Moderator: Hits der 70er bis Heute
Sendung: Der AllgäuHIT-MIX
 
 

Wanderprojekt schenkt krebskranken Frauen neue Lebensfreude
28.01.2013 - 11:35
Diagnose Krebs. Ein Berg an Ängsten, Fragen, Unsicherheiten stellt sich in den Weg. Was passiert mit mir? Wie geht es weiter?
Berge bezwungen – nicht nur in symbolischem Sinn – haben sechs Krebspatientinnen, die sich mit dem Klinikum Memmingen an ein Wanderprojekt trauten. Vier Tage unwegsame Pfade, Höhen und Tiefen. Der seelische und körperliche Gewinn für die Frauen war überwältigend. Jetzt wird die Aktion wiederholt.

Diagnose Krebs. Die Angst vor dem Tod lähmt jede Tat, jeden klaren Gedanken. Der Alltag wird zur Herausforderung. Das Selbstbewusstsein schmilzt dahin. Die Tumordiagnose raubt Betroffenen den trittsicheren Boden unter den Füßen. Um Trittsicherheit ging es auch auf den steilen Wegen, auf denen sich sechs Tumorpatientinnen des Klinikums Memmingen nach ihrer Krebstherapie bewegten, um dort den kraftraubenden Krankheitsverlauf seelisch zu verarbeiten.

Mit Rucksack und Wanderschuhen erklommen die Frauen Gipfel, die sie noch davor – geschwächt und chronisch müde von Bestrahlung und Chemotherapie – für unerreichbar gehalten hatten. „Die Tour wird meine ganze Zukunft prägen. Sie ist ein Zeichen dafür, dass man etwas erreichen kann, wenn man nur will“, beschreibt eine der Krebspatientinnen ihre Erfahrungen nach der Wanderung. „Was durch meine Erkrankung eingeschränkt war, ist jetzt wieder frei.“ Zurück kamen die Teilnehmerinnen mit neugewonnener Kraft, den Alltag zu bewältigen und zu lernen, mit dem Krebs zu leben. Denn – egal ob therapiert oder nicht: „Die Angst vor dem Tumor verschwindet nie ganz“, weiß Fachkrankenschwester Petra Schäfer vom Brustzentrum des Klinikums und vergleicht den Krebs mit einem Lagerfeuer, dessen Glut zwar immer kleiner wird, aber nie ganz erlischt.

Um ihren Patientinnen seelisch zur Seite zu stehen und ihnen „mehr zu bieten, als nur Medizin“, entwarf Schäfer eine viertägige Wandertour durch die Allgäuer Bergwelt. Zwölf Wochen lang bereiteten sich die Krebspatientinnen unter Anleitung der Krankenschwester auf den anspruchsvollen Bergmarsch vor – mit Nordic-Walking-Touren, kleineren Wanderungen und Muskelaufbautraining im Fitnessstudio. Denn der Tumor hatte die Körper der Teilnehmerinnen, von denen die Älteste über 70 war, maßgeblich geschwächt und ihnen das Bewusstsein für das eigene Selbst geraubt. „Ich hatte das Gefühl, wieder einmal etwas geschafft zu haben und bin über mich selbst hinausgewachsen“, berichtet eine der Krebspatientinnen nach dem Wandererlebnis mit schwierigen Marschrouten und manchen Entbehrungen, aus dem sie psychisch und physisch gestärkt hervorging. Begleitet wurde die Gruppe von Barbara Braun aus der Pflegedienstleitung und dem Chefarzt der Frauenklinik, Privatdozent Dr. Felix Flock, der sich am ersten Tag der Wanderung der achtköpfigen Truppe anschloss.

Im Sommer soll das erfolgreiche Projekt wiederholt werden, von dem Petra Schäfer teils mit Freudentränen in den Augen spricht: „Anfangs hatte ich Angst, ob alles klappen würde. Aber dann wurden die Tage in den Bergen zu einer der schönsten Zeit in meinem beruflichen Leben.“

 
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