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Sendung: Guten Abend Allgäu
 
 

Zur neuen Jagdsaison: Oberallgäuer Jäger sollen mehr Rotwild schießen
10.04.2013 - 13:41
In wenigen Wochen beginnt die Jagdsaison. Jahr für Jahr geht es dabei dem Rotwild an den Kragen. Das hat allerdings weniger mit übertriebenem Eifer auf Seiten der Jägerschaft zu tun, sondern soll normalerweise den Bestand auf einem für den Wald erträglichen Level halten. Jetzt gehts aber nicht mehr nur um den Wald, sondern um die Gesundheit von Tier und Mensch. Denn im Oberallgäu wurde Tbc an Hirsch und Rind festgestellt.
Über 1.600 Tiere sind in der vergangenen Jagdsaison in den Oberallgäuer Wäldern geschossen worden. Die geforderte Quote des Landratsamts ist damit sogar übererfüllt. So soll es laut Landrat Gebhard Kaiser weitergehen. Er will eine Reduzierung der Rotwilddichte auf unter drei Stück pro hundert Hektar erreichen, um die Infektionsmöglichkeiten zwischen beiden Tiergruppen zu minimieren. Außerdem fordert er eine amtliche Fleischbeschau.

"Waidmanns Dank" dürfte er dafür sicher nicht ernten. Spätestens am kommenden Montag wird eine ganze Lawine auf den Landrat einprasseln, denn die Jäger sehen das Rotwild im Fall "Wer hat wen angesteckt? - Der Hirsch das Rind oder umgekehrt" als Bauernopfer. Dass alle Indizien für genau diese These sprechen, wollen die Jäger nicht wahrhaben. "Die Hirsch zu Rind- Übertragung ist deshalb wahrscheinlich, weil es nur Indizien in dieser Richtung gibt. In umgekehrter Richtung gibt es nicht einmal ein einziges Indiz", so Gottfried Mayrock, Leiter der Abteilung Natur und Verbraucher beim Landratsamt in Sonthofen. Aber auch er muss zugeben: Handfeste Beweise fehlen.

Alle Verantwortlichen sind sich einig: "Ein entsprechendes Durchgreifen schützt den Rinderbestand, aber auch das Wild." Es nütze aber nichts, infizierte Rinder leben zu lassen und Hirsche zu schießen oder umgekehrt - beides müsse in einem gesunden und erforderlichen Maß erfolgen.

Deutliche Worte findet Landrat Gebhard Kaiser beim Thema Fleischbeschau: "Es kann doch nicht sein, dass wir jedes Stück Rindfleisch amtlich kontrollieren und beim Rotwild nicht. Daher müsse man vernünftige gangbare Wege finden für eine ordnungsgemäße Fleischbeschau auch beim Wildbret", so Kaiser bei einer Pressekonferenz im Landratsamt. Auch hier stehe, wie beim Rindfleisch auch, die einwandfreie Qualität im Vordergrund, die der Verbraucher und der Tourist in den Restaurants zu Recht erwarten könne. Ab Mai, also der neuen Jagdsaison, solle dies in seinem Landkreis so umgesetzt werden. Ob die große Politik im Freistaat oder auf Bundesebene zeitnah reagiere, sei eher fraglich.

Einig sind sich Jäger und Landrat aber in einem ganz wesentlichen Punkt: Sie wollen jetzt kein Rotwild mehr im Wintergatter schießen. "Wir haben mehr Abschusszahlen geliefert als gefordert, das muss genügen", so Kaiser. "Ich schieße doch nicht mehr am 15. April im Wintergatter, damit die Tiere dann in Panik über die Zäune springen und die jungen Knospen und Triebe kaputt machen. Das ist eine Anordnung, die der bayerische Landtag so getroffen hat, die wir aber so bei uns im Landkreis nicht umsetzen. Wir haben in den Bereichen Rind und Wild viel selber entwickelt und ich glaube, auch im Einvernehmen mit den Jägern". Selbst dem Grünen Landtagsabgeordneten Adi Sprinkart war bei einer Großveranstaltung im Hofgarten in Immenstadt der Kragen geplatzt. Auf die Wortmeldung, warum die "armen Tiere" in großer Vielzahl geschossen würden, sagte er: "Jedes Jahr stecken wir viel Geld in die Bergwaldoffensive, das können wir doch nicht durch eine ausufernde Zahl an Rotwild wieder kaputt machen".

Rotwild - Zahlen und Fakten:
- erlegt im Jagdjahr 2012/2013: 479 davon pos. 21 - erlegt im Jagdjahr 2011/2012: 80 davon pos. 1 - regionaler Schwerpunkt südwestl. Bereich Oberstdorfs

Fütterungs- und Weidehygiene
- keine Bodenvorlage von Futtermitteln>
- Platzierung von Salzlecken möglichst an Orten, die für das Weidevieh nicht erreichbar sind >
- wenn möglich Trennung von Wald und Weide>
- Kompostierung von Losung und Futterresten aus dem Fütterungsbereich und deren Ausbringung auf Weideflächen erst im Herbst oder im darauffolgenden Frühjahr >
- Desinfektion der Fütterungsstandorte - kein Aufbruchsmaterial auf Weideflächen liegen lassen - Entsorgung von Fallwild

Weiterführung des Monitorings
- Untersuchung allen erlegten Rotwildes > 2 Jahre
- Festlegung repräsentativer Stichproben für Rotwild < 2 Jahre
- Weiterführung des Monitorings bei den übrigen Wildarten

 
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