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Wer an diese Ernährungsmythen glaubt, hat Tomaten auf den Augen. Wir klären auf!
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Allgäu
Freitag, 24. August 2018

10 populäre Mythen rund um die Ernährung

Auf der Spur: Smoothies, Essgewohnheiten und Co.

Die Ernährungswissenschaft ist eine Sparte für sich: Noch viel häufiger als in jeder anderen Wissenschaft werden hier Ergebnisse und Fakten revidiert, erneuert, ergänzt oder ersetzt. Hinzu kommen vor allem außerdem zahlreiche Hobby-Wissenschaftler, die sich nur sehr unprofessionell und oberflächlich mit der Materie auseinandersetzen oder einfach aus eigener Erfahrung sprechen und Gerüchte über vermeintlich gesundes Essverhalten in die Welt setzen. Dadurch entstehen im Laufe der Zeit zahlreiche Mythen, mit denen, zum Wohl und zur Entspannung aller, aufgeräumt werden muss. Zehn der populärsten und aktuell relevantesten Mythen stellen wir im Folgenden vor.

1. Grüne Smoothies sind genauso gesund, wie frisches Obst und Gemüse
Kaum etwas ist seit inzwischen schon mehreren Jahren vor allem bei Models und selbsternannten Ernährungs- sowie Abnehmspezialisten so beliebt wie Smoothies. Am besten in grün, denn dann ist eben viel Grünzeug darin enthalten und das ist ja gesund. Außerdem sind Smoothies praktisch, da man einfach schnell alles, was man am Tag an Vitaminen benötigt in den Mixer werfen kann und es nicht groß zubereiten muss und man somit mit wenigen Schlucken seinen Nährstoff-Tagesbedarf decken kann. Aber stimmt das alles?

Nicht wirklich. Sicher sind Smoothies eine leckere und gesunde Alternative zu zahlreichen anderen Getränken und vor allem natürlich zu Snacksünden, wie Schokolade, Chips & Co. Das aber sollte selbstverständlich sein. Die leckeren, meist grünen, Gemüse- und Obstdrinks können jedoch nicht mit ihren Ausgangsprodukten mithalten, denn so enthalten weniger Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe – gerade dann, wenn zusätzlich irgendein Saft dazugegeben wird. Sie helfen vor allem nicht beim Abnehmen. Denn sie sättigen durch ihr geringeres Volumen weniger als frisches Obst und Gemüse. Die Energiedichte ist dabei jedoch höher, womit man Gefahr läuft, mehr Kalorien aufzunehmen, als man das Gefühl hat. Zudem geht das „Kauerlebnis“ verloren. Wer außerdem zu abgepackten, also fertigen, Smoothies greift, statt diese selbst zu mixen, muss sich zusätzlich dem Problem der Verpackung (häufig aus Plastik) und der Zusatzstoffe, wie Zucker, Aromen usw. stellen.

2. Wer abends isst, nimmt schwieriger ab
Vor allem diejenigen, die gerne ein bisschen weniger auf den Hüften hätten, verzichten abends oftmals auf die Zufuhr von zu vielen Kalorien. Stattdessen wird einfach ein kleiner Salat gegessen, dazu höchstens noch eine magere Forelle oder ein dünnes Stück Fleisch. Doch eigentlich ist das Ganze ein Mythos, der sich in Studien nicht belegen lässt. Die DGE, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. bestätigt, dass die These, dass abendlicher Verzicht dünn mache, nicht ausreichend belegt ist. Es käme stattdessen einfach auf die Energie an, die über den ganzen Tag verteilt aufgenommen, bzw. verbraucht wird.

Im Klartext heißt das: Wer tagsüber und abends zu viel isst, wird zunehmen. Das Abendessen wegzulassen muss also nicht hilfreich sein – der Zeitpunkt ist nicht entscheidend. Wer die Kilos purzeln sehen möchte, sollte eher darauf achten, dass die Energiezufuhr dem Energiebedarf entspricht oder sogar leicht unter diesem liegt. Es gilt also: Nur so viel essen, wie der eigene Körper tagsüber an Energie verbraucht!

Die Allgäuer scheinen diesen Mythos übrigens längst zu kennen. Würden sie abends auf das Essen verzichten, wäre der Umsatz im bayerischen Gastgewerbe im ersten Halbjahr 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum wohl kaum derart drastisch gestiegen: Nominal wuchs er um 4,6 Prozent, real waren es 2,3 Prozent.

3. Wer wenig Kohlenhydrate zu sich nimmt, kommt schnell zur Traumfigur
Neben dem „abends wenig essen“ ist dies wohl der populärste der großen Abnehm-Mythen: Der Mythos, dass schnell die Traumfigur erreicht wird, indem einfach die Kohlenhydrate extrem reduziert werden. Immer wieder hat man in der Vergangenheit gelesen (und liest es auch heute noch häufig), dass Nudeln, Brot & Co. nicht nur dick machen, sondern sogar auch schlecht für die Haut und insgesamt einfach eher ungesund wären. Allerdings wird dabei unterschlagen, dass der Körper Kohlenhydrate braucht (z.B. im Gehirn in Form von Glucose), damit all seine Funktionen optimal erfüllt werden können. Kohlenhydrate sollten deshalb in jedem gesunden Ernährungsplan auftauchen – es kommt aber tatsächlich auf die richtige Wahl an. So sind Vollkornprodukte Weizenmehl, weißem Reis und Nudeln in jedem Fall vorzuziehen.

Es gibt so gesehen „gute“ und „schlechte“ Kohlenhydrate. Die guten, zu denen Vollkornbrot, gekochte Kartoffeln oder unpolierter Reis gehören, enthalten den sogenannten Vielfachzucker. Dieser wird im Körper langsamer aufgespalten werden. Das hält den Insulinspiegel über lange Zeit stabil und sättigt damit auch besser. Wer sich an die guten Kohlenhydrate hält, fördert damit die Verdauung und schützt sich durch deren hohen Vitamin-, Mineralien- und Ballaststoffgehalt vor Erkrankungen wie Diabetes, Darmkrebs oder sogar auch Fettleibigkeit (Adipositas).

Wer dennoch von einer Diät oder Abnehm-Kur nicht ablassen kann, der sollte, wie gesagt, nicht einfach die Kohlenhydrate weglassen, sondern ausgewogener vorgehen. Es gibt spezielle Diätformen, wie etwa die LCRF-Methode (Low Carb – Real Food), bei der die Kohlenhydratzufuhr nicht einfach nur eingeschränkt wird. Richtig ausgeführt berücksichtigt der Ansatz stattdessen alle für eine dauerhafte Gewichtsreduzierung notwendigen Gegebenheiten: Ein Kaloriendefizit, eine ausreichende Versorgung mit Protein und Mikronährstoffen bis hin zum Ermitteln der jeweils genau passenden Menge an Kohlenhydraten.

4. Jeder Mensch muss mindestens zwei Liter Wasser am Tag trinken
Ohne Wasser kein Leben. Das ist klar. Der Mythos, dass jeder Mensch aber täglich zwei Liter trinken muss, ist längst überholt. Denn auch über die Nahrung nehmen wir Flüssigkeit auf. Für Erwachsene ist eine Flüssigkeitsaufnahme von 2,5 Litern pro Tag empfohlen. Mindestens ein Liter davon befindet sich oftmals in der Nahrung, weshalb nur etwa 1,5 Liter über Getränke aufgenommen werden muss. Wer außerdem viel Lebensmittel mit hohem Wassergehalt isst, wie etwa Wassermelone oder Sellerie, der muss eventuell noch weniger trinken.

An heißen Sommertagen, an denen vielleicht auch noch Sport getrieben und viel geschwitzt wird, sieht es natürlich anders aus. Dann sollte mindestens 1 Liter mehr getrunken werden. Übrigens eignet sich Leitungswasser dafür ausgezeichnet. Es ist in Deutschland von optimaler Qualität und schont die Umwelt deutlich mehr, als Wasser aus Plastikflaschen.

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Mythen um Ernährung
 
           

5. Salat ist immer sehr gesund
Um bei den Lebensmitteln mit viel Wasser zu bleiben - zu ihnen gehört auch der Salat. Ganze 95% bestehen aus Wasser. Welche Nährstoffe weiterhin im Salat stecken, kommt ganz auf die Sorte und auf den Reifezustand an. Er muss also gar nicht immer so wahnsinnig gesund sein. Das ist er nämlich in erster Linie dann, wenn die Sorte der Saison gekauft und konsumiert wird. Im Winter und Frühjahr beispielsweise enthält der Feldsalat besonders viel Nährstoffe: Vitamin C, Provitamin A, Kalium, Kalzium und Eisen sind in großen Mengen in ihm enthalten. Einen Überblick über die verschiedenen Salatsorten und wann sie Saison haben, behält man am besten mit einem Saisonkalender, wie er sich zahlreich im Internet finden lässt.

Wichtig ist natürlich auch die Zubereitung des Salats: Wer frisches und bestenfalls saisonales Gemüse oder Wildkräuter in den Salat schneidet und dann noch ein paar Nüsse oder Kerne darüber streut, wird einen deutlich gesünderen Salat zaubern, als jemand, der ein fertiges Salatdressings verwendet. Diese nämlich enthalten häufig viel Fett, Salz und Zucker.

6. Margarine ist schlechter, als Butter
Man mag es kaum glauben, aber zahlreiche Menschen sind noch immer der Meinung, Margarine sei schlechter, als Butter. Längst ist dies aber nicht mehr der Fall. Nicht mehr? Was soll das denn heißen?

Um es kurz zu machen: Butter besteht zu 80% aus Fett. Margarine auch. Die restlichen Prozent der Butter sind Wasser, Milchzucker, Milcheiweiß, Vitamine und Mineralstoffe. Außerdem enthält sie viel Cholesterin, das lange als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen galt, inzwischen für gesunde Menschen aber als unproblematisch eingestuft wurde. Bei der Margarine sind neben Fett Wasser, Salz, Säuerungsmittel und der Farbstoff Beta-Carotin enthalten. Häufig werden auch Vitamine (Vitamin E, A und D) zugesetzt. Früher entstanden bei der Härtung der Margarine die ungesunden Trans-Fettsäuren. Inzwischen haben die Margarine-Hersteller die Produktion jedoch so verändert, dass der Trans-Fettsäuren-Anteil sehr gering ist. Sie ist also eine absolut empfehlenswerte Alternative zu „normaler Butter“. Es ist einfach nur Geschmackssache.

7. Light-Produkte sind anderen Produkten vorzuziehen
Light-Produkte sollen schlank machen, weil sie weniger Zucker und Fett, als herkömmliche Produkte enthalten. Das Problem ist dabei jedoch, dass in ihnen gleichzeitig nicht unbedingt weniger Kalorien enthalten sind. Deshalb nimmt man mit ihnen genauso schnell zu oder ab, wie mit allen anderen Lebensmitteln.

Eine Ausnahme bilden Getränke, da weniger Zucker hier in der Regel mit weniger Kalorien gleichgesetzt werden kann. Allerdings sind für den Geschmack dann in der Regel Süßungsmittel zugesetzt, die vor allem für Kinder nicht zu empfehlen sind und die wiederum unter Umständen appetitanregend wirken können.

8. Lieber mehrere kleine, als zwei oder drei große Mahlzeiten
Auch dieser Mythos scheint nicht aus der Mode zu kommen. Allerdings zählt er zu jenen Mythen, die sich als Regel einfach niemals behaupten werden, da sie nicht auf jeden Menschen zutreffen. Denn jeder Körper und jeder Stoffwechsel verhält sich unterschiedlich. Deshalb benötigt jeder Mensch individuell einen eigenen Ess-Rhythmus, den er nur selbst herausfinden kann. Solange die Verdauung in gesunder Weise arbeitet und man sich stets an ähnliche Portionsgrößen hält, um dem Körper einen Rhythmus anzutrainieren, macht man im Grunde alles richtig – selbst, wenn es nur drei Mahlzeiten am Tag sind.

9. Superfoods heilen Krankheiten
Zu dem sogenannten Superfood zählen vor allem folgende fünf Lebensmittel:

  • Chiasamen
  • Goji-Beeren
  • Acai-Beeren
  • Quinoa
  • Matchapulver

Daneben gibt es noch einige andere Nahrungsmittel, die als extrem gesund gelten und angeblich mitunter sogar zu einer schnelleren Heilung von Krankheiten beitragen.

Nur eine Sache aber ist wissenschaftlich nachweisbar: Die aufgeführten Lebensmittel sind gut für die Gesundheit und schlecht für das Portemonnaie; regionales Obst und Gemüse hingegen ist gut für die Gesundheit und schont dabei das Portemonnaie. Es kann also einfach zu Zweiterem gegriffen werden.

10. Vitaminpräparate können Nahrungsmittel ersetzen
Zu Zeiten, in denen Multimilliardäre, wie Elon Musk, eigene Weltraummissionen planen, kommen Themen, wie komprimierte Nahrung und Vitaminpräparate immer wieder auf den Tisch. Und dann heißt es immer wieder, dass diese letztlich das Problem lösen können, nicht regelmäßig frisches Obst und Gemüse zu sich zu nehmen.

Außerdem sei die Einnahme von derlei Präparaten gesund, da sie dem Körper die mangelnden Vitamine schenken. Mangelerscheinungen sind bei Astronauten, die monatelang auf Mission sind, sicher keine Seltenheit. In der normalen Bevölkerung dagegen kommen sie in der Regel höchstens bei einseitiger Ernährung, bei einer Schwangerschaft, in der Stillzeit oder bei älteren Menschen und chronischen Krankheiten vor. Also gilt auch hier: Nicht gleich in Panik geraten, sondern den Fakten glauben!

Dieser Artikel ist unter freundlicher Zusammenarbeit mit Autor Michael Büttner entstanden. Er schreibt seit vielen Jahren über die Themen, auf die er sich schon während der Studienzeit spezialisiert hat: Ernährung, Gesundheit und Sport. Derzeit arbeitet er an seiner ersten Publikation.


Tags:
ernährung gesundheit mythen



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