Moderator: Hits der 70er bis Heute
 
 
Zwei Jungwölfe im Veldensteiner Forst, Landkreis Bayreuth - Auch hier gibt es entsprechende Risse
(Bildquelle: Bayerische Staatsforsten)
 
Allgäu
Freitag, 10. August 2018

Wars der Wolf? Vier tote Kälber im Oberallgäu bestätigt

Landesamt für Umwelt spricht mit Landwirten vor Ort

Dem Landesamt für Umwelt (LfU) sind in den vergangenen Tagen vier Fälle von tot aufgefundenen Kälbern im Landkreis Oberallgäu gemeldet worden. Die Fälle werden derzeit detailliert untersucht, um zu klären, ob es sich möglicherweise um Risse durch einen Wolf handelt. Die bisher vorliegenden Indizien lassen noch keine endgültige Bewertung zu und deuten auch nicht zwingend auf einen Wolf hin. Insbesondere fehlen noch die Ergebnisse der genetischen Analytik, die in der Regel etwa 14 Tage in Anspruch nimmt. Das LfU bemüht sich, die Ergebnisse so schnell wie möglich zu erhalten.

Bisher ist bekannt: Ein Kalb in Burgberg starb durch massive, stumpfe Gewalteinwirkung. Ein (mittel)großer Beutegreifer (Wolf oder Hund) als Verursacher ist nicht auszuschließen.

Ein Kalb in Wertach weist keine Verletzungen an Hals, Nacken oder Rücken auf, jedoch an den beiden Hinterbeinen eine massive, eher stumpfe Gewalteinwirkung und Quetschungen von außen. Auch hier ist als Verursacher ein großer Beutegreifer (Wolf oder Hund) möglich.

Im Fall eines weiteren toten Kalbes, das bei Wertach gefunden wurde, liegt das Untersuchungsergebnis der Zweituntersuchung (siehe unten) noch nicht vor. Daher ist derzeit noch keine vorläufige Bewertung möglich.

Die Auffindesituation und Merkmale an den Körpern der beiden toten Kälber in Kranzegg könnten nach einer ersten Sichtung durch Experten auf eine Totgeburt und anschließenden Befraß, zum Beispiel durch einen Fuchs, hinweisen. Auch hier wurde jedoch eine genetische Untersuchung eingeleitet.

Aufgrund der Häufung der Fälle wird das LfU gemeinsam mit der Landwirtschaftsverwaltung und dem zuständigen Landratsamt einen Runden Tisch organisieren. Dort sollen die bisherigen Erkenntnisse dargestellt und die notwendigen Konsequenzen und möglichen Vorsorgemaßnahmen mit den Nutztierhaltern erörtert werden. Vorsorgemaßnahmen sind in jedem Fall sinnvoll – unabhängig davon, ob es sich um einen wildernden Hund oder tatsächlich um einen Wolf handelt.

Generell ist das Vorgehen in derartigen Verdachtsfällen wie folgt: Bei toten Nutztieren übernimmt ein vom LfU geschultes Mitglied des Netzwerks Große Beutegreifer eine erste Untersuchung vor Ort und legt dazu eine Dokumentation an. Dabei werden nicht nur die Verletzungen dokumentiert (Fotos), sondern auch die Gesamtsituation. Weiterhin werden Proben zur genetischen Untersuchung genommen. So kann mit modernster Technik (DNA-Analyse) geklärt werden, ob es sich tatsächlich um einen Wolf als Verursacher handelt. In einem zweiten Schritt erfolgt eine Untersuchung des Kadavers in der Tierkörperbeseitigungsanlage durch einen Amtsveterinär. Das LfU führt beide Dokumentationen zusammen und bewertet das Ereignis, gegebenenfalls unter Berücksichtigung der Genetik.

Die Genproben werden im Senckenberg-Institut für Wildtiergenetik untersucht. Dieses Labor wurde auf Beschluss der Länderarbeitsgemeinschaft Naturschutz als Referenzlabor für alle Genanalysen in Deutschland zu Ereignissen mit Wölfen ausgewählt; die Vergabe übernahm das Bundesamt für Naturschutz in Abstimmung mit den Ländern. Wenn ein Wolfsriss vorliegt, erhält der Nutztierhalter eine umfängliche Entschädigung durch den Ausgleichsfonds Große Beutegreifer.

Derzeit wird der Bayerische Aktionsplan Wolf erarbeitet. Der Aktionsplan stellt klar, dass beim Umgang mit dem Wolf in Bayern zwei Dinge im Mittelpunkt stehen:

  • Die Sicherheit der Menschen hat oberste Priorität.
  • Die Staatsregierung bekennt sich zur Weidetierhaltung in Bayern. Die Weidetierhaltung muss auch bei Wolfsanwesenheit ohne unzumutbare Mehraufwendungen flächendeckend und dauerhaft erhalten bleiben.

Für die vorliegende Situation sind die Maßnahmen und Strukturen in den bereits seit Jahren existierenden Wolfsmanagementplänen 1 und 2 festgelegt. (pm)

Das Landesamt für Umwelt in Bayern klärt auf:
Häufig gestellte Fragen im Zusammenhang mit dem Wolf und Antworten (FAQ)

Weitere Informationen, insbesondere auch zu den Kriterien des standardisierten Monitorings und früheren Wolfsnachweisen in Bayern, hier.
 


Tags:
wolf allgäu landwirtschaft bayern



DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN:
Widerstand der Landwirte auch im Allgäu - „Weiter so wie bisher“ darf es nicht geben!
Über ein Jahrzehnt nach den massiven bundes- und europaweiten Protesten der Milchbäuerinnen und -bauern hat sich in der Landwirtschaft wieder eine ...
Brand einer Feldscheune im Oberallgäu - Brandstiftung derzeit nicht ausgeschlossen
Am Sonntagfrüh gegen 02:00 Uhr wurde der Polizei in Sonthofen der Brand einer Feldscheune im Ortsteil Bad Oberdorf mitgeteilt. Die Streifen der Polizeiinspektion ...
Pflanzen für den Klimaschutz im Allgäu - Realschüler pflanzen 500 Bäume am Wiesenbühl
500 Baumsetzlinge haben die Schüler der achten Klassen der Realschule Füssen letzte Woche am Wiesenbühl gepflanzt. Organisiert hatte die Aktion die ...
Drohnenausbildung in Kaufbeuren gefordert - Abgeordneter Pohl fordert schnelle Umsetzung der Drohnenausbildung
Der Kaufbeurer Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl hat in einem Schreiben an Bayerns Innenminister Joachim Hermann und Staatskanzleichef Dr. Florian Herrmann nochmals die ...
Wolf im südwestlichen Oberallgäu fotografiert - Fotofalle hält Tier auf einem Bild fest
Laut Mitteilung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) wurde am 12. Oktober 2019 im südwestlichen Teil des Landkreises Oberallgäu ein wolfsartiges ...
1. FC Sonthofen spielt mit beiden Teams am Wochenende - Auswärtsspiel der Ersten in Illertissen - Zweite empfängt Kottern
Beide Sonthofer Fußballmannschaften sind am Wochenende im Einsatz. Beide Teams treffen auf "bekannte Namen". Die erste Mannschaft reist zum ...
© 2019 AllgäuHIT - Baumann & Häuslinger GbR • Richard-Wagner-Str. 14 • 87525 Sonthofen - Tel: 08321-676 1360
Die Nutzung der Nachrichten von AllgäuHIT, auch in Auszügen, ist ausschließlich für den privaten Bereich freigegeben.
Eine Nutzung für den gewerblichen Bereich erfordert eine schriftliche Genehmigung der Baumann & Häuslinger GbR
MEINE REGIONALNACHRICHTEN
Meine Allgäu-Region wählen ...
 
Kleinwalsertal Kempten Oberallgäu Kaufbeuren Ostallgäu Memmingen Unterallgäu Bodensee
LIKE UNS BEI FACEBOOK
 
DIE LETZTEN 3 GESPIELTEN TITEL
 
Krautschädl
Mocht jo nix
 
Lemo
Souvenir
 
Dua Lipa
Be The One
AKTUELLE BILDERGALERIEN
 
AllgäuHIT-Bildergalerie
Wolf gesichtet
 
AllgäuHIT-Bildergalerie
Unfall auf B308 bei Oberstaufen
 
AllgäuHIT-Bildergalerie
Schwerer Unfall auf B308
 
 
Radio einschalten Ihr Spot bei uns Glasklarer Empfang Datenschutz/Impressum