Moderator: Hits der 70er bis Heute
Sendung: Wach durch die Allgäuer Nacht
 
 
Ausgebrochen war das Feuer im ersten Waggon nach dem hinteren Triebwagen, dann sprang es auf das Zugende über.
(Bildquelle: Thomas Frey)
 
Freitag, 12. Oktober 2018
Feuer im ICE - Bundespolizist wird zum Retter

Dierdorf (dpa) - Von dem ausgebrannten ICE-Waggon ist nur noch ein schwarz verkohltes Gerippe übrig. Zerborstenes Fensterglas ist auf den Gleisen nahe Dierdorf im Westerwald zerstreut, daneben die Reste von Sitzen.

In der Böschung liegt eine herausgerissene, verbogene Zugtür. Auch in den angrenzenden Zugteilen sieht es düster aus: Alle Sitze sind angekokelt, die Fenster gesprungen. Dieses Szenario könnte ohne weiteres Schauplatz einer großen Katastrophe sein. Dass der Brand an der ICE-Schnellstrecke zwischen Köln und Frankfurt am Freitag mit fünf Leichtverletzten vergleichsweise glimpflich verlief, ist auch mehreren glücklichen Umständen zu verdanken.

Im Unglückswagen saß zufällig ein Bundespolizist, wie ein Sprecher der Behörde sagt. Bereits in Uniform sei der Kollege unterwegs zur Arbeit gewesen, als er Rauch bemerkte und routiniert die Rettung organisierte. Der Beamte habe nicht nur den Nothalt eingeleitet, sondern auch dafür gesorgt, dass nicht alle Passagiere planlos aus den offenen Türen stürmen. Er habe im Blick gehabt, dass herabgerissene Oberleitungen eine tödliche Gefahr sind und dass noch weitere Züge auf der Strecke unterwegs sein könnten. Der Kollege habe die Menschen dann auf einem bestimmten Korridor in Sicherheit geleitet, erzählt der Sprecher der Bundespolizei.

510 Passagiere waren in dem Fernzug. Die Deutsche Bahn betonte, dass eine Zugevakuierung nach festen Regeln ablaufe. «Das Bordpersonal auf den Zügen ist für diese Fälle geschult», sagte eine Sprecherin.

Hilfe bei der Räumung bekam das Zugpersonal auch von anderer erfahrener Seite: «Es waren weitere Angehörige von Hilfsorganisationen im Zug», sagt der Kreisfeuerwehrinspektor Werner Böcking, darunter mehrere Feuerwehrleute. Ein leitender Helfer berichtet nach dem Einsatz von der besonnenen Atmosphäre am Unglücksort. «Die Leute waren sehr diszipliniert, die Leute waren sehr ruhig.»

Noch ein weiterer glücklicher Umstand habe den Rettern in die Karten gespielt: das Wetter. Es war trocken am Freitagmorgen und nicht allzu kalt. «Das Verhalten der Leute war sehr vorbildlich», betont der Helfer. Viele Reisende hätten sich ausdrücklich bei den Einsatzkräften bedankt. Es seien weder Rollstuhlfahrer noch Kleinkinder im Zug gewesen.

Der Unglücksort liegt hinter einer Böschung zur Autobahn 3, da war der Zugang nach Angaben der Helfer zwar «etwas schwierig». Wenn man aber einmal auf der ICE-Strecke sei, sei es relativ eben und alle Fahrgäste hätten über befestigte Wege die nächste Straße erreichen können.

Die Reisenden seien zu einem Dorfgemeinschaftshaus in der Nähe und dann teils zum ICE-Bahnhof Montabaur gebracht worden. Einige wurden von Angehörigen abgeholt oder setzten ihre Reise im Taxi fort.

Der 20 Jahre alte Tim Hübner war mit seinem Vater unterwegs zu einem Arzttermin in Ulm. Er habe im mittleren Teil des Zuges gesessen und zunächst nichts vom Brand mitbekommen, als der Zug plötzlich gehalten habe und Sicherheitsleute die Menschen nach draußen geleiteten, erzählt er. Erst dann habe er die Flammen gesehen. «Bei uns war die Stimmung genervt bis interessiert», sagt er. «Als man den Brand gesehen hat, war das schon anders.» Den Reisenden, die aus dem hinteren Teil des Zuges kamen, sei der Schock teilweise deutlich anzumerken gewesen.

Es gebe für die ICE-Strecke einen Alarm- und Einsatzplan, sagt Kreisfeuerwehrinspekteur Böcking. «Genau nach diesem Plan wurde heute vorgegangen und es hat funktioniert.» Man könne von Glück sprechen, dass der Brand auf freier Strecke war und nicht in einem Tunnel.

Das Unglück hatte auch erheblichen Einfluss auf die Tagesplanung eines Paars in Dierdorf, das gar nicht im Zug saß. Eigentlich sei deren Hochzeitsfeier im Rathaus geplant gewesen, der Raum sei jedoch kurzfristig für eine Pressekonferenz zum Brand gebraucht worden, erzählt eine Mitarbeiterin der Gemeinde. Für das etwas verunsicherte Paar sei jedoch kurzfristig ein Ersatzraum organisiert worden.


Tags:
Verkehr Bahn Notfälle Rheinland-Pfalz Hessen Nordrhein-Westfalen Deutschland



DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN:
Alexander Hold könnte Justizminister werden - Ulrike Müller verhandelt mit CSU über Koalition
Noch nicht einmal 48 Stunden nach der Landtagswahl in Bayern wird über erste Personalien einer CSU/Freie Wähler- Koalition spekuliert. So könnte der ...
Nach der Landtagswahl: Allgäuer Abgeordnete stehen fest - CSU und Freie Wähler stärker vertreten
Zwei Tage nach der Landtagswahl in Bayern stehen die regionalen Landtagsabgeordneten fest, die aus dem Allgäu in den Bayerischen Landtag entsandt werden. Das geht ...
Verfolgungsjagt nach Diebstahl von Warnbake - Polizei stellt Täterfahrzeug in Nebengasse
Am 15.10.2018 gegen 21:30 Uhr fiel einer Polizeistreife ein Fahrzeug auf, welches mit erhöhter Geschwindigkeit durch Wildpoldsried fuhr. In dem Fahrzeug ...
Täter macht hohen Gewinn durch Diebstahl von Felgen - Täter klaut Felgen und verursacht Sachschaden im Wert von ca. 10.000 Euro
Zwischen dem 14.10.2018 und dem 15.10.2018 wurden vom Hof des Autohauses Allgäu in der Sonthofener Straße, 16 neuwertige Leichtmetallfelgen im Wert von ...
Unbefugter Gebrauch eines Fahrzeugs in Memmingen - Geschädigte begeht Beleidigung und mehrfache Sachbeschädigung
Eine 54 Jahre alte Frau gab nach einem gemeinsamen Klinikaufenthalt einem 31 Jahre alten flüchtigen Bekannten ihren Autoschlüssel. Es war angedacht, das der ...
Fahrzeug in Memmingen überschlägt sich - Gesamtschaden von ca. 10.000 Euro
Eine 27 Jahre alte Autofahrerin befuhr am Montag in den frühen Morgenstunden, die Allgäuer Straße in Fahrtrichtung Dickenreis und fuhr alleinbeteiligt ...
© 2018 AllgäuHIT - Baumann & Häuslinger GbR • Richard-Wagner-Str. 14 • 87525 Sonthofen - Tel: 08321-676 1360
Die Nutzung der Nachrichten von AllgäuHIT, auch in Auszügen, ist ausschließlich für den privaten Bereich freigegeben.
Eine Nutzung für den gewerblichen Bereich erfordert eine schriftliche Genehmigung der Baumann & Häuslinger GbR
MEINE REGIONALNACHRICHTEN
Meine Allgäu-Region wählen ...
 
Kleinwalsertal Kempten Oberallgäu Kaufbeuren Ostallgäu Memmingen Unterallgäu Bodensee
LIKE UNS BEI FACEBOOK
 
 
 
Radio einschalten