Moderator: Hits der 70er bis Heute
Sendung: Guten Abend Allgäu
 
 
Gegen Liganeuling Pipinsried ist der FC Memmingen eigentlich in der Außenseiterrolle.
(Bildquelle: )
 
Memmingen
Freitag, 8. September 2017
Platzt jetzt endlich beim FC Memmingen der Knoten?
Nach Pokalsieg über Illertissen muss der Regionalligist bei Aufsteiger Pipinsried ran

Wenn am Samstagnachmittag um 14:00 Uhr im Regionalliga-Punktspiel der FC Pipinsried und der FC Memmingen aufeinandertreffen, prallen zwei Vereinsphilosophien aufeinander, wie sie im Amateur-Spitzenfußball kaum unterschiedlicher sein könnten. Hier ein Dorfklub, der ausschließlich auf die Verpflichtung von fertigen Spielern setzt und von der Konkurrenz schon mal als „Legionärstruppe“ bezeichnet wird. Nachwuchsarbeit spielt so gut wie keine Rolle. Im Gegensatz dazu steht der FC Memmingen als Ausbildungsverein, der in der Jugend alle Alterklassen durchgehend doppelt besetzt hat und für seine herausragende Nachwuchsarbeit bekannt ist. Vom ganzen Aufwand drumherum abgesehen, auch mit einem finanziellen Aufwand im sechsstelligen Bereich. Mit dem Ziel, möglichst viele Spieler für die erste Mannschaft aus den eigenen Reihen zu rekrutieren. Wobei es zugegebenermaßen auch nicht ganz ohne Kräfte von außen geht. Spieler, die in Memmingen den Durchbruch nicht schaffen, sind natürlich bei den Umlandvereinen gerne gesehene Verstärkungen.

Pipinsried investiert das Geld lieber gleich in fertige Leute, riskiert Strafzahlungen an den Verband wegen fehlender Jugendteams und hat noch weitere Eigenheiten. An vorderster Front in Person von Konny Höß. Vor über 50 Jahren gründete er in dem 550-Seelen-Dorf „seinen“ Fußballclub, der in gewisser Weise auch schon Kultstatus erreicht hat. Der Aufstieg in die Regionalliga ist der Höhepunkt im Lebenswerk von Höß, der es nach einem Herzinfarkt eigentlich ruhiger angehen lassen wollte. Mit Roman Plesche hat er einen sportlichen Leiter verpflichtet, der die Strippen zieht – das letzte Machtwort spricht im Fall der Fälle aber immer noch der Präsident. Sein ganzer Stolz ist das vereinseigene Gelände, das in Eigenregie viertligatauglich gemacht wurde. Für den Materialaufwand wird per Crowdfounding Geld bei Fans im Internet gesammelt.

Es kann gut sein, dass Höß noch persönlich Rasenpflege betreibt, wenn der Memminger Mannschaftsbus vorfährt. Ob der 76-jährige das Spiel gegen den Allgäuer Traditionsclub verfolgen wird, ist nicht gewiss. Immer wieder taucht der umtriebige Funktionär auf anderen Sportplätzen auf, wenn parallel seine eigene Truppe spielt. Zum einen vielleicht, um seine etwas angeschlagene Gesundheit zu schonen und zum anderen, um nach Kräften Ausschau zu halten, die zu seinem FCP passen könnten. Wenn es nicht passt, wird auch mal schnell gehandelt, Hire&Fire-Politik eben. So kann sich von einer Spielzeit auf die anderen schon mal das Gesicht des gesamten Kaders wandeln.

Immer wieder sind auch Exoten darunter, wie im Sommer das einstige Fußball-Wunderkind Savio Nserenko. Das „Enfant terrible“ wollte einen Neustart machen. Vier Tage vor Saisonbeginn gab es aber schon den Abpfiff. Einvernehmlich, wie es hieß. Hintergründe unklar. Mariusz Suszko blieb auch nicht lange, schloss sich nach nur wenig Einsatzzeit dem SV Seligenporten an. Kurz vor Transferschluss wurde von Plesche mit Kasim Rabihic (Rot-Weiß Essen) noch ein weiterer vermeintlicher Hochkaräter verpflichtet. Der hat mit FCP-Spielertrainer Fabian Hürzeler schon bei 1860 München zusammengespielt. Der erst 24-jährige Hürzeler bittet seine Mannschaft nur zweimal wöchentlich zum Training, weil Höß es so will. Damit spart er Fahrkosten und liefert gleich die laxe Begründung nach: "Aus einem Ochsen wird auch kein Rennpferd, nur weil ich ihn täglich laufen lasse".

Über solche Ansichten schütteln sie in Memmingen und anderswo den Kopf. Beim FCM wird viermal wöchentlich trainiert, um die Spieler weiterzuentwickeln. Und dennoch sagt die Momentaufnahme vor dem zehnten Spieltag: Aufsteiger Pipinsried hat schon zehn Punkte auf dem Konto und liegt auf einem Nichtabstiegsplatz. Memmingen mit nur drei Zählern am Tabellenende steht beim Neuling gehörig unter Zugzwang.

Pokal: Im bayerischen Viertelfinale muss der FC Memmingen am Dienstag, 17. Oktober (19 Uhr) beim Regionalliga-Kontrahenten SV Seligenporten antreten. Eine weite Auswärtsfahrt unter der Woche, alle kostet es einen Urlaubstag, vermutlich ein nur geringer Zuschauerzuspruch, finanziell möglicherweise sogar ein Draufzahlgeschäft. Kein Wunder, dass sich die Begeisterung im Memminger Lager in Grenzen hält. Zumindest gibt es eine reelle Chance, das Halbfinale zu erreichen. Das „Traumlos“ 1860 München hat die SpVgg Bayreuth erwischt. Mit Drittligisten bekommen es der TSV 1860 Rosenheim (gegen die Würzburger Kickers) und FC Schweinfurt 05 (gegen die SpVgg Unterhaching) zu tun.



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