Moderator: Hits der 70er bis Heute
Sendung: Der AllgäuHIT-MIX
 
 
Sommeransicht von Hinterstein im Oberallgäu
(Bildquelle: AllgäuHIT)
 
Oberallgäu - Hinterstein
Freitag, 6. Februar 2015
DAV nominiert Bad Hindelang für Bergsteigerdorf
Entscheidung bringt Ortsteil dem Siegel näher

Der Bad Hindelanger Ortsteil Hinterstein erfüllt die Voraussetzungen für das Siegel „Bergsteigerdorf“. „Bergsteigerdörfer“ sind ursprünglich eine Marke des Österreichischen Alpenvereins für nachhaltigen Tourismus in Alpentälern. Die positive Entscheidung traf jetzt das Präsidium des Deutschen Alpenvereins (DAV), teilt der DAV in einer Presseerklärung mit.

Für das im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen gelegene Paradies für Kletterer und Wanderer ist das ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Auszeichnung, die Hinterstein seit zwei Jahren anstrebt. Seit jeher besteht jeglicher Entwicklungsgedanke auf der Identität und der gelebten Tradition als Bergdorf. So ist Hinterstein bekannt für sein „Ökomodell“, einen Schulterschluss zwischen Alp- und Berglandwirtschaft, Naturschutz und Tourismus. 

Allerdings spricht sich der DAV in seiner Presseerklärung auch für die Aberkennung des Siegels in dem Falle aus, sollte es zum Bau der geplanten Wasserkraftanlage „Älpele“ im Hintersteiner Tal kommen. Der Bad Hindelanger Bürgermeister Adalbert Martin kann das nicht nachvollziehen: „An die vorliegende Planung wurden höchst mögliche Maßstäbe betreffend der Lage und Naturverträglichkeit gestellt. So wird die Schlucht ´Eisenbreche´ großräumig umfahren. Gutachten belegen, dass keine Schutzgüter allein schon wegen der hohen Restwassermenge gefährdet sind.“ 

Wasserkraft hat in Bad Hindelang seit jeher eine positive Tradition. Als aktuellstes Beispiel dient die Stromversorgung von insgesamt neun Hütten und Alpen, die das vom 1813 Meter hoch gelegenen Schrecksee gespeiste Wasserkraftwerk „Auele“ realisiert. 

Mit dem Verzicht auf Dieselaggregate werden im Naturschutzgebiet ´Allgäuer Hochalpen´ damit 64000 Liter Diesel pro Jahr eingespart und somit rund 173000 Kilogramm CO2 weniger benötigt. Unter anderem mit dem Bau des geplanten Bürgerkraftwerks „Älpele“ strebt die Gemeinde bis 2030 die Klimaneutralität und die Unabhängigkeit von der Stromversorgung an. 

„Das geplante Wasserkraftwerk 'Älpele' wäre der gelungene Lückenschluss einer ökologisch sinnvollen Energieerzeugung aus Erneuerbaren Energien.  Die zusätzliche Wasserkraft würde die Ökobilanz Bad Hindelangs um einen Faktor von etwa 4,5 Millionen Kubikmeter CO2 pro Jahr verbessern. Damit könnten wir rein rechnerisch 2700 Haushalte mit Strom versorgen oder etwa 800 Heißluftballons füllen. Dies passt hervorragend zur Entwicklung als ´Bergsteigerdorf´ und wäre eine positive Abrundung unseres Ökomodells“, sagt Bürgermeister Adalbert Martin.  

Für Martin steht fest, dass „Hinterstein besonders geeignet ist für das Prädikat Bergsteigerdorf“. Dass der DAV die mögliche Auszeichnung in Frage stellt, sollte ein weiteres Wasserkraftwerk gebaut werden, kann er nicht verstehen: „Im Kern betrifft das Vorhaben die Abwägung zwischen den Belangen des Naturschutzes und den Belangen einer dezentralen Energieproduktion im Sinne der Energiewende. Unser Dilemma besteht doch darin, dass es für diese Abwägung derzeit keine eindeutigen gesellschaftspolitischen Leitlinien gibt.“  Dem Bürgermeister zufolge sind die äußeren Rahmenbedingungen des geplanten Bürgerkraftwerks nämlich so, „dass nach detaillierter Abwägung der Bau an dieser Stelle vertretbar ist und die Schutzgüter im Naturschutzgebiet 'Allgäuer Hochalpen' nicht gefährdet sind.“ Zumal die geplante Wasserkraftanlage „schon allein wegen seiner deutlich abgesetzten Lage vom Ortsteil Hinterstein nicht mit dem Vorhaben Bergsteigerdorf in Verbindung gebracht werden kann“, wie Bürgermeister Martin anmerkt.     

Dass Energiegewinnung aus Wasser und Naturschutz kein Widerspruch sind und eine sinnvolle Nutzung realisierbar ist, zeige nach Angaben des Bad Hindelanger Bürgermeisters das Wasserkraftwerk, das der DAV in demselben Naturschutzgebiet seinerzeit in der Nähe des Prinz-Luitpold-Hause errichtet hat. Martin: „Die Entscheidung, Erneuerbare Energien in diesem hochsensiblen Bereich durch Wasserkraft anstelle eines Dieselaggregates zu fördern, hat sich als sehr positiv herausgestellt. Der damalige Eingriff ist heute zudem kaum mehr sichtbar.“      

Über das Ökomodell Hindelang-Hinterstein
Hinterstein gilt als Paradebeispiel für nachhaltige Tourismusentwicklung im Alpenraum und wurde bundesweit vor allem durch sein „Ökomodell Hindelang“ bekannt. Mit dem Ökomodell Hindelang, das seinen Ursprung in Hinterstein hatte, gelang es Älplern, Bergbauern und Hirten vor 30 Jahren die strengen ökologischen Kriterien der hochalpinen Alpwirtschaft sinnvoll in die Berglandwirtschaft übertragen. Seither pflegen und hegen sie die Kulturlandschaft, betreiben gemeindeweit großflächigen Naturschutz und prägen somit die Identität des Ostrachtales.  

Die Anzahl der Bergbauernbetriebe ist seither nahezu stabil geblieben, ein drohender Kulturlandschaftswandel wurde verhindert. Die landschaftliche Ursprünglichkeit mit ihren typischen Buckelwiesen, farbenprächtigen Pflanzenteppichen und klaren Bächen wurde flächendeckend erhalten. Damit ist Hinterstein inklusive der Direktvermarktung der Produkte ein einmaliges Beispiel für kleinräumige Wirtschaftskreisläufe.   

Ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem sich die Gemeinde Bad Hindelang derzeit für die Aufnahme in das nationale Verzeichnis des „Immateriellen Kulturerbes“ bewirbt, das  auf Basis eines UNESCO-Abkommens aus dem Jahre 2003 basiert. In die Bayerische Liste wurde Bad Hindelang bereits aufgenommen.  

„Unsere Angebote betreffend Tourismus und Mobilität sowie unsere Landschafts- sowie Flächennutzungspläne und Energiekonzepte orientieren sich an den traditionellen Vorgaben“, sagt der Bad Hindelanger Bürgermeister Adalbert Martin.

Bad Hindelang hat seine Ökobilanz in den vergangenen Jahren stetig verbessert. „Zum Beispiel haben wir Dank unserer sanften Mobilität im Rahmen der Service-Gästekarte 'Bad Hindelang PLUS' die Zahlen im Öffentlichen Personen-Nahverkehr ÖPNV innerhalb der vergangenen fünf Jahre mehr als verdoppelt“, so der Bad Hindelanger Tourismusdirektor Max Hillmeier.


Tags:
bergsteigerdorf siegel dav allgäu



DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN:
"Philipp Lahm Schultour" in Immenstadt - Schüler für Gesundheit und Selbstfindung begeistern
Die "Philipp Lahm Schultour" macht bis Donnerstag Station bei der Staatlichen Realschule für Knaben in Immenstadt. "Die gesamte Tour läuft ...
Baumlandung mit Gleitschirm bei Halblech - Bergwacht musste 51-Jährigen aus Baum bergen
Gegen Mittag am 18.09.2018 kam es bei einem Übungsflug eines Gleitschirmflieger-Anfängers zu einem Unfall. Der Pilot, der bereits Alleinflüge in ...
Kemptner Johanniter geben Tipps zur Sturzprophylaxe - Wie kann ich Stürze im Alter vermeiden?
Im Alter steigt das Risiko, bei alltäglichen Aktivitäten zu stürzen erheblich an. Ursachen für Stürze können beispielsweise altersbedingte ...
Johanniter freuen sich über Krankentransportwagen - Spende für neue Ortsverband Altusried-Dietmannsried
Das Altusrieder Ehepaar Beatrice und Marcus Röhe hat den Johannitern einen Krankentransportwagen (KTW) gespendet. Das Fahrzeug wird künftig im neu ...
Sommer im Allgäu war zu sonnig und trocken - Reste von Hurrikan Helene und Florence bestimmen das Wetter
Der Sommer 2018 (klimatologisch-buchhalterisch der Zeitraum 1.6. bis 31.8.) war im Allgäu, Kleinwalsertal sowie am Bodensee zu warm, zu sonnig und zu trocken. ...
Finanzkontrollen in Kempten und Lindau - Fokus: Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohnes
Am 11. und 12. September 2018 haben insgesamt rund 6.000 Einsatzkräfte der Finanzkontrolle Schwarzarbeit der Zollverwaltung (FKS) bundesweit die Einhaltung der ...
© 2018 AllgäuHIT - Baumann & Häuslinger GbR • Richard-Wagner-Str. 14 • 87525 Sonthofen - Tel: 08321-676 1360
Die Nutzung der Nachrichten von AllgäuHIT, auch in Auszügen, ist ausschließlich für den privaten Bereich freigegeben.
Eine Nutzung für den gewerblichen Bereich erfordert eine schriftliche Genehmigung der Baumann & Häuslinger GbR
MEINE REGIONALNACHRICHTEN
Meine Allgäu-Region wählen ...
 
Kleinwalsertal Kempten Oberallgäu Kaufbeuren Ostallgäu Memmingen Unterallgäu Bodensee
LIKE UNS BEI FACEBOOK
 
DIE LETZTEN 3 GESPIELTEN TITEL
 
Nathan Trent & J-MOX
Secrets
 
James Blunt
You´re Beautiful
 
Bruno Mars
24K Magic
AKTUELLE BILDERGALERIEN
 
AllgäuHIT-Bildergalerie
Das Oktoberfest steht bevor
 
AllgäuHIT-Bildergalerie
Mythen um Ernährung
 
AllgäuHIT-Bildergalerie
Brand Oberstaufen-Konstanzer
 
 
 
Radio einschalten