nicht klar war, was für Stoffe der Mann konsumiert hatte, wurde er anfangs zur Überwachung in ein Krankenhaus, später wegen seines psychischen Zustands in ein Bezirkskrankenhaus eingeliefert.

Weißes Pulver aufgefunden
Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung, die zusammen mit einem Rauschgifthund stattfand, wurden insgesamt über 100 Gramm eines weißen Pulvers, sowie entsprechende Rauschgiftutensilien aufgefunden. Vermutlich konsumierte der Mann im Laufe des Abends dieses Pulver, was bei ihm zur erhöhten Aggression und dem psychischen Ausnahmezustand führte. Eine Schusswaffe konnte nicht gefunden werden. Demnach ist noch unklar, was die schussähnlichen Geräusche verursachte. Die Bearbeitung dieses Falles wurde von der Kriminalpolizei Kaufbeuren übernommen.

Begriff täuscht Verharmlosung vor
Dem ersten Anschein nach handelt es sich bei dem weißen Pulver um eine synthetische Substanz, die mittels der Bezeichnung „Badesalz“ vom Anbieter verharmlost werden soll. Die exakte Stoffbestimmung wird durch Chemiker des Landeskriminalamtes vorgenommen und liegt noch nicht vor.

Im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West wurden in den Jahren 2012 und 2013 bislang knapp 35 Fälle mit sogenannten „Badesalzen“ bzw. „Legal Highs“ registriert. Durch den verharmlosenden Szenebegriff werden die Konsumenten über die Gefährlichkeit der Stoffe getäuscht; es handelt sich dabei in der Regel um synthetische Stoffe, die stark gesundheitsgefährdend sein können und über das Internet vertrieben werden.

Der Leiter der Kriminalpolizei Kaufbeuren, Andreas Trinkwalder, warnt eindringlich vor dem Gebrauch dieser Stoffe: "Auch wenn der Konsum von Badesalzen und Kräutermischungen auf den ersten Blick harmlos scheint, so kann dieser dennoch sehr schnell zu einer Abhängigkeit führen. Als Symptome können beispielsweise erhöhte Aggressivität oder massive Psychosen mit Wahnvorstellungen beobachtet werden. Die gesundheitliche Langzeitschäden sind nicht absehbar und häufig ganz massiv. Die Stoffe fallen zwischenzeitlich überwiegend unter das Betäubungsmittel- oder das Arzneimittelgesetz. Der unerlaubte Umgang ist daher in fast allen Fällen strafbar."


Tags:
badesalz droge polizei allgäu



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