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Allgäu
Mittwoch, 31. Oktober 2018

Duale Ausbildung im Allgäu im Aufwind

Trotzdem bleiben viele Stellen unbesetzt

Fast jeder fünfte Auszubildende ist ein Abiturient, jeder achtzehnte ein Flüchtling. Jeder zehnte Betrieb hat keine Bewerber. 9.359 eingetragene Ausbildungsverhältnisse registriert die IHK Schwaben zum 30.10.2018, das sind 2,9 Prozent mehr als im Vorjahr (9.092). Bezogen auf die drei Arbeitsamtsbezirke sind es in Augsburg 2.988, in Kempten 3.742 und in Donauwörth 2.464 Ausbildungsverträge.

Trotz der Steigerung in ganz Schwaben ist die IHK nicht zufrieden. Denn viele Unternehmen gingen leer aus. Mehr als jeder dritte Betrieb in Deutschland findet keine geeigneten Kandidaten, so eine Online-Unternehmensbefragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) vom Juli 2018. Mehr noch: Etwa jedes zehnte Unternehmen in der Region verzeichnet inzwischen einen absoluten Mangel. Das heißt, die Betriebe erhalten überhaupt keine Bewerbung auf einen ausgeschriebenen Ausbildungsplatz. Einige Branchen sind besonders betroffen, wie etwa Hotellerie und Gastronomie, in anderen, wie etwa der Industrie, ist der Mangel weniger stark ausgeprägt.

Der nach wie vor herrschende Trend zur Akademisierung und sinkende Schülerzahlen sind zwei Gründe, weshalb nicht alle Stellen besetzt werden können. Oftmals scheitert der Vertrag jedoch auch an zehn bis 15 km Entfernung. Minderjährige sind beim Start der Ausbildung in der Regel auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angewiesen. Das schränkt die Wahl möglicher Arbeitgeber ein, denn die Alternative, am Ausbildungsort zu wohnen, kommt aufgrund der dafür anfallenden Kosten meist nicht in Frage. Ein weiterer Grund für fehlende Bewerbungen: Ausbildungsplätze in Städten sind für manche Jugendliche attraktiver als diejenigen in ländlichen Regionen.

Über 400 Betriebe bilden erstmals aus
Besonders erfreulich für die IHK Schwaben ist die jährlich steigende Anzahl von kleineren und mittleren Betrieben, die ausbilden. Zum Ausbildungsstart 2018 sind es mehr als 400 Firmen. Oft starten sie mit einem einzigen Auszubildenden in die duale Ausbildung. Diese Arbeitgeber bieten oft hoch interessante Ausbildungsberufe an, wie etwa Bauzeichner, technischer Systemplaner oder Produktdesigner. Auffallend ist diese Entwicklung insbesondere bei Architekturbüros und kleineren IT-Firmen.

Zielgruppenspezifische Maßnahmen zeigen Wirkung
Die IHK spricht junge Menschen seit einigen Jahren mit der Kampagne „Lehre macht Karriere“ zielgruppenspezifisch an. „Hätten wir nicht über 500 junge Flüchtlinge bis zum Herbst in die Ausbildung gebracht, müssten wir ein deutliches Minus verzeichnen. Diese fünf Prozent aller neuen Ausbildungsverträge haben dies verhindert. Deshalb ist diese Zielgruppe von großer Bedeutung für unsere Unternehmen.“, erklärt Peter Saalfrank, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben.

Um dringend benötigte Fachkräfte für die bayerisch-schwäbische Wirtschaft auszubilden, hat die IHK Schwaben das Projekt „Junge Flüchtlinge in Ausbildung“ gestartet. Seit 2015 bis 2017 sind allein 1.200 Flüchtlinge in IHK-Berufen in Ausbildung. Der Fachkräftemangel kann allein mit diesem Baustein jedoch nicht behoben werden. Auch wenn die Maßnahmen, Jugendliche mit Migrationshintergrund für eine duale Ausbildung zu gewinnen, ausgebaut werden. Peter Saalfrank weiter: „Ein potenzialorientiertes Fachkräftezuwanderungsgesetz könnte einen wichtigen Beitrag zur Lösung der angespannten Fachkräfte- und Arbeitsmarktsituation in Deutschland leisten.“

Daneben werden von der IHK Jugendliche ohne Ausbildungsplatz (JoA), die in speziellen Klassen an Berufsschulen unterrichtet werden, gezielt angesprochen und an Unternehmen vermittelt. Auch die Anzahl der Studienabbrecher, die sich für eine Ausbildung in Industrie, Handel oder Dienstleistung entschieden haben, ist leicht gestiegen. „Junge Menschen, die aus dem Studium aussteigen und in eine Ausbildung einsteigen, sind eine sehr wertvolle Zielgruppe. Sie werden in den Unternehmen sehr geschätzt und können dort hervorragende Karrierepfade einschlagen“, erläutert Oliver Heckemann, Leiter des Geschäftsbereichs Berufliche Bildung bei der IHK Schwaben.

IT-Kenntnisse sind gefragt
Wie anspruchsvoll die duale Ausbildung ist und dass sie die Jugendlichen durchaus vor Herausforderungen stellt, macht die Digitalisierung deutlich. Auf digitales Know-how wird branchenübergreifend in vielen Ausbildungsberufen zunehmend Wert gelegt. Um auch zukünftig wettbewerbsfähig zu sein, muss sich der Nachwuchs ganz gezielt Wissen aneignen. Auf großes Interesse stieß deshalb auch die von der IHK Schwaben 2018 ins Leben gerufene Zusatzqualifikation Digitale Kompetenz für Auszubildende und Facharbeiter. Das Pilotprojekt zählt auf Anhieb rund 590 Teilnehmer und kann deshalb momentan keine weiteren Interessenten aufnehmen.

Geheimtipp: Ausbildung und berufsbegleitendes Studium
Insbesondere Abiturienten verlassen nach Abschluss der dualen Ausbildung oft die Unternehmen, um ein Vollzeitstudium zu absolvieren. Für die Ausbildungsbetriebe ist das äußerst bedauerlich, denn ihnen gehen die gerade ausgebildeten Fachkräfte schon wieder verloren. Und es gibt Alternativen. Dazu Oliver Heckemann: „Das berufsbegleitende Studium wird häufig nicht in Betracht gezogen. Es ist jedoch ein echter Geheimtipp. Denn die so ausgebildeten Fachkräfte sind für Spitzenpositionen in den Unternehmen prädestiniert. Und die Unternehmen unterstützen diese Weiterbildung oft, etwa durch zeitlich begrenzte Freistellungen. Eine klassische Win-win-Situation, es gibt nur Gewinner.“(pm)

Entwicklung der Ausbildungszahlen nach Landkreisen:

  • Allgäu (Lkr. Unter-, Ost- und Oberallgäu): Im Vergleich zum Vorjahr wurden im Landkreis Unterallgäu aktuell 2,3 Prozent (in den techn. Berufen 9,2) und im Ostallgäu 5,3 Prozent mehr Ausbildungsverträge geschlossen. Im Oberallgäu haben wir insgesamt nur 1,0 Prozent mehr, in den technischen Berufen jedoch einen Zuwachs von 11,5 Prozent.
  • Lindau: Im Vergleich zum Vorjahr wurden im Landkreis Lindau 6,1 Prozent weniger Ausbildungsverträge geschlossen.

Tags:
DualeAusbildung Stellen IHK Aufwind



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