Moderator: Andreas Viktor
Sendung: Lovetime
mit Andreas Viktor
 
 
Mobbing ist schlimm
(Bildquelle: KJF)
 
Allgäu
Mittwoch, 27. Juli 2022

Allgäuer Experte gibt Tipps, wie Eltern Mobbing vorbeugen können

Laut Experten-Schätzungen ist jedes zweite Kind mindestens einmal im Laufe seiner Kindheit und Jugend von Mobbing betroffen, so Michael Leicht von der KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung Kempten. Er gibt Tipps zur Vorbeugung und wie Eltern gut reagieren, wenn ihr Kind gemobbt wird.

„Unter Mobbing versteht man, was früher Hänseleien hieß, aber in einem sehr ausgeprägten Ausmaß. Und natürlich finden diese Abwertungen, Beschimpfungen und Gewalttätigkeiten heute nicht mehr nur im realen Leben auf dem Pausenhof statt, sondern vermehrt in der virtuellen Welt in Nachrichtendiensten oder sozialen Netzwerken“, erklärt der KJF Erziehungsberater. Gründe dafür, warum jemand andere mobbt, gibt es viele. „Aber keinen einzigen guten“, sagt Michael Leicht. „Es geht darum, den eigenen Selbstwert aufzuwerten, indem ich andere abwerte. Dadurch bekomme ich Macht.“

Die Schule ist tatsächlich sehr häufig der Ort von Mobbing. „Aber nicht weil die Schule schlecht ist, sondern weil dort einfach viele verschiedene Kinder und Jugendliche aufeinandertreffen“, erklärt Michael Leicht. „Denn wo Menschen aufeinandertreffen, gibt es Konflikte. Besonders in der Schule, denn Klassenkameradinnen und -kameraden kann man sich nicht aussuchen. Stattdessen werden in der Schule alle Kinder ganz automatisch mit Entwicklungsthemen konfrontiert – wie etwa, seinen Platz in der Gruppe zu finden“, so der KJF Erziehungsberater. „Deshalb liegt die Lösung von Mobbing auch immer in der Gruppe, denn das Gegenteil davon ist soziale Kompetenz.“ In vielen Schulen gibt es mittlerweile Streitschlichter oder Modellprojekte wie „Schule gegen Mobbing“.

Gegen Mobbing braucht es laut Michael Leicht ganz klar eine präventive Haltung von Erwachsenen. Sie sollten den Kindern signalisieren: Wir tolerieren kein Mobbing und keine Gewalt und wer darüber spricht, dass er selbst oder jemand anderes gemobbt wird, ist mutig. „Es ist eine sehr komplexe soziale Aufgabe, Mobbing vorzubeugen“, erklärt der Erziehungsberater.

Gerade weil die Wahrscheinlichkeit so hoch ist, dass beinahe jeder im Laufe seines Lebens damit konfrontiert wird, hält Michael Leicht die Aufklärung darüber für so wichtig. „Eltern sollten ganz unaufgeregt ihren Kindern erklären, dass es Mobbing gibt. Denn wenn Kinder für solche Situationen sensibilisiert sind und Verhaltensstrategien kennen, dann wissen sie sich in der Situation eher zu helfen und trauen sich, um Hilfe zu bitten.“

Tipps des KJF Erziehungsberaters für Eltern:

Wissen über Mobbing vermitteln: Eltern können ihre Kinder für das Thema Mobbing sensibilisieren, ohne dabei zu dramatisieren oder zu verharmlosen. Ein guter Ansatz ist, dem Kind zu vermitteln, dass man diese Probleme gemeinsam lösen kann. Der Klassenverbund kann hierbei einen wichtigen sozialen Beitrag leisten. Wenn das Kind gerne in die Schule geht und sich dort wohlfühlt, ist dies eine gute Grundlage für schulischen Erfolg.

Im Gespräch bleiben: Eltern können ihre Kinder auch ganz konkret dabei unterstützen, ihren Platz in der Klasse oder einer anderen Gruppe zu finden – etwa dadurch, dass sie mit dem Nachwuchs über eigene Stärken und Schwächen sprechen. Vielleicht ist das eigene Kind nicht der geborene Sprecher vor der ganzen Klasse, aber im Sport geschickt oder spielt ein Instrument. Gemeinsam kann man den Blick immer wieder auf Positives lenken. Auch Selbstvertrauen lernen die Kinder von den Eltern. Zusätzlich ist es wichtig, dass Eltern wissen, in welchem sozialen System sich das Kind jeden Tag aufhält. Statt nur nach Proben oder Noten zu fragen, empfiehlt es sich, den Nachwuchs zum Erzählen einzuladen. Ein möglicher Einstieg ins Gespräch: Wie ging es dir heute in der Klasse?

Hilfe holen: Wenn Kinder Mobbing erleben und sich den Eltern anvertrauen, ist es elementar wichtig, dass diese ihre Kinder ernstnehmen. Auch wenn Eltern im ersten Moment vielleicht nicht sofort wissen, was konkret zu tun ist, können sie sagen: „Hier ist eine Grenze überschritten worden, ich weiß jetzt noch nicht sofort, was wir tun können, aber wir holen uns Hilfe. Auf jeden Fall war es sehr mutig, dass du es mir erzählt hast.“ Ansprechpartner finden Familien natürlich zuerst in der Schule, wenn das Mobbing dort passiert ist, aber auch bei den KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstellen. Telefonisch können sich Kinder und Jugendliche an die Nummer gegen Kummer unter 116111 und Eltern unter 0800 1110550 wenden.

Info: Bei Fragen rund um Erziehung und den Familienalltag helfen die KJF Erziehungsberaterinnen und Erziehungsberater unkompliziert und kostenfrei weiter. Sie unterliegen der Schweigepflicht.

Kontakt: KJF Kinder- und Jugendhilfe Kempten-Oberallgäu, Linggstraße 4, 87435 Kempten, Telefon 0831 522320, E-Mail eb.kempten@kjf-kjh.de. Offene Sprechstunde (keine vorherige Terminvereinbarung nötig) immer mittwochs von 13 bis 15 Uhr statt. Zusätzlich können auch die anonymen Onlineberatungen der Caritas oder der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e. V. (BKE) genutzt werden.




 

 

Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e. V. (KJF Augsburg)

Die KJF Augsburg ist einer der größten Anbieter für Gesundheits-, Sozial- und Bildungsdienstleistungen in Bayern. Seit 1911 bietet das Sozialunternehmen vor allem Kindern, Jugendlichen und Familien mit rund 80 Einrichtungen und Diensten Lösungen für die verschiedensten individuellen Bedürfnisse an: in der Kinder- und Jugendhilfe mit Kindertagesstätten, Stationären Wohnformen oder Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung; in Berufsbildungs- und Jugendhilfezentren, durch Angebote für Beruf und Arbeit sowie Integrationsunternehmen und -dienste; in der Medizin mit mehreren Kliniken; in verschiedenen Schulen. Darüber hinaus bildet die KJF Augsburg kontinuierlich annähernd 500 Fachkräfte für soziale und medizinische Berufe aus.

Als christlicher Verband katholischer Prägung ist für die KJF Augsburg und ihre rund 4.800 Mitarbeitenden jeder Mensch wertvoll, unabhängig von Herkunft, Status, Religion oder Kulturkreis. Vorstandsvorsitzender ist Markus Mayer, Vorsitzender des Aufsichtsrates Domkapitular Armin Zürn.

Zur Website der KJF Augsburg. Videos der KJF Augsburg finden Sie auf unserem YouTube-Kanal.


Tags:
mobbing hilfe unterstützung vorbeugung


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