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Christin Hussong jubelt mit Maskottchen Berlino über ihre Goldmedaille im Speerwurf.
(Bildquelle: Michael Kappeler)
 
Samstag, 11. August 2018
«Herzschlag des Lebens» - Stadion treibt Hussong zu Gold

Berlin (dpa) - Nach ihrem Triumph war die neue Speerwurf-Europameisterin so glücklich, dass sie sich am liebsten bei jedem der 48.457 Zuschauer im Olympiastadion persönlich bedankt hätte.

«Das war wirklich ein Kessel! Wenn die dann alle klatschen für dich, wenn du am Anlauf stehst - so einen Herzschlag hatte ich, glaube ich, noch nie in meinem Leben», sagte Christin Hussong nach ihrem vergoldeten Freitagabend bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin. «Ich habe gezittert, wenn man da ins Stadion einläuft und alle klatschen.»

Entscheidend war gleich der erste Versuch, als der Speer fliegt und fliegt und fliegt. Und bei 67,90 Metern im satten grünen Rasen stecken bleibt. Noch nie war ein Frauenspeer bei immerhin 23 Europameisterschaften weiter gesegelt. «Es war so ein Traum, im ersten gleich so weit zu werfen! Die anderen waren danach schon etwas geschockt», erklärte die 24-Jährige vom LAZ Zweibrücken.

Danach wusste die 1,81 Meter große Pfälzerin: «So eine 67 wird wahrscheinlich zu einer Medaille reichen. Aber dass es so eindeutig ist...» Dass sie mit dem unglaublichen Vorsprung von 6,05 Metern auf die zweitplatzierte Tschechin Nikola Ogrodnikova (61,85) gewann, wollte die deutsche Meisterin keinesfalls überbewerten.

Auch Hussong hatte schon schlechtere Tage, und manchmal entscheiden in ihrer Branche winzige Details über Sieg und Niederlage. «Speerwerfen ist so filigran», schildert Hussong, «da machen so Kleinigkeiten gleich vier, fünf Meter aus.»

Ihr Vater Udo Hussong ist zugleich ihr Trainer. «Er pusht mich, hat mir aber am Ende nur noch gesagt: genieße es!» Das hat Christin Hussong auch, beim letzten Versuch hatte sie Tränen in den Augen. Denn da stand schon fest, dass sie die achte deutsche Speerwurf-Europameisterin seit der EM-Premiere im Jahr 1934 ist.

Dabei fing der Tag gar nicht gut an. Hussong war so aufgeregt wie vor der Qualifikation, die sie auch schon dominiert hatte. «Heute Morgen nach dem Aufstehen war es mir wieder schlecht, ich war unfassbar nervös.»

Nur eine gute Speerlänge - 2,10 Meter - fehlen der Studentin der Sportwissenschaften seit Freitag noch zur 70-Meter-Marke - das sind praktisch die 90 Meter für die Männer. «Irgendwann in meiner Karriere fallen die hoffentlich noch», meint die Europameisterin. «Wann, wird man sehen.»


Tags:
Leichtathletik EM Speerwurf Frauen Europa Deutschland Berlin



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