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(Bildquelle: AllgäuHIT)
 
Allgäu
Montag, 23. November 2020
Ein Bericht von Maren Bestehorn

Produktivität und Herausforderungen im Homeoffice

Die Corona Krise hat viele Veränderungen hervorgebracht. Dazu gehört auch, dass Unternehmen verstärkt Homeoffice für ihre Mitarbeiter anbieten. Wie wirkt sich diese plötzlich neue Arbeitssituation aber auf die Produktivität der Arbeit aus und wie bewerten die Arbeitnehmer diese neue Form der Arbeit? 

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Dazu sprechen wir mit Professor Florian Kunze von der Universität Konstanz, der eine repräsentative Befragung und Studie zu dieser Thematik durchgeführt hat.
 
Radio AllgäuHit: Herr Professor Kunze wie schätzen Sie nach den Erkenntnissen Ihrer Studie die Produktivität der Arbeitnehmer im Homeoffice ein?

Professor Florian Kunze: Wir sehen in der Studie, die wir bei uns an der Universität Konstanz durchgeführt haben und bei der wir 700 Erwerbstätige über längere Zeit während der Corona Pandemie im Homeoffice begleitet haben, dass die selbsteingeschätzte Produktivität doch sehr hoch ist. Wir haben da wirklich erstaunlich hohe Werte festgestellt: Über 85 fast 90 Prozent der Befragten stimmten zu, dass sie ihre Produktivität, wenn sie flexibel und mobil von zuhause arbeiten als sehr hoch einschätzen. Im Vergleich zu Studien, die vor Corona mit Erwerbstätigen durchgeführt wurden, die in Präsenz gearbeitet haben, sind das wirklich sehr hohe Werte. 


Radio AllgäuHit: Viele Arbeitgeber, viele Unternehmen wollen das Homeoffice dauerhaft etablieren. Welche Vorteile sehen sie nach den Erkenntnissen ihrer Studie im Homeoffice? 

Professor Florian Kunze: Es gibt verschiedene Vorteile. Zum einen ist es für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein hoher Gewinn an Motivation und Engagement, der dadurch entsteht, dass man große Freiheitsgrade hat, sich seine Zeit von der Arbeit her selber einzuteilen. Gleichzeitig entsteht aber auch ein Gewinn an großer Flexibilität wie man seinen Tag gestaltet, also auch wie man die Mischung zwischen Privat- und Berufsleben gut hinbekommt. Hier spielt auch die viel größere Freiheit rein, die sich dadurch ergibt, dass man vorher immer von neun bis fünf Uhr im Büro oder sogar noch länger sein musste. Zum anderen denke ich, dass es auch Vorteile für Unternehmen gibt, die auch hervortreten. Viele Unternehmen sagen, dass sie das Homeoffice weiter fortführen wollen. Einerseits ergeben sich dabei Vorteile auf der Kostenseite, da man Büroarbeitsplätze einsparen kann, aber anderseits auch mehr Mitarbeiter gewinnen kann und auch in einer anderen Form gewinnen kann. 


Radio AllgäuHit: Kann Homeoffice das traditionelle Arbeiten vielleicht sogar ganz ersetzen? Wie wichtig ist die Präsenztätigkeit für Unternehmen und Arbeitgeber?

Professor Florian Kunze: Nein ich glaube komplett ersetzen nicht und aus der Unternehmensperspektive oder Arbeitgeberperspektive ist es auch so, dass es aus meiner Sicht zwingend notwendig ist, dass man für manche Situationen zusammenkommt und sich austauscht. Insbesondere ist es dann notwendig, wenn es darum geht im Team zusammenzuarbeiten, kreativ und innovativ zu sein oder auch Netzwerke in Organisationen aufzubauen. Da ist es einfach wichtig, dass man gut zusammenarbeitet. Natürlich gibt es jetzt immer bessere digitale Möglichkeiten. Wir haben heutzutage alle die Möglichkeit der Videokonferenz beziehungsweise viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber das kann den Austausch in Präsenz nie ganz ersetzen. Deshalb glaube ich, dass es die gute Mischung zwischen Präsenztätigkeit und mobilem Arbeiten ist, wo wir hinmüssen - auch nach Corona, wenn die Pandemie hoffentlich vorbei ist. 


Radio AllgäuHit: Woran müssen Arbeitgeber aus ihrer Sicht arbeiten, um ein dauerhaftes und beständiges Homeoffice zu ermöglichen? 

Professor Florian Kunze: Da gibt es einige Ansatzpunkte. Wir haben das auch in der aktuellsten Publikation unserer Studie gesehen, zu der wir im Oktober explizit nach den Rahmenbedingungen gefragt haben, die Unternehmen und  Arbeitgeber setzen müssen. Das erste, was aus meiner Sicht ganz wichtig ist, wäre, dass Mitarbeiter, die dauerhaft von zuhause arbeiten sollen, auch die Infrastruktur zur Verfügung gestellt bekommen. Dazu gehört eine gute IT-Ausstattung, eine gute Computerausstattung, aber auch ein guter Arbeitplatz, an dem man gut arbeiten kann. Das zweite ist auch, dass man die Mitarbeiter auch fortbilden muss, wie man gut im Homeoffice arbeitet, wie man seinen Tag gut strukturiert und wie man gut kommuniziert sowohl als Mitarbeiter als auch als Führungskraft. 


Radio AllgäuHit: Was wünschen sich Arbeitnehmer im Bezug auf Homeoffice? 

Professor Florian Kunze: Arbeitnehmer wünschen sich auf jeden Fall, dass dieses mobile Arbeiten, diese Flexibilität weitergeht und eine gute Mischung zwischen der Präsenzarbeit und dem Arbeiten im Homeoffice. Zudem wünschen sie sich Rahmenbedingungen von den Unternehmenn und  - man kann das auch sicher politisch denken, politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, sodass das gut funktioniert. Ich denke niemand möchte zu dem Status zurück, den wir vor Corona hatten, als fast alle Mitarbeiter oder Arbeitnehmer in Deutschland rein in Präsenz gearbeitet haben. Aus meiner Sicht sind diese Zeiten vorbei, denn diese Veränderung der Arbeitswelt, die wir im Bereich des mobilen Arbeitens durch Corona haben, wird relativ nachhaltig sein. 


Tags:
allgäu Homeoffice produktivität im homeoffice mobiles arbeiten


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