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Augsburg
Dienstag, 23. März 2021

Lockdown: Handwerkskammer Schwaben befürchtet Insolvenzwelle

Die Lockdown-Verlängerung kommt angesichts der wieder steigenden Infektionszahlen zwar nicht überraschend, sie ist aber ein großer Schock für viele Handwerksbetriebe, die direkt oder indirekt von Schließungen betroffen sind. Für sie gibt es erneut keine Perspektive für Öffnungen. „Dass der Politik wieder einmal nicht mehr einfällt, als die vor zwei Wochen beschlossenen, leichten Öffnungen einfach wieder zurückzunehmen, ist ein Armutszeugnis“, erklärt Hans-Peter Rauch, Präsident der Handwerkskammer für Schwaben (HWK) und Zugleich auch CSU-Mitglied. „Angesichts eines weiterhin fehlenden Planungshorizonts, dazu auch noch stockender oder unzureichender Überbrückungshilfen, werden viele Betriebe nicht überleben“, so Rauch weiter.

Vielen Handwerksbetrieben droht der Kollaps
Mit der erneuten Lockdown-Verlängerung wird wahrscheinlich ein Kollaps des Gesundheitssystems vermieden – dafür aber ein breitflächiger Unternehmenskollaps heraufbeschworen.

Direkt betroffen sind zum wiederholten Male die handwerklichen Gewerke mit Ladengeschäften, also z.B. Gold- und Silberschmiede, Maßschneider, Uhrmacher oder Keramiker. Diese stehen erneut praktisch ohne Geschäftsgrundlage da. „Dabei ist die Kundenfrequenz in diesen Läden einfach zu steuern. Die Dienstleistungen können mit ffp2-Maske erbracht und die Kontakte nachverfolgt werden“, zeigt Rauch Unverständnis für deren Schließung und die nur sehr vage Aussicht auf Öffnung nach den Osterferien abhängig von niedrigen Inzidenzwerten.

Hinzu kommt eine ganze Reihe mittelbar betroffener Gewerke, in denen wegen des Lockdowns wichtige Abnehmer fehlen. Durch das Geschlossenbleiben von Gaststätten und Hotels brechen etwa den Textil- und Gebäudereinigern oder zuliefernden Lebensmittelgewerken wichtige Kundengruppen weg. Bäcker, Konditoren und Metzger haben zudem noch massive Einbußen ohne ihre Cafés bzw. Mittagsimbisse. „Und jetzt nimmt man diesen gebeutelten Betrieben durch die „erweiterte Ruhezeit“ auch noch in Teilen das Ostergeschäft weg“, ergänzt Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben.

Dramatisch steht es auch um alle Gewerke rund um Messen, Ausstellungen und Veranstaltungen, denen jegliche Perspektive fehlt.

Unternehmen bezahlen Versäumnisse der Politik
Um wirtschaftliches Leben in der Nach-Corona-Zeit wieder in Schwung zu bringen sowie Beschäftigung und Ausbildung zu sichern, werden gerade auch unsere Handwerksbetriebe als Rückgrat der deutschen Wirtschaft gebraucht. „Deshalb ist es gut und richtig, dass die Bundesregierung ein ergänzendes Hilfsprogramm für die besonders schwer und für eine lange Zeit betroffenen Unternehmen entwickeln will“, erklärt Wagner. Allerdings werde dies nur wirken, wenn die Hilfen – anders als bei vorherigen Maßnahmen – wirklich unbürokratisch beantragt werden können und sehr schnell ankommen.

Politische Versäumnisse vor allem beim Impfen und bei der digitalen Nachverfolgung von Infektionsketten müssen aktuell von der Wirtschaft teuer bezahlt werden. Gerade beim Impfen als zentralem Element zur Pandemiebekämpfung hakt es weiter erheblich mit fatalen Folgen. „Hier sieht man mal wieder, dass sich die Bürokratie selbst im Wege steht. Und so gibt es wieder keine Alternativen zu einer perspektivlosen Lockdown-Verlängerung“, ergänzt Rauch.

Dies ist umso unverständlicher, als mit umfangreichen Hygienekonzepten und Testungen weit mehr Instrumente als vor einem Jahr zur Verfügung stehen. Sie müssen nur entsprechend zum Einsatz kommen und die Wirtschaft wird dazu ihren Beitrag leisten. „Für das Handwerk ist dies durchaus bemerkenswert, als unsere Unternehmen eher kleinbetrieblich strukturiert sind und Homeoffice für viele Gewerke kein Thema ist“, so Wagner weiter.

„Mit schnellem Impfen und Testen können wir – unabhängig von Inzidenzwerten – wieder mehr öffnen. Nur ein solcher Strategiewechsel kann eine hohe Insolvenzwelle in den betroffenen Handwerken verhindern“, fordert Rauch abschließend. (pm)


Tags:
handwerk insolvenz corona lockdown


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