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Allgäu
Dienstag, 6. Dezember 2022

Größte süddeutsche Wasserstoffregion auf gutem Weg

Von klimaneutralen Bussen und Lkw bis zur Bodenseeschifffahrt – HyAllgäu-Bodensee zieht zum Start der zweiten Projektphase ein positives Zwischenfazit. Der Projektverbund hat vorhandene Potenziale für Wasserstoffanwendungen in der Bodenseeregion und im Allgäu analysiert, konkrete Vorhaben und wegweisende Ideen zusammengeführt und ein breites Netzwerk von heimischen Unternehmen, Kommunen und weiteren Akteuren aufgebaut.

So könnten beispielsweise mehrere Buslinien im Landkreis Lindau bereits ab 2024 auf Wasserstoff umgestellt werden. Die geplante Umrüstung erster Bodenseeschiffe, die Wasserstofferzeugung aus Wind und Photovoltaik in Buchloe, der Einsatz von Brennstoffzellen-Lkw in Kaufbeuren und die Errichtung von vier Wasserstofftankstellen sind weitere Startpunkte einer Wasserstoffwirtschaft in der Region. Bis Ende März 2023 wird das Umsetzungskonzept für eine regionale Wertschöpfungskette des klimafreundlichen Energieträgers konkretisiert. Die Beteiligung des heimischen Mittelstands ist dabei ausdrücklich erwünscht.

„Wir freuen uns über das große Interesse in der Region. Seit April dieses Jahres wurden Gespräche mit über 120 Akteurinnen und Akteuren geführt, die sich mit innovativen Ideen und bereits konkreten Projekten einbringen. Das ist schon für sich ein toller Erfolg und bestätigt noch einmal, dass wir mit grünem Wasserstoff auf dem richtigen Weg sind. Regional und auch überregional aus Wind und Sonne produziert, macht er uns unabhängiger von Energieimporten, bringt Wertschöpfung nach Hause und trägt zum Klimaschutz bei“, so Elmar Stegmann, Landrat im Landkreis Lindau (Bodensee), der die Federführung im Projekt HyAllgäu-Bodensee übernommen hat.

Am 6. Dezember zieht der Projektverbund HyAllgäu-Bodensee anlässlich eines Abstimmungstreffens ein positives Zwischenfazit: Seit Beginn der Arbeiten im April 2022 konnten überall in der Region unterschiedliche Vorhaben im Planungs- und Vorbereitungsstadium identifiziert und ausgewertet werden. Dazu wurden zahlreiche Einzelgespräche geführt und zwei gut besuchte Fachveranstaltungen organisiert, die in Lindau und Friedrichshafen durchgeführt wurden. Ziel dieser konzeptionellen Arbeiten ist es, überall in der Region grünen Wasserstoff mit Anwendungsprojekten zusammenzubringen.

„Schon heute erkennen wir aus diesen Arbeiten die Konturen einer neuen Wasserstoffwirtschaft. Bis 2030 könnten etwa 1.000 bis 3.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr in der Gesamtregion nachgefragt werden. Darauf sollten wir uns hier vor Ort einstellen und nicht darauf warten, dass andere uns zuvorkommen“, erläutert Elmar Stegmann. „Dabei hilft uns das Projekt HyAllgäu-Bodensee, indem es ökologische und wirtschaftliche Potenziale aufzeigt, Vorhaben konkretisiert und dazu die richtigen Menschen zusammenbringt.“

In der zweiten Projektphase, die Anfang Dezember gestartet ist, sollen die nun vorhandenen Elemente zu einem großen Gesamtbild zusammengefügt werden. Dabei werden sowohl Fragen der benötigten Mengen und der Zeitplanung als auch die räumliche Verfügbarkeit und benötigte Technik berücksichtigt: Wo könnte Wasserstoff produziert werden? Wo in der Region werden Tankstellen benötigt – und ab wann? Wie kommt der Wasserstoff dorthin und welche Druckstufen müssen bei der Betankung für Pkw, Lkw und Busse angeboten werden? All dies wird im Detail betrachtet und auf diesem Wege auch neue Ideen und Vorhaben angeregt.

Im Landkreis und in der Stadt Lindau, in Kaufbeuren und im Landkreis Ostallgäu wurden dazu mögliche Potenziale für Wasserstofftankstellen-Standorte identifiziert. Konkrete Vorhaben in deren räumlichem Umfeld werden nun zu Clustern verdichtet und gemeinsam weiter ausgearbeitet. So könnten im Landkreis Lindau bereits ab 2024 die sechs Busse der neuen bzw. neu geführten Linien 11, 12, 21 und 22 mit Wasserstoff klimaneutral fahren. Private Betreiber wollen hier außerdem als „early adopter“ die ersten Brennstoffzellen-Lkw und weitere Wasserstoffbusse in Betrieb nehmen. In der Stadt Lindau (Bodensee) konzentrieren sich die Aktivitäten neben der Umrüstung der Bodenseeschifffahrt u. a. auf den Einsatz von Wasserstoff-Lkw durch eine Spedition. Auch die Möglichkeit, Wasserstoff vor Ort zu produzieren, wird geprüft. In Kaufbeuren stehen Schwerlast-Lkw mit Brennstoffzellenantrieb im Mittelpunkt der Betrachtungen. Diese Antriebsform zeigt gerade bei schweren Fahrzeugen mit hohem Energiebedarf besondere Vorteile gegenüber dem batterieelektrischen Antrieb. Im Landkreis Ostallgäu schließlich liegt der Fokus am Standort Buchloe auf der Erzeugung von grünem Wasserstoff mit Windenergieanlagen und Photovoltaik. Auch die zukunftsweisende Nutzung von Wasserstoff in dekarbonisierten Industrieprozessen wird vorangetrieben.

In Kempten, Oberallgäu wie auch in Memmingen und dem Unterallgäu sowie auch in den angrenzenden Regionen bis nach Österreich können auf dieser Grundlage weitere Cluster folgen. Insgesamt soll auf diese Weise die größte Wasserstoffregion im Süden Deutschlands zur Energiesicherheit und zum Klimaschutz beitragen. Die Beteiligung für Unternehmen und insbesondere den heimischen Mittelstand ist ausdrücklich erwünscht und jederzeit möglich.

Das Projekt wird im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP2) mit insgesamt 400.000 Euro durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) gefördert.

„Wir freuen uns über die Fortschritte in der HyExperts-Region HyAllgäu-Bodensee. Das große Interesse der Akteure vor Ort an dem Projekt zeigt deutlich, wie akut die Überlegungen hinsichtlich der Umstellung auf alternative Kraftstoffe bereits sind. Die Umstellung will vorbereitet sein, durch Vernetzung und konkrete Planungen in Bezug auf die Projekte. Jetzt gilt es die Vorhaben entlang der Wertschöpfungskette von Wasserstoff in eine Machbarkeitsstudie zu übertragen, und den nächsten Schritt hin zur umsetzenden Wasserstoffregion zu machen“, sagt Alexander Gehling, Programm Manager im NIP und Koordinator der HyLand Regionenförderung der NOW, die das Förderprogramm im Auftrag des BMDV koordiniert.

Voraussichtlich am 23.März 2023 wird das finale Umsetzungskonzept in Kaufbeuren vorgestellt, das Produktion, Anwendung, Transport und Speicherung und damit eine lückenlose regionale Wertschöpfungskette für den klimafreundlichen Energieträger umfasst.

HyAllgäu-Bodensee

Unter dem Titel „HyAllgäu*-Bodensee“ arbeitet ein Projektverbund aus zehn Gebietskörperschaften in Bayern und Baden-Württemberg mit weiteren Partnern zusammen an einer regional verankerten Wasserstoffwirtschaft. Gemeinsam soll analysiert werden, wie ein Absatzmarkt für grünen Wasserstoff in der vielfach ländlich geprägten Region mit mehreren urbanen Zentren konkret aufgebaut werden und mit kurzen Lieferketten und effizienten Prozessen zu hoher regionaler Wertschöpfungstiefe beitragen kann. Die Analyse konzentriert sich auf den Zeitraum 2023–2030 und setzt einen Schwerpunkt auf Mobilität und Logistik.

Das Projektgebiet umfasst eine Fläche von rund 4.800 km2 mit ca. 800.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Zahlreiche kommunale und privatwirtschaftliche Unternehmen aus der Region, Stadtwerke, Energieversorgungs- und Entsorgungsbetriebe, Transport- und Logistikunternehmen und Schifffahrtsbetriebe sowie Hochschulen sind Teil des Projektverbunds.

HyAllgäu-Bodensee baut unter der Federführung des Landkreises Lindau auf dem erfolgreichen HyStarter-Projekt „Wasserstoffregion Ostallgäu“ auf und schlägt eine Brücke zum HyExperts-Projekt „HyAllgäu“ des Landkreises Oberallgäu und der Stadt Kempten, die als assoziierte Partner an das aktuelle Projekt angegliedert sind. Die umfassende Konzeptentwicklung wird im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP2) mit insgesamt 400.000 Euro durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) gefördert.

Um das Konzept einschließlich Machbarkeitsstudie auszuarbeiten, wurde ein Konsortium aus Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH (LBST), BBH Consulting AG (BBHC) und motum GmbH beauftragt. Das Ergebnis wird im April 2023 erwartet.


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