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(Bildquelle: Pixabay)
 
Allgäu
Mittwoch, 9. November 2022

Wirtschaft im Allgäu in Abwärtsspirale

Die Wirtschaft im Landkreis Unterallgäu und in der Stadt Memmingen wird von multiplen Angebots- und Nachfrageschocks sowie vielfältigen Risiken stark belastet. Der regionale IHK-Konjunkturindex, der sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die künftigen Erwartungen der Unternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen widerspiegelt, ist im Vergleich zur Vorumfrage um 27 Punkte auf 80 Punkte eingebrochen. Im Vergleich: Der IHK-Konjunkturindex in Bayerisch-Schwaben ist weniger stark zurückgegangen, um 25 auf 85 Punkte.

Grund für diesen Einbruch sind die pessimistischen Erwartungen der Unternehmerinnen und Unternehmer aus Landkreis und Stadt für die kommenden zwölf Monate. 53 Prozent der Befragten erwarten eine Verschlechterung ihrer Situation. Dies sind 14 Prozentpunkte mehr als im Frühjahr 2022. Lediglich fünf Prozent rechnen mit einer Verbesserung – die restlichen 42 Prozent erwarten keine Veränderungen. Im Gegensatz dazu zeigt sich die aktuelle gesamtwirtschaftliche Lage weiterhin stabil. So berichten 83 Prozent der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer aus Memmingen und dem Unterallgäu von einer guten oder befriedigenden Geschäftslage. 17 Prozent der Unternehmen bewertet ihre derzeitige wirtschaftliche Situation als schlecht.

Andrea Thoma-Böck, IHK-Regionalvorsitzende Memmingen und Unterallgäu: "Die regionale Wirtschaft steckt das dritte Jahr in Folge im Krisenmodus fest. Die gute Nachricht lautet aber auch, die Wirtschaft stemmt sich bislang erfolgreich gegen die Krise. So beurteilen lediglich 17 % der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht, dagegen 83 % als gut oder befriedigend. Die wirtschaftlichen Folgen der Krisen nehmen allerdings immer mehr Unternehmen ihre Zuversicht. So erwarten zwischenzeitlich 53 % der Unternehmen, dass sich die Geschäftslage deutlich verschlechtern wird."

Die Industrie ist in Memmingen und Unterallgäu stark ausgeprägt. Neben den Energiepreisen belastet auch die Verringerung des Auftragsvolumens in China, den USA und im Euro-Raum. Die Industrie kommt gerade von vielen Seiten unter Druck. Der Produktionsstandort Deutschland steht in Frage – von Produktionsverlagerungen ins Ausland bis hin zur Schließung ganzer Fertigungsbereiche.

Hohe Risiken, weniger Aufträge und Investitionen, robuster Arbeitsmarkt

Die hohen Energie- und Rohstoffpreise stellen die Unternehmen vor teils existenzielle Herausforderungen. Hinzu kommen der Fachkräftemangel, die nachlassende Inlandsnachfrage aufgrund der Inflation sowie steigende Arbeitskosten. Diese Risiken werden durch einen Blick auf das Auftragsvolumen verstärkt. 39 Prozent der befragten Unternehmen verzeichnen einen Rückgang ihrer Inlandsaufträge. Bezüglich des Auslands liegt der Anteil bereits bei 55 Prozent. Die gegenwärtige Lage sorgt auch für rückläufige Investitionsabsichten. 32 Prozent aller Unternehmen in Memmingen und dem Unterallgäu möchten in den nächsten Monaten ihre Investitionen im Inland reduzieren, im Frühjahr 2022 lag dieser Anteil lediglich bei 24 Prozent. Positiv ist dagegen, dass der regionale Arbeitsmarkt vorerst robust bleibt. Rund 80 Prozent aller Unternehmen möchten die Zahl ihrer Beschäftigten auf konstantem Niveau belassen oder sogar erhöhen.

Dr. Albert Schultz, Vizepräsident der IHK Schwaben: "Insbesondere aufgrund der schlechten Erwartungen für die nächsten Monate halten sich manche Unternehmen in ihrer Investitionsbereitschaft zurück. Positiv ist dagegen zu vermelden, dass 80% aller Unternehmen in Memmingen und Unterallgäu ihre Beschäftigten auf konstantem Niveau belassen oder sogar erhöhen möchten."

Abwärtstrend der Industrie belastet Landkreis und Stadt

Die Wirtschaft im Landkreis Unterallgäu sowie in der Stadt Memmingen wird vom produzierenden Gewerbe geprägt. Demensprechend stark trifft den regionalen Wirtschaftsstandort die schlechte Stimmung in der Industrie. Infolge der immensen Preissteigerungen bei Energie und stockenden Lieferketten bricht der Branchenindex besonders stark ein.

Abwärtstrend in der gesamten Region

Auch im Allgäu (Landkreise Oberallgäu, Ostallgäu, Unterallgäu und Lindau sowie die kreisfreien Städte Memmingen, Kempten und Kaufbeuren) befindet sich die Wirtschaft in einer Abwärtsspirale. Der regionale IHK-Konjunkturindex für die südlichste Region Bayerisch-Schwabens bricht im Vergleich zur Frühjahrsumfrage um 20 Punkte auf 90 Punkte ein. Er liegt damit über dem Durchschnitt Bayerisch-Schwabens von 85 Punkten.

Keine Branche bleibt von der schlechten Stimmung verschont

Die derzeitigen Krisen treffen alle Branchen. Die Industrie leidet beispielsweise unter den extremen Preissteigerungen bei Energie und stockenden Lieferketten. Der regionale Konjunkturindex für die Produktionsunternehmen im Allgäu ist insbesondere aufgrund der pessimistischen Erwartungen um 20 Punkte auf 91 Punkte dramatisch eingebrochen. So gehen 44 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem produzierenden Gewerbe von einer Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Situation in den nächsten zwölf Monaten aus. Ein Alarmsignal sind die aufgrund der Krisen spürbar negativen Investitionsabsichten der Produktionsunternehmen im Allgäu. 30 Prozent der Befragten möchten ihre inländischen Investitionen senken. Sollte dieser Trend anhalten, würde dies die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standortes langfristig schwächen und zu einer Deindustrialisierung führen. Auch im Reise- und Gastgewerbe ist der branchenspezifische IHK-Konjunkturindex nach 101 Punkten im Frühjahr 2022 auf nun 68 Punkte eingebrochen. Die Aussichten für die nähere Zukunft sind auch hier stark eingetrübt. So erwarten 68 Prozent aller Branchenunternehmen eine negative Wirtschaftsentwicklung - eine weitere Verschlechterung um 55 Prozentpunkte im Vergleich zum Frühjahr 2022. Dagegen bewertet das Reise- und Gastgewerbe seine aktuelle Lage noch überwiegend positiv. Dies berichten 44 Prozent der Befragten im Tourismus des Allgäus.

Um eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation zu verhindern, müssen die von den IHKs geforderten und von der Politik nun angekündigten wirtschaftspolitischen Maßnahmen schnellstmöglich umgesetzt werden. So sollte beispielsweise die Laufzeit der Kohle- und Kernkraftwerke so lange wie nötig verlängert werden, da die Energieversorgung und Preissituation auch im Winter 2023/24 eine Herausforderung bleiben wird. Ebenso sollten die Vorschläge der Gaskommission bezüglich der Preisbremsen schnell umgesetzt werden. Die Vollversammlung der IHK Schwaben fordert ebenso ein Belastungsmoratorium auf nationaler und europäischer Ebene, um langfristige ökonomische Schäden zu verhindern und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu erhalten.

Auch der Fachkräftemangel lässt sich nach Überzeugung der IHK Schwaben nur mit einer nachhaltigen Strategie lösen. Durch mehr Aus- und Weiterbildung sowie einer gezielten Einwanderung in den deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt lässt sich dem Arbeits- und Fachkräftemangel begegnen.

Dr. Albert Schultz, Vizepräsident der IHK Schwaben: "Die beiden größten Herausforderungen für die Wirtschaft sind mit großem Abstand die hohen Energiepreise und der Fachkräftemangel. Mit den vorgelegten Gas- und Strompreisbremsen macht der Staat einen wichtigen Schritt zur Entlastung der Unternehmen, der unter gegebenen Bedingungen auch in einer Marktwirtschaft zeitlich begrenzt Sinn macht. Neben der reinen Symptom-Bekämpfung noch wichtiger aber ist die Erschließung zusätzlicher Quellen für Strom und Wärme. Wir müssen alles dafür tun, das nach wie vor knappe Angebot an Energie auszubauen und damit die Explosion der Energiepreise abzumildern – das gilt auch mit Blick auf den Winter 2023/24 fortfolgende. Daher wäre es nach meiner Einschätzung klug, sich auf einen Weiterbetrieb der am Netz befindlichen Kernkraftwerke über den von der Bundesregierung festgesetzten Zeitpunkt im Frühjahr 2023 vorzubereiten."


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inflation wirtschaft ihk allgäu


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